Maroder Schreinerbrunnen abgebaut

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Der Schreinerbrunnen wurde am Freitag abgebaut. Bis Ende Juli soll hier ein Wasserspielplatz für Kinder entstehen.
Der Schreinerbrunnen wurde am Freitag abgebaut. Bis Ende Juli soll hier ein Wasserspielplatz für Kinder entstehen. (Foto: Felix Fetzer)
Crossmediale Volontärin

Nach 31 Jahren hat der „Schreinerbrunnen“ im Wohngebiet Kirchwiesen weichen müssen. Am Freitag ist das Werk des Spaichinger Künstlers Frieder Preis abgebaut worden. Baufälligkeit ist der Grund, den das Rathaus für den Rückbau nennt.

Als Erinnerungsstück an Spaichingens ehemals größte Möbelfabrik entwarf Frieder Preis 1987 einen Brunnen aus Eichenholz und baute den am ehemaligen Fabrikstandort in den Kirchwiesen auf. Rund drei Monate hatte er damals in sein Kunstwerk investiert. Mit Zinken und Zapfen kreierte er ein Spiel aus Licht und Wasser. Doch der Brunnen sitzt bereits seit 2014 sprichwörtlich auf dem Trockenen – ihm wurde das Wasser abgestellt; vergangenen Freitag wurde er komplett abgebaut. Warum? – Das wisse der Künstler auf Nachfrage unserer Zeitung auch nicht ganz genau. „Der soll wohl nicht mehr hundertprozentig stabil sein“, sagte er.

Im Rathaus hingegen scheint die Sache klar zu sein. Laut Spaichingens Bürgermeister Hans Georg Schuhmacher sei der Brunnen „baufällig ohne Ende.“ Das Holz im unteren Bereich sei verfault. Man habe mit dem Einsturz von Teilen gerechnet. Laut Schuhmacher seien auch immer wieder Kinder auf dem baufälligen Brunnen herum gestiegen, Unfälle seien aber nicht passiert. Zudem sei der marode Brunnen mehrfach im Gemeinderat besprochen worden. Das Rathaus habe daraufhin den Künstler beauftragt, den Brunnen abzubauen. Da das Kunstwerk vergangenen Freitag immer noch stand, habe dann die Stadt den Brunnen selbst abgebaut.

Ein neues Erinnerungsstück für die ehemalige Möbelfabrik ist laut Schuhmacher nicht geplant. Dafür soll ein Spielbereich für Kinder an der Stelle des abgebauten Brunnens entstehen. Dabei soll, ähnlich wie bereits am Marktplatz, durch die bereits vorhandene Rinne Wasser über Pflastersteine fließen.

Die alte Möbelfabrik

Hinter dem Gasthaus Rössle hat Spaichingens ehemals größte Möbelfabrik ihre Wurzeln. Der junge Schreinermeister Gustav Bühler baute dort ab 1901 seinen Betrieb auf. Nur ein Jahr später erweiterte er seine Fabrik auf die Bahnhofstraße 22 – mit eigenem Wohn- und Werkstattgebäude. 1912 zerstörte ein Brand die Fabrik. Die wurde unter anderem auf den Kirchwiesen neu aufgebaut. Bis 1960 hielt der Erfolg der Schreinerei an, dann wurde die Konkurrenz mit den günstigeren Pressspanprodukten zu stark. Ab 1968 stellte die Fabrik den Betrieb ein, 1982 wurde das Gelände komplett geräumt. Fünf Jahre später baute der Spaichinger Künstler Frieder Preis dort den „Schreinerbrunnen“.

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