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Rechtskräftig ist das Urteil, das jüngst das Tuttlinger Amtsgericht gegen zwei Männer gefällt hat, die vor fast einem Jahr einen 36-jährigen Spaichinger entführt haben. Sie machten ihn glauben, es käme zu einer Hinrichtung, verprügelten ihn und ließen ihn im Wald zurück und zwar aus Rache für das Herumzeigen von kompromittierenden Bildern seiner Ex-Freundin. So stellte es das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Thomas Straub in seinem Urteil fest.

Ein Mal Bewährung, ein Mal nicht

Der 28-jährige Angeklagte wurde zu zwei Jahren auf Bewährung, der 25-jährige zweite Angeklagte zu einem Jahr und fünf Monaten verurteilt, wegen seines langen Vorstrafenregisters allerdings nicht zur Bewährung.

Die Geschichte, so wie sie in der Beweisaufnahme zutage kam, könnte aus einem schlechten Krimi stammen: Der 36-Jährige hatte einige Monate zuvor eine kurzzeitige Beziehung mit einer Kollegin. Aus dieser Zeit stammten Fotos, die auf seinem Smartphone gespeichert waren. Nach dem Ende der Beziehung zeigte der Ex-Freund die für die Frau kompromittierenden Bilder im Kollegenkreis herum.

Zwei Männer mussten sich wegen eines Rachefeldzugs vor dem Tuttlinger Amtsgericht verantworten.
Zwei Männer mussten sich wegen eines Rachefeldzugs vor dem Tuttlinger Amtsgericht verantworten. (Foto: dpa)

Das erfuhren die Frau und ihr neuer Lebensgefährte am 4. August 2017 durch die Geschäftsführung des Unternehmens. Der 28-jährige neue Lebensgefährte stiftete daraufhin einen weiteren Kollegen, den 25-jährigen Mitangeklagten, dazu an, mit nach Spaichingen zu fahren.

An jenem Freitag also, als der neue Freund von dem Vorfall erfuhr, passten die beiden Angeklagten, die im Zollernalbkreis wohnen, den 36-Jährigen gegen 18 Uhr bei dessen Rückkehr in seine Wohnung in Spaichingen ab. Weiter berichtete Richter Straub, hätte ihm einer der beiden einen Faustschlag verpasst, in dessen Folge er zu Boden ging. Danach zerrten die beiden Männer ihn in ihr Auto und fuhren los in Richtung Schura.

Gezwungen, zu knien

Im Fahrzeug erklärten sie ihm, im Wald bei der Viehweide könne er sich selbst „richten“. Dort musste der 36-Jährige sich hinknien und sein Smartphone herausgeben. Die beiden Männer zerstörten das Smartphone, auf dem die Fotos gespeichert waren.

Außerdem prügelten sie wieder auf den 36-jährigen ein und ließen den nur mit einem T-Shirt und kurzer Sporthose Bekleideten in dem Waldstück zurück.

Der 36-Jährige erlitt durch die Schläge einen Bruch des Augenhöhlenbogens. Er ging zu Fuß, blutend, Richtung Spaichingen, wo er am Ortseingang einen Passanten auf sich aufmerksam machen konnte. Dieser brachte ihn nach Hause.

Beide Angeklagte gestanden die Tat. Das Urteil lautete auf gefährliche Körperverletzung, Freiheitsberaubung, Nötigung und Sachbeschädigung. Der 28-Jährige kam wegen des Geständnisses, und weil er keine Vorstrafen hat, mit Bewährung davon.

Sein 25-jähriger Begleiter nicht. Er saß auch zum Zeitpunkt der Verhandlung wegen einer anderen Tat im Gefängnis und hat auch schon mehrere Bewährungen gebrochen.

Alle Beteiligten sind inzwischen nicht mehr bei ihrem früheren Arbeitgeber tätig.

Hier werden die meisten Straftaten verübt (2017)

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