Mann zahlt hohen Preis für Silvester-Böller

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Für rund 30 Euro hat ein 19-Jähriger einiger Knallkörper auf einem Markt in Tschechien gekauft. Doch nach dem Gerichtsurteil za
Für rund 30 Euro hat ein 19-Jähriger einiger Knallkörper auf einem Markt in Tschechien gekauft. Doch nach dem Gerichtsurteil za (Foto: dpa)
Schwäbische Zeitung

Im Februar hat ein 19-jähriger Spaichinger auf einem Markt in Tschechien für rund 30 Euro Feuerwerkskörper und einen Schlagring gekauft. Böller ohne Prüfsiegel sind in Deutschland verboten und der Schlagring gilt als verbotene Waffe. Am Montag hat das Amtsgericht Spaichingen den jungen Mann deshalb zu einer Geldstrafe von 450 Euro verurteilt – plus Prozesskosten.

Am Morgen des 10. Februar kauft der 19-Jährige auf einem sogenannten „Vietnamesenmarkt“ in Tschechien mehrere Knallkörper und Knallbomben sowie einen Schlagring mit Elektroschockfunktion. Dafür zahlt er rund 30 Euro. Seine Ware legt er in den Kofferraum. Dann fahren der junge Mann und seine zwei Bekannten zurück nach Deutschland. Nahe Regensburg geraten die drei jungen Männer in eine Polizeikontrolle. Im Kofferraum: die günstig erstandene verbotene Ware.

„Es war dumm von mir, dass ich das mitgenommen habe“, sagte der junge Mann vor dem Amtsgericht Spaichingen. Den Schlagring wollte er einfach „in Besitz haben“. Aber nicht „um Gewalt auszuüben“. Die Böller habe er für Silvester gekauft. In Deutschland unterliegen Feuerwerkskörper einer strengen Kontrolle, werden getestet und mit einem Zulassungszeichen versehen. „Ich wusste nicht, dass die Bomben oder Böller in Deutschland verboten sind“, so der junge Mann, der eine Abendschule besucht, um seinen Realschulabschluss nachzuholen.

„Eine Schutzbehauptung“, sagte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer. „Wer es darauf ankommen lässt, handelt bedingt vorsätzlich“, so der Richter und beantwortete somit eine von zwei wichtigen Fragen, die das Gericht zu klären hatte: Nämlich die, ob der junge Mann im Umgang mit den Feuerwerkskörpern vorsätzlich gehandelt hat oder nicht. Die andere Frage war die, ob Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht anzuwenden ist. „Ich sehe keine Gründe für das Jugendstrafrecht“, so die Staatsanwältin. Sie forderte eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je fünf Euro und sagte, dass der Mann in der Verhandlung zwar geständig gewesen, ihm „der Ernst der Lage“ aber nicht bewusst sei. Hinzu komme, so der Richter in seinem Urteil, dass er bereits zwei Mal strafrechtlich aufgefallen sei: „Es ist eine gewisse kriminelle Energie im Spiel.“

Mit 450 Euro und den Prozesskosten hat sich der Preis für Feuerwerkskörper und einen Fünf-Euro-Schlagring für den Angeklagten nach dem Urteil vervielfacht.

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