Ergreifend wie letzte Aufschreie

Lesedauer: 4 Min

Brigitte Wendeberg (rechts) dirigierte den Ebinger Kammerchor bei der A-cappella-Passionsmusik aus verschiedenen Epochen in der
Brigitte Wendeberg (rechts) dirigierte den Ebinger Kammerchor bei der A-cappella-Passionsmusik aus verschiedenen Epochen in der Evangelischen Kirche mit großer Gestik. (Foto: Gisela Spreng)
Gisela Spreng

Der Kammerchor Ebingen unter der Leitung von Brigitte Wendeberg hat bereits zum dritten Mal in sieben Jahren in der evangelischen Kirche anspruchsvolle A-cappella-Musik dargeboten. Passend zur Fastenzeit waren es reine A-cappella-Passionswerke aus verschiedenen Epochen unter dem Titel „Chormusik zur Passion“ – Stücke voller Tristesse, nichts Romantisches, keine jubelnden Lobgesänge. Vielleicht war das der Grund dafür, dass nur gut 50 Zuhörer – fast ausschließlich Freunde und Bekannte der Choristen sowie Sänger aus anderen Chören – dem Konzert der 25 Sängerinnen und Sänger zuhörten.

Im Mittelpunkt der kirchlichen Abendmusik standen drei völlig verschiedene Vertonungen der bekannten „Sieben Worte am Kreuz“. Sie stellen in der christlichen Kirche den Inbegriff des Leidens Christi dar und wurden aus drei verschiedenen musikalischen Betrachtungsweisen beleuchtet. Ludwig Senfl, eher bekannt als Schüler Heinrich Isaacs und kunstreicher Schöpfer weltlicher Lieder, hatte das Werk nach dem Lied des Esslinger Theologen Johann Böschenstein Anfang des 16. Jahrhunderts geschaffen. Das schwierige Werk ist in einprägsamen sieben Teilen angelegt und wechselt immer wieder die Tonart. Der Chor sang mit bemerkenswert ausgewogenem Klang. Besonders strahlend erhob sich der Sopran.

Brigitte Wendeberg dirigierte mit großer Gestik und manövrierte ihre 15 Sängerinnen und elf Sänger geschickt über alle Schwierigkeiten hinweg. Beim zweiten Sieben-Worte-Werk von Kurt Hessenberg machte der Chor einen Ausflug in die Moderne. Streckenweise rezitierte der Männerchor als Erzähler, während die Frauen in Gänsehaut erzeugenden Harmonien und Disharmonien den Schmerzensmann Jesus die bedeutenden Worte am Kreuz aussprechen ließen. Fast schaurig-schön klang das „Es ist vollbracht“. Die verhalten-düstere Sequenz „Und als er das gesagt hatte, verschied er“, war allein dem dunklen Alt vorbehalten.

Mit großer Spannweite und Dynamik baute Wendeberg die dritte „Sieben-Worte-Version“ („Les sept paroles du Christ sur la croix“) von Charles Gounod auf. Gounods ausgeprägte Halbtonschritte symbolisierten im Vortrag des Chors das Leiden und Sterben des Herrn und schufen eine mystische Atmosphäre im Kirchenraum.

Zur vorgezogenen Karfreitags-Stimmung passten auch die anderen drei Chorwerke „Tristis est anima mea“ von Johann Kuhnau, zur Konzerteröffnung vorgetragen, sowie zwei Motetten mit dem Text „Christus factus est pro nobis“, eine von Giuseppe Antonio Pitoni und die bekanntere zweite von Anton Bruckner. Vor allem die aus der Tiefe aufsteigenden Passagen wirkten ergreifend wie letzte Aufschreie, wenn sie sich vom Pianissimo zum Fortissimo steigerten.

Mit der Lesung von drei Texten wurde die düstere Passionsstimmung eindrucksvoll ergänzt. Pfarrer Johannes Thiemann bedankte sich bei der Chorleiterin und ihrem Chor vor allem für die drei dargebotenen Werke über die „Sieben Worte“. „Es hat gut getan, die Musik auf sich wirken zu lassen. Es hat war spannend zu vergleichen, wie die drei Komponisten „Die sieben Worte Jesu am Kreuz“ aus vier Evangelien zusammengebracht haben.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen