Kinder opfern Bauern beim Ferienprogramm

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Schachmatt ist nach dem Ferienprogramm für die Kinder kein Problem. (Foto: Jule Simon)
Schwäbische Zeitung
Jule Simon

Was bringt Kinder dazu, sich an einem sonnigen Nachmittag in ein dunkles Vereinsheim zu setzten und Schach zu spielen? Vor allem der Ehrgeiz, verrät Emelie Novak. Die Neunjährige sagt, sie liebe Schach, spielt, seit sie fünf ist und ist im Juni dieses Jahres in den Verein eingetreten – „um Pokale zu gewinnen“, sagt sie. Mit 21 anderen jungen Schachinteressierten, hat Emelie am Dienstag das Angebot des Schachringes wahrgenommen, ihre Kenntnisse zu verbessern. In drei Gruppen spielten die Kinder gegeneinander, eingeteilt je nach Vorwissen.

Wenn eine der Gruppen aus dem Nebenzimmer schwärmte, in dem der Jugendleiter Sigfried Eckhardt theoretische Züge an einem Bildschirm erklärte, konnte man das neue Wissen in den Augen der Fünf-bis Achtjährigen glänzen sehen – und die Begierde, das neu Gelernte anzuwenden. Auch die zehnjährige Ines Maria Martin, die das König-Spiel von ihrem Opa gelernt hat, brennt darauf die neu gelernten Schachzüge im Spiel gegen ihn einzusetzen. Der Schachring bot sein Ferienprogramm zum dritten Mal an. Früher habe man auch Dame und Mühle gespielt, „aber um diese Spiele zu leiten fehlt uns die Kompetenz“, sagt der stellvertretende Jugendleiter Armin Zimmermann schmunzelnd. „Wir kennen uns eben im Schach aus.“ Weniger Kinder seien deshalb aber nicht gekommen. Zimmermann überwachte das Turnier der fortgeschrittenen Schachspieler und während die jungen Teilnehmer, mit vor Konzentration gerunzelter Stirn, über ihren Brettern grübelten, erläuterte er die Regeln. Jeder Spieler hat insgesamt 15 Minuten Bedenkzeit. Sobald sein Zug beginnt, drückt er auf eine Stoppuhr, die läuft, bis er ihn beendet hat. Dann wird die Zeit wieder angehalten. So dauert ein Durchgang nie länger als eine halbe Stunde. Gegen Ende rauchten die Köpfe, deswegen tobten die Kinder ihre aufgestaute Energie, zwischen den Schachturnieren, bei wilden Fußballspielen aus. Lukas Fischer besserte schon zum zweiten Mal seine Schachkenntnisse beim Ferienprogramm auf.

Schach verbindet Generationen

Der Zehnjährige spielt mit seinem Vater. Bis heute seien sie ungefähr gleich gut gewesen, sagt er. Aber mit seinem neuen Wissen, wie man den König an den Rand treibt, ist er zuversichtlich, jetzt besser als sein Papa zu sein. Dass Schach die Generationen verbindet bestätigt auch Zimmermann, der seit 1989 im Verein spielt und Schach von seinem Großvater und seinem Onkel beigebracht bekam. Siegfried Eckhardt ist der Organisator der Aktion. Er ist seit 1972 im Verein und wurde sechs Jahre später zum Jugendleiter gewählt. Seine Aufgabe war es, den Teilnehmern des Kinderferienprogrammes theoretische Begriffe und Züge anschaulich zu erklären. Die Konzentration der Kinder dabei war beachtenswert, sie beantworteten eifrig Fragen und knobelten interessiert an den besten Zügen, die sie sofort anwendeten.

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