Koscher & Würtz ist in den Operationssälen der Welt zuhause

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Besonders treue Mitarbeiter wurden beim Familienfest von Stefan Koscher (links) und Johann Würtz (rechts) geehrt. die Belegschaf (Foto: Regina Braungart)
Schwäbische Zeitung
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Das „25-Jährige“ war mit einem Ausflug gefeiert worden, zum 30-jährigen Bestehen der Firma „Koscher & Würtz“ gab es zusätzlich einen Familientag. Denn, so Firmenchef Stefan Würtz am Wochenende, es gelte auch den Familien zu danken, ohne deren Rückhalt die Mitarbeiter keinen freien Kopf für ihre anspruchsvolle Handwerkstätigkeit hätten. Außerdem konnten Partner und Kinder den Betrieb besichtigen, wo 1200 – auf Abruf sogar 2500 – hochspezifische feinmechanische chirurgische Instrumente hergestellt werden.

Obwohl Koscher & Würtz-Instrumente in den Operationssälen rund um den Globus und für alle möglichen chirurgischen Eingriffe verwendet werden, weiß davon kaum einer. 80 Prozent der Produktion der 125 Mitarbeiter großen Firma gehen ins Ausland. Nur nicht unter dem Namen von Koscher & Würtz, sondern unter dem von namhaften Firmen und US-Konzernen. Koscher & Würtz ist ein OEM – Original Equipment Manufacturer, stellt also für die ganz großen her. Dass daraus höchste Qualitätsanforderungen entstehen, zeichnete beim Familientag am Samstag Frank Guldin anschaulich nach. Der Rechtsanwalt übernimmt bei Koscher & Würtz die Rolle des Personalchefs.

Wenn irgendwo auf der Welt eines der Instrumente schadhaft würde, müsste auch nach vielen Jahren noch lückenlos vom Lieferanten des Stahls über den CNC-Facharbeiter bis hin zum demjenigen, der das Instrument verpackt hat, dokumentiert werden können.

Guldin zeichnete die Erfolgsgeschichte der beiden Firmengründer vor 30 Jahren nach. Deren Väter waren schon Freunde und sie beide haben im gleichen Betrieb gelernt. Seit 1983 wird ausgebildet – bis heute rund 80 junge Frauen und Männer. Die Firma begann klassisch, als kleiner Betrieb. Zweimal wurde umgezogen, ehe es 1989 in das neue Gebäude in der Einsteinstraße ging. Erweiterungen folgten, heute wird auf 5000 Quadratmetern mit 125 Mitarbeitern produziert. Es gibt viele Arbeitsplätze, an denen Chirurgiemechaniker mit Hilfe von Telemikroskopen die Instrumente herstellen: Koscher & Würtz versteht sich als Handwerksbetrieb.

Mehrere Besonderheiten zählte Guldin auf: Betriebliche Altersvorsorge seit Anfang der 90er, Umsetzung der allgemeinen Gleichstellungsprinzipien, als noch niemand in Deutschland ein solches Gesetz kannte, Bau einer Solaranlage, die 65 Prozent des Strombedarfs deckt, flexible Arbeitszeiten mit Arbeitszeitkonten, die Nachfolge sei mit Eintritt von Simone Würtz und Christiane Koscher gesichert.

Hart getroffen hat die Firma der Anschlag auf das World-Trade-Center. Monatelang sei der US-Export zum Erliegen gekommen. Doch noch nie, auch in der jüngsten Krise nicht, habe es betriebsbedingte Kündigungen gegeben, so Guldin.

Während die Miterbeiter und ihre Familien sowie die Lieferanten und Geschäftsfreunde sich das leckere Essen schmecken ließen, nutzten die Firmenchefs Stefan Koscher und Johann Würtz die Gelegenheit, Danke zu sagen: zu allererst den Ehefrauen Lena Koscher und Josefine Würtz, die mit den Familien das ganze Risiko mittrügen.

Neben einigen seit fünf Jahren treuen Mitarbeitern wurden für zehnjährige Mitarbeit geehrt: Alexander Schifke, Michael Tonner, Egbert Bender, Florian Wohner und Mirjam Scheffler. Für 15 Jahre Thomas Außerhofer, für 20 und mehr Jahre: Martin Schaffeld, Richard Lubini, Katharina Palombo, Kurt Hohmann, Karin Burkhardt, Jakob Koscher, Uwe Merkt, für 25 Jahre Klaus Schmieder, Thomas Sauter, Roland Staiger, Oliver Kirschner, Waldemar Mölmann und Wolfgang Wenzler.

Fotos gibt's unter www.schwaebische.de/fotoreportagen

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