Bittersüß: Der Nachtschatten ist giftig und kann heilen

Lesedauer: 5 Min
 Helmut Grunter
Helmut Grunter (Foto: Archiv: Michael Hochheuser)
Helmuth Gruner

In seiner Serie „Heilsame Natur“, in der der Spaichinger Heilpraktiker Helmuth Gruner verschiedene Heilpflanzen und ihre Wirkungen vorstellt, geht es diesmal um den Nachtschatten.

Trotz seiner Giftigkeit war der bittersüße Nachtschatten früher viel verbreitet und mit zahlreichen Namen in der Volksheilkunde versehen als: Bittersüß, Rote Hundsbeere, Günzkraut, Alpenranken oder Mäuseholz.

Wie viele Heilpflanzen, sucht der bittersüße Nachtschatten die Nähe des Menschen. Deshalb finden wir diese Pflanze bis in die Mittelgebirge, in der Nähe menschlicher Siedlungen oder auch in alten Gemäuern und Ruinen. Dieser Busch bevorzugt auch feuchte, schattige Stellen an Bachufern, im Auwald oder Quellgebieten von Mooren. Der einjährige Strauch sieht aus wie eine zu klein geratene Tomatenpflanze und hat schwarze Beeren.

Schon Hildegard von Bingen hat den Nachtschatten in ihrer Heilkunde gern eingesetzt und schreibt: „Wer an Herzweh leidet oder ein schwaches Herz hat, der koche mäßig Nachtschatten in Wasser und nach dem Ausdrücken lege er ihn ganz warm aufs Herz – und dem Patienten wird es besser werden. Wer Zahnweh hat, der wärme den Nachtschatten in Wasser, lege ihn aufs Kinn dort wo es schmerzt, und der Schmerz wird weichen. Wenn Füße anschwellen, so lege man das erwärmte Kraut in Wasser und bade die Füße darin. Die Schwellung wird zurückgehen“.

Da es sich aber hier um eine giftige Pflanze handelt, sollte man sich besser auf Fertig-Arzneimittel konzentrieren, welche Solanum dulcamara enthalten. So sind die Wirkstoffe nicht überdosiert und arzneimitteltechnisch aufbereitet, ohne dass die Gefahr einer nachteilhaften Überdosierung entsteht.

Die Inhaltsstoffe sind Alkaloide, Solanin, Gerbstoffe, Bitterstoffe, Steroid-Saponine und Zucker. Diese wirken zusammenziehend, antimikrobiell, allerdings auch schleimhautreizend.

Magisches und Mystisches

Unsere Altvorderen , die offensichtlich etwas rustikaler waren als wir, setzten den bittersüßen Nachtschatten bei ständig wiederkehrenden Alpträumen ein. Er sollte Abhilfe schaffen und man meinte, damit Dämonen und Hexen bannen zu können. In der Steiermark war die Pflanze unter dem Namen „Mondscheinkraut“ als Heilmittel gegen Schlafwandeln gebräuchlich.

Zwar haben die reifen Beeren im Verhältnis zum Kraut und den grünen Beeren den geringsten Alkaloidgehalt. Trotzdem ist der Genuss von etwa zehn Beeren in der Literatur als tödliche Dosis angesehen. Bittersüß ist nicht so tödlich wie die verwandte Tollkirsche, die Alraune oder das Bilsenkraut. Deshalb sollte vor allen Dingen Kindern der Umgang damit verboten werden.

In der Volksmedizin hat Bittersüß eine lange Tradition, gerät aber immer mehr in Vergessenheit. Kräuterpfarrer Sebastian Kneipp war ein großer Befürworter von Bittersüß. Es war für ihn eine wichtige Pflanze zur Erhöhung der Ausscheidungen in seinem Rheuma-Tee. Kneipp soll ja einmal auf die Frage, was das wichtigste für die Gesundheit sei, geantwortet haben: „1. Entgiftung, 2. Entgiftung, 3. Entgiftung“.

Als Heilpflanze wurde und wird Bittersüß bei allen Erkrankungen verwendet, bei denen Entgiftung eine Rolle spielt, also bei Lungenkrankheiten, besonders Keuchhusten und Asthma, aber auch bei Gicht, Rheuma und vor allem bei Hautkrankheiten.

In der indischen Medizin gehört die Pflanze zu den am häufigsten gebrauchten Kräutern bei Hautschäden, chronischen Ekzemen, Schuppenflechte, Neurodermitis und Herpes.

Mehr zum Thema
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen