Herzlich: Bürger begegnen einander beim Neujahrsempfang

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Schwäbische Zeitung
Redaktionsleiterin

Der Begegnung, dem Austausch, dem gemeinsamen freundlichen Neubeginn des Jahres sollte der Neujahrsempfang der Stadt am Sonntag dienen. Und so war es denn auch. Deutlich über 200 Bürger, Vertreter von Vereinen und Institutionen strömten in die Stadthalle, um sich von Bürgermeister Hans Georg Schuhmacher Denkanstöße fürs neue Jahr geben zu lassen, sich vom Swing der Primetime Bigband Schwung für den Alltag im neuen Jahr zu holen, aber vor allem bei Sekt, Brezel oder Saft viele nette Leute zu treffen.

Bürgermeister Schuhmachers verzichtete auf Aufreger oder Spitzen, schilderte in seiner Rede aber, dass trotz überwundener Krise kein Übermut aufkommen solle: Auch Spaichingen sei eingebettet in die globalen Herausforderungen von Demografie, Verschuldung, Ressourcenwettbewerb und Klimawandel. Eingebunden sei Spaichingen auch durch die Umlagen, die die Stadt tragen müsse: acht Millionen von einem Haushaltsvolumen von 25 flössen in Kreis-, Land-, Bundeskassen. „Stellen Sie sich vor, das Geld würde in Spaichingen bleiben“. Die Summe, die jedes Jahr dem Haushalt „von oben“ durch Förderungen und Zuschüsse zufließt, rechnete Schuhmacher dabei aber nicht gegen.

Der Bürgermeister kritisierte auch vermeintliche Widersinnigkeiten im Energiesektor. 35000 Euro an Solarpacht nehme Spaichingen durch die Photovoltaikanlage auf der Erddeponie ein, 100 000 Euro höher falle aber die Stromrechnung der Stadt durch die Ökoumlage aus. Die Milliardengewinne der Stromkonzerne durch gesunkene Strompreise an der Börse, weil es inzwischen viel Solarstrom gibt, ist in dieser Rechnung allerdings nicht enthalten.

Die Moral innerhalb einem System zu erhalten gehe nicht durch Einzelne, sondern durch eine Bürgergesellschaft. Schuhmacher nannte einen Broker, der sekündlich Geld durch Kaffehandel verdiene, während die Produzenten kaum genug zum Leben haben. Es mache keinen Sinn, wenn der Broker aussteige, aber er könne einen Teil des Gewinns etwa in Hilfsprojekte stecken.

Bürgergesellschaft, Bürgersinn, dafür bedankte sich Schuhmacher bei den vielen engagierten Bürgern Spaichingens. Als wichtigstes Projekt nannte er den Um- und Erweiterunsgbau des Feuerwehrmagazins, die Weiterentwicklung der Kleinkindbetreuung, die 2012 dann in allen Kindergärten Kleinkindgruppen vorsieht, die Verabschiedung der neuen Vereinsförderrichtlinien, die Indienstnahme des Wasserhochbehälters Verenableiche und die weiteren Investitionen in die Stadtmitte und die Kläranlage. Die sechs Millionen, die die Stadt in die Abwasserbeseitigung stecken müsse, würden auch zu höheren Gebühren führen, so Schuhmacher.

Doch das drückte die Gäste an diesem Mittag jedoch zunächst nicht, herzlich tauschten sich die Frauen und Männer an den Stehtischen aus.

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