Kunststiftung besichtigt restaurierten Schwarzwaldhof

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Die Mitglieder der Kunststiftung in der Küche des restaurierten Schwarzwaldhofs.
Die Mitglieder der Kunststiftung in der Küche des restaurierten Schwarzwaldhofs. (Foto: Alexander Doderer)

Die Kunststiftung Hohenkarpfen hat einen Schwarzwaldhof aus dem 16. Jahrhundert besichtigt: Die diesjährige Landpartie führte zahlreiche interessierte Mitglieder zu einem der großen und sorgfältig restaurierten Schwarzwaldhöfe – den hinteren Liefersberger Hof, gelegen auf dem hohen Wald bei Kirnbach.

Der heutige Besitzer und Bewohner, Architekt und Kunsthistoriker Hardy Happle, führte in die Bau- und Restaurierungsgeschichte dieses einzigartigen baukulturellen Erbes der Schwarzwald-Architektur ein. 2007 hat er den ziemlich baufälligen Hof auf dem Moosenmättle gekauft, um in den kommenden Jahren mit rund 60 Handwerkern die historische Bausubstanz „behutsam, sorgfältig und nachhaltig zu restaurieren“, so eine Pressemitteilung.

Happles Spezialisierung als „Kulturlandschafts-Aktivist“, Bauforscher und Architekt mache ihn und sein neunköpfiges Team bis heute „zum gefragten Berater in Sachen historischer Bauten“, speziell aber zum Thema der Schwarzwälder Eindachhöfe.

Die Geschichte des Hofs birgt manche Kuriosität: 1601 in einer unwegsamen Höhenlage erbaut und dem rauen Klima des Schwarzwalds ausgesetzt, fanden die damaligen Erbauer an diesem Standort Vorteile – wasserreiche Quellen und relativ flache Äcker machten eine Bewirtschaftung attraktiv. So konnte neben dem Ackerbau auch die Klein- und Großviehhaltung vornehmlich zur Selbstversorgung genutzt werden.

Bei den Aufräumarbeiten stieß Happle auf ungewöhnliche Fundstücke: fünf noch original verpackte Kachelöfen. Die Bauersleute, so vermutet Happle, hätten damals ihr spärliches Einkommen wohl als Schmuggelgehilfen aufgepäppelt. Ein Umstand, der durch die geografische Lage begünstigt wurde; so lag der Hof damals direkt an der Grenze zu Württemberg und dem späteren Baden.

Beim Rundgang erläuterte Happle, dass sich die Bauweise der Eindachhöfe sehr ähnele. Man benutzte die Materialien der Region: Stein, Holz, Stroh und Schilf. Auch die Anordnung von Wohn- und Schlafräumen und einer Rauchküche seien typisch für die Höfe des Kinzigtals.

Weitere ortstypische architektonische Elemente seien das ausgelagerte Back-Brau und Waschhaus, das seit mindestens 200 Jahren steht. Aktuell wird hier tatsächlich noch gebacken, gemostet und Apfelsaft produziert.

Auf der sogenannten Bühne konnten die Gäste die imposante Dachkonstruktion bestaunen. Höhepunkt und Abschluss der Sanierung bildete das originalgetreu nachgebaute Holzdach aus handgespaltenen Schindeln. Ihren Abschluss fand die Landpartie in einem von den Kirnbacher Landfrauen gerichteten Vesper.

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