Gelbe Blüten, putziges Aussehen – die Winterlinge blühen

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Gelbe Blüten mit gefingerten Hochblättern: Jetzt blüht der Winterling.
Gelbe Blüten mit gefingerten Hochblättern: Jetzt blüht der Winterling. (Foto: Judith Engst)
Schwäbische Zeitung
Judith Engst

Die Schneeschmelze ist in vollem Gange. Da wo der Schnee bereits gewichen ist, sieht der aufmerksame Spaziergänger aktuell an manchen Stellen ein Meer von niedrigwüchsigen Pflanzen mit grünen, geschlitzten Hochblättern und gelben Blüten. Es handelt sich um Winterlinge, die ihre Blütenköpfe jetzt zuhauf aus der Erde strecken.

Das Hahnenfußgewächs stammt ursprünglich aus Südostfrankreich, Italien, Ungarn und Bulgarien. Bei uns wurden Winterlinge schon im 16. Jahrhundert als Gartenpflanze eingeführt. In Mode kamen sie jedoch erst so richtig, als Ende des 18. Jahrhunderts weitläufige Landschaftsparks die einst streng symmetrischen Barockgärten ablösten. Da war eine gepflegte Wildnis erwünscht auch auf Rasenflächen und kahlen Stellen unter den Bäumen. Mancherorts sind Winterlinge inzwischen zudem meist als ganze Blütenteppiche verwildert in der freien Landschaft anzutreffen. Aber aufgepasst: So hübsch der Anblick, so gefährlich der Verzehr.

Giftig für Menschen, nahrhaft für Insekten

Vor allem die unterirdischen Speicherorgane des Winterlings enthalten ein herzschädigendes Gift, das in etwas geringerer Konzentration auch in Blättern und Blüten zu finden ist. Die auffälligen, gelben Blüten wollen aber auch gar nicht gefressen werden, sondern bestäubt. Und das funktioniert wunderbar: Kaum steigen die Temperaturen an sonnigen Vorfrühlingstagen in den zweistelligen Bereich, schon fliegen Bienen und Hummeln die Winterlinge an, um Nektar zu sammeln.

Die Sache lohnt sich vor allem für die Hummeln: Ihr Rüssel ist lang genug, um etwas von dem begehrten Honigtau abzubekommen, den die Pflanze tief in ihrem Blütenschlund bereithält. Alle anderen Insekten nehmen eben den eiweißreichen, sehr nahrhaften Pollen mit aber keinen süßen Nektar. Für den Winterling lohnen sich die großzügigen Gaben. Denn auf diese Weise wird sein Pollen von Blüte zu Blüte getragen. Nach der Bestäubung verblüht die Pflanze, und nach und nach bilden sich Früchte. Der Grundstock für die nächste Generation ist gelegt.

Regen löst Samenschleuder aus

Übrigens lohnt es sich, Winterlinge auch nach dem Verblühen weiter zu beobachten. Denn die in einem Kranz angeordneten Balgfrüchte haben einen speziellen Ausbreitungs-Mechanismus: Trifft auf sie ein großer Regentropfen, dann platzen sie an den Nähten auf und schleudern ihre Samen bis zu 40 Zentimeter weit weg.

Die Keimung allerdings erfolgt nicht sofort. Denn der Winterling gehört zu den so genannten Kältekeimern. Die Samen unterliegen einer Keimhemmung, die erst durch Frost wieder aufgehoben wird. Und dieser Frost muss offenbar langanhaltend und nachhaltig sein, denn im April und Mai hält man auch nach Spätfrösten vergeblich nach frisch gekeimten Winterlingen Ausschau. Wer die putzigen Frühblüher erneut bewundern möchte, muss sich bis zum nächsten Jahr gedulden.

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