Den Teufel bringt niemand aus der Kirche

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Von der Kirchengemeinde Aldingen erhielt Erwin Teufel einen Lebensmittelkorb, damit die Kraft anhält für erneutes Schreiben und
Von der Kirchengemeinde Aldingen erhielt Erwin Teufel einen Lebensmittelkorb, damit die Kraft anhält für erneutes Schreiben und (Foto: Alois Groß)
Schwäbische Zeitung
Herlinde Groß

„Es gibt viele mutige Menschen in der katholischen Kirche, die eine eigene Meinung sich bilden, die auch eine unmittelbare Beziehung zu Gott haben, doch die Entscheidung wird weiter oben gefällt“, hat das Schlusswort von Erwin Teufel, Ministerpräsident a.D. gelautet. Im katholischen Gemeindehaus Aldingen hatte er zum Thema „Ehe alles zu spät ist – kirchliche Verzagtheit und christliche Sprengkraft“ gesprochen.

Dies ist auch der Titel seines neuen Buches, auf das er an diesem Abend mit einigen Punkten näher einging. Viele, die früher ihren Platz in der Kirche gesehen haben, kritisieren nicht einmal mehr, weil sie der Meinung sind, es sei sowieso alles zu spät. Dass dieser Meinung Erwin Teufel nicht ist, davon konnten sich an die 100 Personen überzeugen. „Ich spreche ein freies Wort. Mich bringt niemand aus der Kirche fort, denn hier bin ich nicht wegen dem Bodenpersonal. Man sollte in der Kirche mutiger sein und auf den Hl. Geist vertrauen“, lautete ein weitere Aussage Teufels.

Obwohl Erwin Teufel den mutigen Papst Johannes XXIII. als selbstständigen Kirchenobersten, der nicht mehr am Band der Kurie ging, nannte er das zweite Konzil als ein unerledigtes Konzil. .Ohne das zweite Vatikanische Konzil und den Essener Katholikentag (1968) gäbe es die Würzburger Synode (1971) nicht, holte Teufel aus. Die dort gefassten Beschlüsse, für die die Bischöfe zuständig waren, wurden umgesetzt. Von den fast 20 Voten, die der Kirchenleitung in Rom vorgelegt wurden, wurde nur einem einzigen zugestimmt. Vierzig Jahre sind vergangen und wir sind keinen Schritt weiter. Als engagierter Christ ist Teufel deshalb sehr betroffen, dass längst überfällige Reformen jahrzehntelang nicht auf den Weg gebracht wurden. Dies war auch ein Anlass dazu, dass der theologisch informierte Christ Teufel sein jüngstes Werk „Ehe es zu spät ist“ in nur 20 Tagen schrieb.

Dass Priester und Bischöfe nicht immer ihre Meinung offen sagen können, ohne gravierende Nachteile zu riskieren, veranlasste ihn zusätzlich zum Schreiben. Den Priestermangel nannte er als das größte Problem in der Kirche.

Wenn die Kirche sagt, die Eucharistie sei das Wichtigste und kann nur von einem Geweihten vollzogen werden, dann muss diese Kirche doch auch genügend Pfarrer zur Verfügung stellen. Er ist auch nicht gegen den Zölibat, sondern plädiert für die Auflösung des Pflichtzölibates. In den ersten Jahrhunderten der Kirche gab es keinen Zölibat. Erst durch die Vererbung der Pfründe, das Einkommen der Pfarrer, sei das Zölibat angeordnet geworden, so Teufel.

Zum Diakonat für Frauen verwies der Redner auf Gal.3,26-28. Jesus Christus hat also die Kirche nicht auf Männer gebaut, er hat sie auf Menschen gebaut. Ein Ausschluss der Frauen vom sakramentalen Dienst bedeute letztlich, ihnen die Befähigung abzusprechen, zur Sendung der Kirche einen wesentlichen Beitrag leisten zu können, so hat es ebenfalls die Würzburger Synode deklariert. Auf jeden Fall wäre das Diakonat für Frauen eine große Bereicherung für die Kirche. Da es dieses Diakonat in der Urkirche gab und theologisch nichts dagegen einzuwenden ist, dann darf man doch die Frage aufwerfen, welche Gründe es für die Blockade gibt.

Mit dem Subsidiaritätsprinzip schnitt der Katholik und Politiker Teufel ein drittes Argument an, denn dieses Prinzip sei die Lösung für fast alle Proobleme, die derzeit in der Kirche bestehen. Es gäbe keinen Fürstenhof mit Hofzeremoniellen mehr in Europa, nur den Vatikanstaat. In Bezug auf die Kirche müsse das Denken von oben nach unten umgestellt werden auf „von unten nach oben.“Wir müssen die Kirche vom Kopf auf die Füße stellen und in den Gemeinden ansetzen. Denn Kirche vor Ort ist Kirche im Vollsinn des Wortes. Das hat schon der junge Professor Joseph Ratzinger gesagt und er hatte recht“.

„Mit allen Punkten, die ich ansprach, kritisierte ich nicht Papst Franziskus. Nicht, weil ich mich nicht trauen würde, sondern er habe inzwischen viel Vertrauen aufgebaut und es sind ihm Reformen zuzutrauen“, sprach Erwin Teufel.

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