Eine berührbare Verbindung mit Israel

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Tatjana Malafy und Rabbi Moshe Flomenmann bei der Grundsteinlegung.
Tatjana Malafy und Rabbi Moshe Flomenmann bei der Grundsteinlegung. (Foto: Cornelia Addicks)
Cornelia Addicks

Ein Grundstein zum Anfassen: Ein Fest der Begegnung wurde die Grundsteinlegung im Neubau der Synagoge am Sonntag in Rottweil. Der Stein aus Jerusalem ist in der Wand des Eingangsbereichs des Rohbaus verankert.

Glückwünsche, Segenssprüche und Zitate aus Psalmen: Sieben Monate nach dem ersten Spatenstich für den Bau der lang ersehnten Synagoge hatte die junge Israelitische Kultusgemeinde Rottweil/Villingen-Schwenningen zur Grundsteinlegung eingeladen. Kein Grundstein jedoch, der wie üblich ins Fundament eingelassen würde. Dafür wäre es jetzt zu spät, denn der erste Stock des zweigeschössigen Gebäudes steht bereits, die Bauarbeiten gehen rasch voran.

Der Stein, der zu Beginn der Feier auf einem weißen Tuch bereit lag, kommt direkt aus Jerusalem, aus einer Grabungsstelle unweit des Tempelbergs. Er besteht aus Sandstein mit Dolomiteinschüssen und wiegt mehrere Kilogramm. Für die Gläubigen wird er eine sicht- und berührbare Verbindung mit Israel darstellen. Langfristig soll in jeder der Synagogen im Bereich der Israelitischen Religionsgemeinschaft (IRG) Baden ein solcher Stein angebracht werden, wie der Vorsitzende Rami Suliman bei der Begrüßung der zahlreichen Gäste sagte.

Rottweils OB Ralf Broß und Landrat Dr. Wolf-Rüdiger Michel sprachen Grußworte, letzterer auch im Namen seines Amtskollegen Sven Hinterseh aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis. Unter den Ehrengästen waren das Präsidiumsmitglied des Zentralrats, Mark Dainow, die Vorsitzende der IRG Württemberg, Barbara Traub, sowie Gabriel Albilia aus Konstanz.

Der badische Landesrabbiner Moshe Flomenmann erinnerte die Feiernden daran, dass es mehr um Qualität als um Quantität geht – auch bei den jüdischen Gemeinden: „Oft hat eine kleine mehr anzubieten als eine große“. Er wünschte, die neue Synagoge möge als Ort des Dialogs zwischen den Religionen und des Friedens dienen, nicht aber als Museum dastehen. Der Bau kostet insgesamt 3,7 Millionen Euro.

Für die christlichen Kirchengemeinden Rottweils sprach die evangelische Pfarrerin Gabriele Waldbaur Grußworte. Aus einer Sammlung bei einer ökumenischen Feierlichkeit hatte sie eine Spende von tausend Euro für den Bau mitgebracht.

Glücklich über den großen Gästestrom zeigte sich Tatjana Malafy, Sulimans Stellvertreterin und Ansprechpartnerin der Gemeinde in Rottweil. „Vor allem, dass so viele Kinder heute da sind, ist schön“, sagte sie und lud zum Stehempfang in den derzeitigen Betsaal in einem Gebäude in der Fußgängerzone.

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