„Ihr seid echte Kümmerer“

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 Die Preisträger des zweiten Jugendsozialpreises „Lebendiges Miteinander“ der Spaichinger Bürgerstiftung.
Die Preisträger des zweiten Jugendsozialpreises „Lebendiges Miteinander“ der Spaichinger Bürgerstiftung. (Foto: Michael Hochheuser)

Sie setzen sich für andere Menschen ein – und sind dafür nun belohnt worden. Die Spaichinger Bürgerstiftung hat am Mittwochabend zum zweiten Mal ihren Jugendsozialpreis „Lebendiges Miteinander“ vergeben. Gleich fünf junge Leute und Gruppierungen teilen sich diesen: Michelle Merkt, die ehrenamtlich eine Bewohnerin des Behindertenzentrums St. Agnes betreut, Sina Hauser, die eine katholische Jugendgruppe leitet, sowie Ronja Merkt und Michelle Wilhelm, die bei einem Foto-Projekt zum Nationalsozialismus in Spaichingen mitgemacht haben; zudem die evangelische Jugend Spaichingen und bereits zum zweiten Mal die Gruppe „Jufam“ des Gymnasiums Spaichingen, die sich um alte und behinderte Menschen kümmert.

Stiftungsvorsitzender Franz Schuhmacher war in der Erwin-Teufel-Schule voll des Lobes für die engagierten jungen Leute. „Ihr seid echte Kümmerer“, sagte er. „Wir wollen deutlich machen, was junge Menschen in unserer Stadt leisten und ihr ehrenamtliches Engagement würdigen.“ Der Bürgerstiftung sei es wichtig, „dass wir in Spaichingen gut zusammenarbeiten“. In diesem Sinne habe man den Jugendsozialpreis ausgeschrieben, der 2016 zum ersten Mal verliehen worden war. „Wir haben 2018 fünf ausgezeichnete Bewerbungen bekommen.“

Michelle Merkt war gleich doppelt vorgeschlagen worden: Seit 2014 kümmert sie sich einmal die Woche um eine Bewohnerin von St. Agnes, bastelt mit ihr oder geht Eis essen. „Da ist eine Freundschaft entstanden“, sagte Heimleiter Ulrich King. Die katholische Kirchengemeinde hatte Sina Hauser vorgeschlagen. Pastoralassistentin Juliane Vollmer berichtete, dass Sina Hauser seit April 2014 ehrenamtlich eine Jugendgruppe leite und „viel Zeit investiert in ihr kreatives Programm“. Regina Wenzler vom Stiftungsvorstand stellte Ronja Merkt und Michelle Wilhelm vor: die beiden Spaichinger Realschülerinnen waren von Lehrern als Preisträgerinnen empfohlen worden für ihr Engagement beim deutsch-französischen Fotoprojekt „Gegen das Vergessen“ zum Dritten Reich.

Diakonin Gritli Lücking hatte die Evangelische Jugend Spaichingen („Ejugs“) vorgeschlagen. Stiftungsratsmitglied Dr. Gabriele Polzer erklärte, warum sie zu den Preisträgern zählt: „Diese 15 bis 30 jungen Leute engagieren sich bei Projekten der Kirchengemeinde“ – von der Christbaumaktion im Januar über das Jugendcafé Oase bis zur Vorbereitung und Umsetzung der Kinderfreizeit in den Pfingstferien auf der Fuchsfarm „mit großem Aufwand – euer Engagement ist Teamwork“. Die Preisträger Nummer fünf hatte Sarah Keller, Hausleiterin des Altenzentrums St. Josef, ins Spiel gebracht: die Gruppe „Jufam“, bereits vor zwei Jahren ausgezeichnet. Nadja Merkle von der Stiftung St. Franziskus begründete das Warum: „Die Jugendlichen tun etwas Nicht-Selbstverständliches.“ Seit inzwischen zehn Jahren kümmern sich Neunt- bis Zwölftklässler des Gymnasiums einmal wöchentlich um Bewohner von St. Josef und St. Agnes, seit kurzem auch um Senioren des Aldinger Altenheims „Im Brühl“.

Die beiden Gruppen bekamen neben Urkunden jeweils 700 Euro, die Einzelpersonen je 150 Euro. Die Summe der Bürgerstiftung aufgestockt hatte Dagmar Dittmann, die tausend Euro gespendet hatte.

Der musikalische Rahmen der Preisverleihung oblag einem Bläsertrio der Stadtkapelle Spaichingen, die Verpflegung der Gäste den Hauswirtschaftlichen Schulen der Berufsschule. Die Festrede übernahm Matthias Berg, Motivationstrainer, TV-Experte und mit 27 Medaillen bei Weltmeisterschaften und Paralympics weltweit erfolgreichster Behindertensportler. Er sprach zum Thema „Mach was draus“ und blickte unter anderem auf seine Kindheit zurück, als er zu seinem siebten Geburtstag ein umgebautes Waldhorn bekam, weil er wegen seines Handicaps Klavier oder Streichinstrumente nicht bedienen konnte. Bergs Erkenntnis für seine Zuhörer: „Bleib, wenn du für eine Sache kämpfst, immer sachlich und persönlich freundlich.“

Spenderwanderung

Auf dem Weg zum geplanten Stiftungskapital von 300 000 Euro ist die Bürgerstiftung noch 25 000 Euro von ihrem Ziel entfernt, so Vorsitzender Franz Schuhmacher. Mit einer neuen Idee, einer Spenderwanderung, lädt die Bürgerstiftung die ganze Bevölkerung von Spaichingen und Umgebung, jung und alt ein, unter der Führung von Altbürgermeister Albert Teufel ein Stück Alt-, aber auch Neuspaichingen zu erwandern. Begleitet wird dieser Rundgang auch durch den ehemaligen Ministerpräsidenten Erwin Teufel. Es wird ein leichter Spaziergang sein, etwa 1,5 Stunden, beginnend um 10 Uhr am Samstag, 6. Oktober, am Gewerbemuseum. Nach Ausgabe eines Wanderabzeichens wird um eine Spende von drei Euro gebeten, nach oben keine Grenze. Bei der Rückkehr am Ausgangsort bietet die Familie Schüssele-Müller rote Würste oder Gulaschsuppe an im Schlüsselgarten oder im Lokal. Über eine rege Beteiligung würde sich die Bürgerstiftung Spaichingen freuen.

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