Leserbrief zur Klinik-Schließung: „Entscheidung im Sinne des Gemeinwohls“

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Leserbrief: Die aktuelle K-Frage
Leserbriefe zur Spaichinger Klinikschließung. (Foto: Christin Klose)
Schwäbische Zeitung

„Das Gemeinwohl ist ein Ziel in einem Gemeinwesen, das möglichst vielen Menschen in diesem Gemeinwesen Freiheit, Wohlfahrt und Sicherheit bringt. Öffentliche Einrichtungen wie Schulen, Kliniken, Verkehrseinrichtungen, Bühnen, Schwimmbäder und Sporteinrichtungen und vieles mehr sind Teil des Gemeinwohls und dienen diesem.

Da sehr viele Menschen in ihrem Leben krank werden, sind natürlich Einrichtungen die der Behandlung und Heilung dienen, ganz wichtige Elemente des Gemeinwohls. Eine solche Einrichtung aufzugeben, bedeutet immer, vor allem für die Hauptbetroffenen – Patienten und Personal – eine erhebliche Einschränkung ihres Wohles.

Vor Jahrzehnten, als noch fast jedes Landstädtchen ein eigenes Krankenhaus besaß, konnte sich niemand vorstellen, dass das einmal anders sein könnte. Damals haben die Menschen die Schließung ihres Krankenhauses schweren Herzens hingenommen, sie wurden auch nicht gefragt, aber man hat es geglaubt, wenn „die da oben“ sagten, es geht nicht anders. Nach Enttäuschungen auf vielen Gebieten ist dieses Vertrauen in weiten Teilen der Bevölkerung gestört. Der Versuch, quasi handstreichartig in kürzester Zeit in Spaichingen Fakten zu schaffen, hat auch Vertrauen zerstört.

Die Diskussion der letzten Wochen zeigt, es gibt gute Argumente für jeden der Lösungsansätze und Jeder hat auch Nachteile. Unterschwellig meine ich aber zu spüren, dass es um viel Geld und zum Teil auch um Ansehen (Gesichtswahrung) geht. Ich denke, dass sind keine Gründe die über das Gemeinwohl gestellt werden dürfen. So etwas kann bei einer Freizeiteinrichtung ein Argument sein, nicht jedoch wenn es um die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung geht.

Vielleicht muss man auf etwas verzichten, das man gerne machen würde, verzichten um eine wichtige Einrichtung zu halten. Leider fehlt es mir an Einblick und Sachverstand um zu beurteilen was möglich und was nicht möglich ist und was langfristig lebensfähig ist.

Die aber, die beides haben, sollen sich bewusst sein, dass eine schwere verantwortungsvolle Entscheidung im Sinne des Gemeinwohls getroffen werden muss."

Martin Maldacker, Tuttlingen

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