„Feuerwehrleute sind heute Allrounder“

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Der Spaichinger Feuerwehrkommandant Patrick Heim.
Der Spaichinger Feuerwehrkommandant Patrick Heim. (Foto: Feuerwehr)
Schwäbische Zeitung

In einer kleinen Serie beschäftigen wir uns mit dem 150-jährigen Bestehen der Spaichinger Feuerwehr. Im heutigen zweiten Teil hat Volontär Stefan Fuchs den Spaichinger Feuerwehrkommandanten Patrick Heim über die Unterschiede bei der Brandbekämpfung einst und heute befragt.

Wie würde heute ein Brand wie der in der Holzfabrik in unserem ersten Serienteil angegangen? Wie viele Mann, welche Löschmittel und welche Technik wären im Einsatz?

Wenn aktuell ein Brand in einer Fabrik gemeldet werden würde, dann wird bei der Feuerwehr Spaichingen ein Zugalarm ausgelöst. Ein Zugalarm bedeutet bei uns, dass etwa die Hälfte der Einsatzabteilung alarmiert wird. Nach unserer Alarm- und Ausrückeordnung werden fünf Einsatzfahrzeuge besetzt. Ein Einsatzleitwagen mit zwei Führungskräften, Drehleiter, erstes und zweites Löschfahrzeug sowie Kommandowagen – insgesamt 21 Einsatzkräfte. Die restliche alarmierte Mannschaft verbleibt im Feuerwehrmagazin und rückt bei Bedarf mit weiteren Fahrzeugen nach.

Ergänzend gibt es besondere Objekte, etwa das Kreisklinikum, Altenheim St. Josef, Haus St. Agnes, Aussiedlerhöfe oder, wie in unserem historischen Beispiel, eine Holzfabrik, bei welchen automatisch aufgrund des Gefahrenpotenzials ein Gesamtalarm ausgelöst werden würde. Dann stehen uns wochentags rund 35 Einsatzkameraden, nachts oder am Wochenende mindestens 60 zur Verfügung.

Wie effektiv kann so ein Brand eingedämmt werden?

Das primäre Löschmittel ist immer noch das Gleiche: Wasser. Je nach Löschmethode und dem zu löschenden Material wird dem Wasser im niedrigen einstelligem Prozentbereich Schaum beigemischt. Zum Vergleich zu früher erfolgt die Brandbekämpfung mittels Drehleiter sowie unserem zur Verfügung stehenden Hydrantennetz schneller und effektiver. Die Pumpenleistung der beiden Löschfahrzeuge ermöglicht uns eine Wasserabgabe von über 5000 Liter pro Minute.

Wie hat sich die Arbeit einer Einsatzkraft in den 150 Jahren verändert? Was verbindet die heutige Feuerwehr mit der von damals? Wo unterscheiden sie sich?

Ich kann nicht einschätzen, welches Pensum unsere Kameraden vor 150 Jahren leisten mussten. Heute ist es zumindest so, dass Feuerwehrleute Allrounder sein müssen. Zählen wir mal die letzten zehn Einsätze der Feuerwehr Spaichingen auf: Drehleiter Überlandhilfe, Fahrzeugbrand, Gebäudebrand, Drehleiter zur Menschenrettung, Türöffnung zur Menschenrettung, Ausleuchten Hubschrauberlandung, Türöffnung zur Menschenrettung, Brandmeldeanlage Altenzentrum, Verkehrsunfall eingeklemmte Person, Gebäudebrand Dachstuhlbrand.

Fünf der letzten zehn Einsätze hatten das Thema Feuer/Brand. Alle anderen Einsätze waren technischer Art. Ich glaube kaum, dass vor über 100 Jahren die Feuerwehr zu einer Türöffnung gerufen wurde. Bei uns sind das mittlerweile rund zehn Einsätze pro Jahr mit dem Stichwort Türöffnung zur Menschenrettung. Weitere große Unterschiede sind natürlich in der Ausstattung, sei es die persönliche Schutzausrüstung oder auch die zur Verfügung stehenden Einsatzgeräte. Auch die Alarmierung der Einsatzkräfte mittels kompakten und kleinen Digitalmeldeempfängern ist zwar heute selbstverständlich, war aber vor ein paar Jahrzehnten nicht vorstellbar.

Früher war jeder Mann zwischen 18 und 50 Jahren zum Löschdienst verpflichtet. Würden Sie sich solche Regelungen auch heute wünschen?

Das wäre heutzutage unvorstellbar – und ich würde es mir auch nicht mal im Ansatz wünschen. Sagen wir mal so: Die Freistellung vom Bundeswehrdienst bei gleichzeitiger Verpflichtung für den Feuerwehrdienst ist ja noch gar nicht so lange her. Ich selber musste mich vor 25 Jahren beim Eintritt in die Einsatzabteilung noch für zehn Jahre Dienst bei der Feuerwehr verpflichten. Wie bekannt, wurden die Pflichtjahre immer mehr reduziert und sind nun seit etlichen Jahren komplett abgeschafft worden. Dies ist meines Erachtens auch richtig.

Die Bereitschaft und der persönliche Einsatz, bei einer Feuerwehr mitzuwirken, muss freiwillig und aus Überzeugung erfolgen – nicht aufgrund einer Verordnung. Gleichzeitig gilt aber auch für jede Freiwillige Feuerwehr, dass eigentlich nur der Eintritt so richtig freiwillig ist. Danach sind Teilnahmen an Übungen und Einsatzbereitschaft klar geregelt und gefordert. Nur so können wir gewährleisten, dass auch 150 Jahre nach der Gründung der Feuerwehr Spaichingen sich die Einwohner eines immer sicher sein können: Wer den Notruf 112 in einer Notlage wählt, bekommt jederzeit die bestmögliche Hilfe durch seine Feuerwehr Spaichingen. Heute wie vor 150 Jahren.

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