Gasthaus „Zu den sieben Winden“ - Das gibt es nur in Spaichingen

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 Das Gasthaus „Zu den sieben Winden“ in Spaichingen.
Das Gasthaus „Zu den sieben Winden“ in Spaichingen. (Foto: Frank Czilwa)
Frank Czilwa
Redakteur

Gasthäuser, die „Krone“ oder „Adler“ heißen, gibt es an vielen Orten. Aber ein Gasthaus „Zu den sieben Winden“ – das gibt es nur in Spaichingen. Doch welche „sieben Winde“ sind damit eigentlich gemeint? Die Antwort führt einen tief in die Geologie und Erdgeschichte des Gebiets um Spaichingen zurück.

In seinen Reiseerinnerungen „Sonnige Tage“ (1906) schildert der berühmte Pfarrer und Schriftsteller Heinrich Hansjakob (1837-19) auch einen kurzen Besuch in Spaichingen: „Vor der Stadt draußen las ich ein Wirtshausschild ,Zu den sieben Winden’ und freute mich dessen, weil in ihm viel mehr gesunder Menschenverstand und guter Humor liegt, als in den vielen Schildern und Ehren von Kaisern und Königen.“

Als landwirtschaftliches Landwesen erichtet

Bereits für das 1681 hat Angelika Feldes, als sie für das Gewerbemuseum eine Ausstellung zur Geschichte der Spaichinger Gasthäuser organisiert hat, fünf Wirte in Spaichingen ausfindig gemacht. 1755 werden der „Ochsen“ – das spätere Hotel Osswald – sowie der „Adler“ erwähnt. Auch „Rössle“, „Krone“ und „Engel“ gehören zu den ältesten Gasthäusern.

Das Gebäude der Gaststätte „Zu den sieben Winden“ wurde im Jahr 1786 als landwirtschaftliches Anwesen errichtet. Damals stand es noch am Ortsrand von Spaichingen frei im Feld und wurde von den „sieben Winden“ umweht. Daher wurde das Lokal auch als „Gasthaus zu den sieben Winden“ getauft. Bis 1895 wurde eigenes Bier im Haus gebraut und die Schnapsbrennerei erst Anfang der 1990er-Jahre eingestellt.

Gegen Abend wird es windig in Spaichingen

Aber wie kam es, dass das Gasthaus im Primtal derart „windumtost“ war? Wenn man in Spaichingen nach einem heißen Sommertag noch ein wenig draußen sitzt, dann merkt man tatsächlich häufig, wie es gegen den späteren Abend zu doch allmählich empfindlich windig werden kann. Das liegt an der spezifischen geologischen Lage des Ortes in der sogenannten „Spaichinger Pforte“.

Das heutige Prim- und Faulenbach-Tal ist nicht von diesen beiden doch eher bescheidenen Bächlein geformt worden, sondern von einem mächtigen eiszeitlichen Fluss, den die Geologen als „Ur-Eschach“ bezeichnen. Gespeist von den abschmelzenden Eismassen der Oberen Gäue und des Mittleren Schwarzwalds lief dieser Fluss von Westen nach Osten und entwässerte zur Ur-Donau hin. Diese Ur-Eschach schuf sich dort, wo heute Spaichingen liegt, ein Durchbruchstal, die „Spaichinger Pforte“, und spaltete den Zundelberg von der Albtafel ab.

Wasserscheide im Eschach-Tal

Doch dann, vor etwa 600 000 Jahren, zapfte der Neckar die bis dahin wesentlich größere Ur-Eschach an, wodurch sich Einzugsgebiet und damit seine Wasserführung schlagartig vervielfachte. Dass heute mitten im einstigen Eschach-Tal eine Wasserscheide verläuft, liegt an späteren Ablagerungen oberhalb des einstigen Eschach-Bettes. Der Faulenbach fließt jetzt, vom Dürbheimer Moor kommend, im Unterlauf der einstigen Ur-Eschach in die Elta und mit dieser in die Donau, während die Prim in Richtung Neckar und damit Rhein entwässert.

Durch seine Lage in der „Pforte“ bekommt Spaichingen von allen Seiten Wind ab: oben von der Albfläche mit Klippeneck und Dreifaltigkeitsberg, von Nordwesten aus dem Neckar- und von Südosten aus dem Donau-Tal, aber auch aus den Seitentälern des Albvorlandes am Zundelberg vorbei.

westliche und südöstliche Windrichtungen

Aufgrund der kanalisierenden Wirkung des Primtals und des Albtraufs ist in der Spaichinger Pforte aber vor allem die Häufung (nord-)westlicher und südöstlicher Windrichtungen deutlich erkennbar - es gibt in Spaichingen also zwei Hauptwindrichtungen. Wenn man die Winde aus den Seitentälern und die Abwinde vor allem von der Alb herunter mitzählt, mag man nun auf sieben kommen – oder eine andere Zahl

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