„Es liegt nur am guten Willen“

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Schwäbische Zeitung

Leserbrief

Zur Klinikdebatte und zum Leserbrief „Wo sind die Risikoanalysen?“ vom 22. Oktober:

Der Leserbrief von Peter Benner aus Trossingen, in der Dienstagsausgabe des „Heuberger Boten“, spricht mir aus der Seele. Es wäre schön, wenn noch mehr Trossinger, besonders die Kreisräte, diese Ansichten verträten! Es ist mir unerklärlich, dafür können allerdings die heutigen Kreisräte nichts, wie man ein Krankenhaus in die hinterste Ecke von Tuttlingen bauen kann und diesen Fehler jetzt noch verschlimmbessert, in dem man dort Millionen investiert, obwohl in Spaichingen alle Voraussetzungen, wie Anfahrt, Parkplätze usw. viel, viel vorteilhafter sind. Es scheint offenbar auch OB Beck Sorgen zu bereiten, der in einem Interview, anlässlich seiner Wiederwahl, zur Verkehrssituation in Tuttlingen sich so geäußert hat: „Wir haben so viele Einpendler, das verkraften wir nicht mehr!“

Diese problematische Verkehrssituation ist sicher auch ein Grund, warum viele Patienten aus dem nördlichen Landkreis eher die Klinik in Villingen-Schwenningen ansteuern als Tuttlingen, weil diese schneller und besser zu erreichen ist.

Natürlich soll/muss/kann man die finanziellen Aspekte berücksichtigen, aber muss das unbedingt im Gesundheitswesen sein? Wir leisten uns ja auch Sporthallen, Stadien, Schwimmbäder, Stadthallen usw., die auch vom Steuerzahler hoch subventioniert werden (müssen!). Es ist mir auch unerklärlich, dass ausgerechnet einer der der reichsten Landkreise im Land sich keine zwei Krankenhäuser leisten kann, obwohl sich der Kreis stolz als „Weltzentrum der Medizintechnik“ bezeichnet. Ist es den Firmen, die mit und ohne chirurgischen Instrumenten etc. Geld verdienen, egal, wenn hier das Gesundheitswesen am Stock geht?

Warum können nicht auch alle Gemeinden, die sich das Klinikum in Spaichingen wünschen, weil es einen Standortvorteil für die Bürger und für die Wirtschaft bedeutet, einen zusätzlichen Obolus zur Erhaltung des Klinikums beitragen, wie es der Spaichinger Bürgermeister vorgeschlagen hat?

Sollte der Abmangel in den Kliniken angenommen jährlich 1 Million Euro betragen, dann kämen auf jeden Einwohner 7,12 Euro. Pro Jahr wohlgemerkt! Wären es 5 Millionen, wären es pro Einwohner und Jahr 35,71!

Diese Zahlen zeigen, dass es im Grunde nur am guten Willen liegt, ob man bereit ist, das Spaichinger Klinikum zu erhalten. An den Finanzen kann es nicht liegen. Und wenn der Kreistag sich klar und eindeutig für den Erhalt des Klinikums ausspricht, dann dürfte es auch kein Problem mehr sein, (gutes) Personal und sogar Chefärzte zu gewinnen, zumal die anderen wichtigen Standortfaktoren, wie Infrastruktur, wirtschaftliche Stärke, wunderschöne Landschaft und hoher Freizeitwert vorhanden sind.

Manfred Herrmann, Spaichingen

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