Frühlingserwachen mitten in der März-Kälte

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 Den Frühling brachten die Musiker zumindest musikalisch nach Spaichingen.
Den Frühling brachten die Musiker zumindest musikalisch nach Spaichingen. (Foto: Brugger)

Manchmal hilft es vielleicht, wenn man lang Ersehntes wie den Frühling aus tiefstem Herzen herbeisingt. Wie die elf Sängerinnen und sieben Sänger des Liederkranzes Spaichingen, die beim Konzert am Samstagabend auf der Bühne standen und zugleich für sieben Erkrankte mitsingen mussten. Das Publikum im Edith-Stein-Haus war begeistert.

Der Liederkranz-Vorsitzende Rudi Irion freute sich über die große Resonanz und begrüßte neben dem Bürgermeister-Ehepaar Schuhmacher auch das Herausforderer-Ehepaar Hugger. Allesamt in der ersten Reihe sitzend.

Der erste Liedvortrag „Wohlauf in Gottes schöne Welt“ verbreitete Aufbruchstimmung, bekanntlich um den Preis des Abschiednehmens. Dem folgte das erste Violin-Solo der jungen Julia Magyar, einer Musikstudentin aus Trossingen. Und unschwer zu erraten eine Landsfrau der ungarischen Liederkranz-Dirigentin Katalin Theoogitis. Wobei sich diese beiden erst hierzulande kennengelernt haben. Die charmante Künstlerin zog alle Register ihres Könnens und lotete ein unglaubliches Klangspektrum aus. Virtuos und mitunter wie eine Teufelsgeigerin anmutend.

Luitgard Bürkle stimmte in ihrem Ansagepart auf fünf weitere Lieder des Chores ein, vom eingängigen „Heideröslein“ von Franz Schubert bis zum wehmütigen „Wenn die Abendglocken klingen“ von Conradin Kreutzer.

Danach übernahmen die beiden Ungarinnen in Co-Produktion die Bühne mit dem „Violin-Konzert erster Satz“ von Ludwig van Beethoven. Dieses ebenso mächtige wie anspruchsvolle Musikstück für Violine und Klavier bot ein perfektes Zusammenspiel zweier Künstlerinnen. Mal temperamentvoll und im nächsten Moment wieder filigran mit traumwandlerischer Sicherheit ineinander greifend - und das bis in die höchsten Töne. Manch einer im mucksmäuschenstillen Publikum dürfte sich vielleicht gefragt haben, wem von beiden die größere Bewunderung gebührt. Der nicht enden wollende Applaus des aufmerksamen, überwiegend älteren Publikums schien diesem Traumpaar jedenfalls zu gleichen Teilen gegolten zu haben.

Danach war wieder der Liederkranz gefordert, mit einem gewaltigen Zyklus von sechs nacheinander gesungenen Liedern des Romantikers Felix Mendelssohn Bartholdy. Dies forderte den Sängern alles ab. Und der jeweils aufgeschobene Zwischenapplaus prasselte zum Schluss wie ein geballter warmer Frühlingsregen auf dem Chor nieder.

Nach anderthalb Stunden reichte die Luft des Liederkranzes sogar noch für eine Zugabe. Der Chor verabschiedete sich mit einem Lied aus dem Baskenland und dem Titel „Auf Wiedersehen“.

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