Packen gemeinsam an: Ulrich Wittmer, Benjamin Volz und Marcel Marquart (von links) haben trotz des „Sauwetters“ ihren Spaß.
Packen gemeinsam an: Ulrich Wittmer, Benjamin Volz und Marcel Marquart (von links) haben trotz des „Sauwetters“ ihren Spaß. (Foto: Gisela Spreng)
Schwäbische Zeitung
Gisela Spreng

Wenn es in Reichenbach etwas anzupacken gilt – sei es nun bei der Altmaterial-Sammlung oder beim Aufbau des Funkenfeuers – ist auf die örtlichen Vereine Verlass.

Der nasse Schnee ist am Samstagmorgen vor dem Funkensonntag in dicken, schweren Flocken vom Himmel gefallen. Trotzdem ließen es sich zehn ehrenamtliche Helfer aus fünf Reichenbacher Vereinen nicht nehmen, wie jedes Jahr gemeinsam den Holzstoß fürs Fackelfeuer aufzuschichten.

Überhaupt sind die Reichenbacher, was die Zusammenarbeit ihrer Vereine angeht, vorbildlich. „In unserer kleinen Gemeinde mit gerademal 536 Einwohnern sind die Vereine ungemein wichtig, wenn etwas bewegt werden soll im Dorf“, sagt Alfons Huber. Er ist stellvertretender Bürgermeister, zweiter Vorsitzender des Kirchengemeinderats, Organist, Vorsitzender des Musikvereins und Inhaber weiterer Posten und Pöstchen. Auch Albvereinschef Martin Marquart betont, wie gut es für die Stimmung im Dorf ist, wenn alle zusammenarbeiten – nicht nur beim Aufbau des Fackelfeuers. Etliche Traditionen würden sonst ganz schnell aussterben.

„Rollierendes System“ der Vereine

Huber erinnert sich daran, wie vor Jahren bei einer Terminbesprechung für das Amtsblatt Ideen gesucht wurden, wie man die Reichenbacher Vereine am besten in die Aufgaben der Gemeinde einbinden könnte. Schließlich hätten sich Albverein, Feuerwehr, Musikverein, Narrenzunft und Sportverein verpflichtet, sich „in einem rollierenden System“ einzusetzen beziehungsweise bei Bedarf zu kooperieren. Der Obst- und Gartenbauverein nimmt eine Sonderstellung ein, weil er ein zu kleiner Verein ist.

So wechseln sich die fünf Vereine bei der Altmaterialsammlung jährlich ab. Der gerade zuständige Verein macht auch die Terminüberwachung und –absprache. Er übergibt zum Jahreswechsel den neuen Terminkalender an den folgenden Verein. Der Verein, der gerade mit der Altmaterialsammlung dran ist, leert zudem die Einlaufschächte im Dorf – gegen eine kleine Entlohnung durch die Gemeinde. Ihm fällt auch die Organisation und die Zuteilung von Deckreisig zu: Das Reisig wird gegen Bezahlung nach Hause geliefert.

Beim Kinderferienprogramm übernimmt wie in vielen Gemeinden jeder Verein einen Programmpunkt. „Dass bei Großereignissen wie dem ‚Heuberger‘ oder bei Narrentreffen alle Vereine im Einsatz sind, ist sowieso klar“, ergänzt Marquart. Beim Maibaum-Stellen führt die Narrenzunft Regie; jeder Verein schickt zwei bis drei Helfer.

Der Aufbau des Fackelfeuers wird inzwischen traditionell von der Albvereinsgruppe organisiert; die anderen Vereine schicken ihre Helfer. Alfons Huber kann mit Geschichten aufwarten, wie es vor knapp 60 Jahren mit dem Aufbau ablief: „Damals waren die Schüler für das Aufschichten des Holzes zuständig. Allerdings war Holz ein viel zu teures Brennmaterial, das man nicht fürs Fackelfeuer verschwenden durfte. Deshalb hat uns unser Lehrer Willi Betting vorher losgeschickt, um im Dorf um Holz zu betteln. Mit einem Leiterwägele sind wir nach der Fasnet von Haus zu Haus gezogen. Von den meisten Leuten haben wir Reisbüschele gekriegt. Selten gab’s richtige Holzscheite. Die Büschele sind natürlich schnell abgebrannt.“

Längst sind die eifrigen Helfer ziemlich durchnässt. Trotzdem haben alle ihren Spaß miteinander.

Benjamin Volz und Marcel Marquart erinnern sich, wie sie schon als kleine Kinder jedes Mal mit großer Freude beim Fackelzug vom Gasthaus „Löwen“ hinauf zum Funkenfeuer mit dabei waren, wie sie Süßigkeiten bekamen und dann total begeistert vor dem riesigen Feuer gestanden haben. Deshalb helfen sie auch seit Jahren beim Aufbau mit.

Die Vereine beschenken nämlich beim Fackelumzug durchs Dorf an verschiedenen Stationen die Kinder mit Süßigkeiten und Chips. Erst danach steigt man zum Feuer hoch. Luca, mit 18 der jüngste Helfer, hat schon vor Jahren zusammen mit seinem Vater mitgeholfen. „Deshalb bin ich jetzt dabei“.

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