Huflattich hilft seit Jahrhunderten

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In den ersten Frühlingswochen blüht der Huflattich.
In den ersten Frühlingswochen blüht der Huflattich. (Foto: Judith Engst)
Schwäbische Zeitung

Der Spaichinger Heilpraktiker Helmuth Gruner gibt in jeder Samstagsausgabe Gesundheitstipps. Heute geht es um Huflattich, eine uralte Pflanze der Volksheilkunde.

Sie ist von den Märkten verschwunden, weil in ihr, das heißt in den von uns nicht verwendeten Teilen, ungesunde und teils giftige Substanzen gefunden und nachgewiesen wurden.

Der Huflattich erfreut uns jetzt als einer der ersten Frühlingsboten an Wegrändern, Dämmen und Böschungen sowie auf Schuttplätzen und Brachland. Die Blüten erscheinen jetzt und ihnen wollen wir auch in der Verwendung unsere Aufmerksamkeit schenken.

Gut ausgebildete homöopathische Ärzte und Heilpraktiker verordnen Farfara Urtinktur oder eine Potenzierung bei Grippe, Bronchitis, krampfartigem Husten und Lungenbeschwerden. Diese Pflanze der Volksheilkunde wird nicht nur als Frühblüher und Bienenweide geschätzt, sondern ihre vielen Namen wie Ackerlattich, Bachblümchen, Brandlattich, Brustlattich, Eselsfuß, Heilblatt, Hustenkraut, Lehmblümchen oder Tabakkraut zeigen, dass der Huflattich schon seit Urzeiten eine begehrte Heilpflanze ist. Er hat mit seiner bescheidenen Art und den geringen Ansprüchen an Boden und Umwelt Europa, Afrika, Asien und Nordamerika erobert.

Die Inhaltsstoffe wie Schleim, Bitterstoffe, Gerbstoffe, Phytosterine, ätherische Öle, Glycoside, Inulin, Kieselsäure, Natrium, Kalium, Eisen, Magnesium, Schwefel und Vitamin C sind in Naturheilkunde und Klostermedizin seit Jahrhunderten verankert und nicht wegzudenken. Sie wurden von der einen oder anderen Fraktion als schweißtreibend, tonisierend und adstringierend, antibakteriell, blutstillend und entzündungshemmend sowie schleimlösend beschrieben. Allgemein wird die Wirkung des Huflattich gelobt, bei Asthma, Husten, Bronchitis, Reizhusten, Fieber, Erkältungen und Heiserkeit - in der Naturheilkunde sowie in der Schulmedizin.

Auch Carl von Linné widmete der Tussilago farfara einen Platz in seinen Heilpflanzen-Beschreibungen.

In der TCM (traditionelle chinesische Medizin) wird die thermische Wirkung als süß beschrieben, die zugeordneten Organe sind Dickdarm und Lunge. Huflattich nährt das Lungen-Qi und das Lungen-Yin. Er wird dort wegen seiner entzündungshemmenden Wirkung geschätzt. Er nährt das Dickdarm-Yin. Die chinesische Naturheilkunde setzt Huflattich ein bei Augen-/Ohrenentzündungen, Appetitlosigkeit, Magen-Darm-Katarrh, Gastritis, Verstopfung/Durchfall, Nervenschmerzen, schlecht heilenden Wunden, Venenentzündung sowie bei Hauterkrankungen (Pickel, Furunkel, Ekzeme).

Die Indianer trocknen und verbrennen die Huflattich-Blätter. Aus der Asche wird ein Salz-Ersatz, der zwar anders schmeckt als unser Tafelsalz, jedoch wegen des hohen Kalium-Gehalts sehr gesund ist.

Rezepte für die Gesundheit:

Tee: 2 Teelöffel Blätter und/oder Blüten werden mit ¼ l kochendem Wasser übergossen. Nach kurzer Ziehzeit seiht man ab und süßt mit Honig. 3 Tassen pro Tag sind ausreichend.

Huflattich-Essenz: Eine Handvoll Blüten bzw. Blätter wird in 1 Liter Korn-Branntwein angesetzt, 6 Wochen in die Wärme gestellt, täglich geschüttelt und dann abgeseiht und ausgepresst. Die Essenz wird in einer Dosierung von 3 x täglich 8-10 Tropfen auf Zucker oder in Wasser genommen. Sie wirkt schleimlösend.

Huflattich-Sirup: kleingeschnittene Blüten oder Blätter werden schichtweise mit Rohrzucker in ein Glas gefüllt, gut verschlossen und 8 Wochen in den Keller gestellt. Danach wird der Sirup abgeseiht, aufgekocht und abgefüllt. Er hilft bei Husten (wird auch von Kindern gerne eingenommen).

Die jungen Huflattichblätter lassen sich ebenso zum Kochen verwenden wie Kohl- oder Krautblätter, zum Füllen mit Fleisch- oder Gemüsemasse sind sie bestens geeignet. Sie schmecken artischocken-ähnlich.

In Mischungen verwendet, bewährt sich Huflattich besonders als Hustenstiller zusammen mit Spitzwegerich und Königskerze, aber auch mit Eibisch oder Lungenkraut in Weißwein. Solche ausgezogenen Huflattichblätter sind ein Hustenmittel für Menschen, die Tee absolut nicht nehmen wollen.

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