Leserbrief zur Klinik-Schließung: „Kämpfen Sie für Attraktivität des Landkreises“

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Leserbrief: Die aktuelle K-Frage
Leserbriefe über die Klinik-Schließung. (Foto: Christin Klose)
Schwäbische Zeitung

„Eine Tür zu schließen ohne gesicherte Alternative, ist wie eine Festung zu verlassen, um ein Haus auf Sand zu bauen.

Die „Pro-Schließung-Argumente“ in einem Brief eines ortsansässigen Kreisrats des Klinikausschusses lassen in keiner Weise ein sicheres Fundament auch nur im Ansatz vermuten.

Das MVZ als Keimzelle für weitere Ärzte zu beschreiben, um im selben Atemzug aber die Unwahrscheinlichkeit des Findens eines Chefarztes zu erklären, kann dem Leser nicht das Gefühl ausgegorener Konzepte vermitteln. Vielmehr tragen sie die Überschrift: „Verlust der ärztlichen Versorgung für unsere Stadt samt Umland!“

Dass die Rahmenbedingungen für eine Notaufnahme nicht mehr gegeben sind, wird nicht im Einzelnen erläutert.

Da wird der Kopf neben dem Haus auf Sand in Vogel-Strauß-Taktik vergraben. Positiv und kämpferisch wäre nach meiner Auffassung, die geänderten Rahmenbedingungen anzusehen und anzustreben, mit ihnen zurechtzukommen.

Langfristig sehe ich mit der Schließung des Standortes Spaichingen auch einen Verlust für das Klinikum in Tuttlingen, nicht zuletzt da der „großen Schwester“ in TUT auch geographische Einschränkungen vorgegeben sind. Die Verlegung der Abteilung für Innere könnte zunächst nur mit einer Containerlösung realisiert werden und wäre langfristig suboptimal für die sowieso schon angespannte Parkplatzsituation.

Und aus Tuttlingen wird durch die Schließung von Spaichingen und Verlagerung nach Tuttlingen noch lang kein Großklinikum.

Ich bin überzeugt, dass beide Kliniken nur gemeinsam stark sind, und dafür gilt es sich einzusetzen. Für die Kreisräte und den Landrat wünsche ich mir, lassen Sie den ländlichen Raum nicht abhängen. Kämpft für eine gute Infrastruktur im Zentrum der Medizintechnik und schließt nicht im vorauseilenden Gehorsam den Mehrwert unserer Stadt Spaichingen!

Der Hinweis im Schreiben, dass es nicht um die Finanzen geht, lässt uns hoffen.

Einen Ersatz für Dr. Kaiser zu finden, welcher im Dezember gekündigt hat, sollte im Januar noch nicht komplett hoffnungslos sein.

Ich appelliere an die von uns gewählten Kreisräte, jegliche Anstrengungen zu unternehmen, eine Klinik mit engagiertem Personal und besten Patientenbewertungen zu halten. Sie ist ein elementares Grundbedürfnis und somit auch entscheidend für die Lebensqualität. Unsere Klinik wäre schon saniert. Bitte kämpfen Sie als Verantwortliche für die Attraktivität unseres Landkreises und handeln Sie parteiübergreifend gemeinsam für eine qualitativ und menschlich vertretbare Zukunft im Sinne ihrer Bürgerinnen und Bürger!“

Karin Pfriender, Spaichingen

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