Erwin Teufel
Erwin Teufel (Foto: Kurt Glückler)
Schwäbische Zeitung

Nach der großen Informationsveranstaltung zur beabsichtigten Schließung der Spaichinger Klinik, bei der auch anklang, dass die kleinen Abteilungen mit rund 30 Betten bleiben könnten, meldet sich Ministerpräsident a.D. Erwin Teufel noch einmal zu Wort. Er betont: „Man kann nicht nach oben Föderalist sein und nach unten Zentralist.“

In einem Brief an Landrat Stefan Bär versichert er ihm, dass die Argumente vor Ort nicht zu Einsicht und Beruhigung beigetragen hätten. „Viele Ärzte aus unserer Region haben öffentlich in mehreren Leserbriefen gegen die Schließungsabsicht argumentiert und ihre Kritik eingehend begründet. Sie haben ihre positiven Erfahrungen mit dem Kreiskrankenhaus Spaichingen geschildert und im Interesse ihrer Patientinnen und Patienten nachdrücklich für eine Weiterführung des Hauses geworben.“

Auf diese Briefe und Argumente der Ärzte sei Bär noch mit keinem Wort eingegangen und auch nicht auf die Leserbriefe der Patienten und Patientinnen. Sie hätten aber alle eine Antwort verdient.

„Der Landkreis Tuttlingen hat die meisten selbstständigen Gemeinden unter allen Kreisen des Landes Baden-Württemberg. Das ist die Bürgernähe, welche die Gemeinden und Gemeinderate und ihre Bürgermeister und ihre Bürger bei der Gemeindereform gewünscht und gewählt haben.“ Die Notwendigkeit der Bürgernähe richte sich aber auch an den Kreis für seine Zuständigkeit.

Die gewählten Organe, der Landrat und die Kreisräte und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätten von Seiten des Landes viele Zuständigkeiten erhalten. Die Zahl der Mitarbeiter im Landratsamt habe sich dadurch verdoppelt.

„Das ist das Ergebnis einer dezentralen Politik des Landes, die ich gegen Ende meiner Amtszeit als Ministerpräsident durchgesetzt habe. Aber ich habe mir natürlich nicht vorgestellt, dass wir durch Dezentralisierung die Kreise stärken und die Kreise im Innenverhältnis zentralisieren.

Man kann nicht nach oben Föderalist sein und nach unten Zentralist.“

Teufel erinnert in seinem Brief noch einmal daran, dass alle Landräte zum Kreiskrankenhaus Spaichingen gestanden hätten. Alle Nachbarkreise und die meisten Kreise in Baden-Württemberg hätten mehrere Krankenhausstandorte. „Warum tun Sie dem Kreis Tuttlingen diese Zentralisierung und Spaltung an? Spaichingen und der Heuberg stehen zum Kreis Tuttlingen. Aber der Kreis Tuttlingen muss auch zu der Landschaft und den Bürgerinnen und Bürgern von Spaichingen, dem Heuberg, Aldingen und Trossingen stehen.“

Anhörungen hätten nur Sinn, wenn man nicht nur getroffene Entscheidungen begründet, sondern wenn man auf die Bürgerinnen und Bürger höre und aufnehme, was sie bewegt.

„Der Schaden für den Kreis Tuttlingen ist viel grober als der Nutzen“, wenn jetzt das Krankenhaus als Kreiskrankenhaus Spaichingen als Grundversorgung für das nördliche Kreisgebiet geschlossen werde.

„Bitte, überdenken Sie noch einmal Ihre Haltung und die Folgen Ihrer Ziele.“

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