Bischof lobt in Spaichingen Kapitänin für Menschenrettung

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Bischof Gebhard Fürst und Pater Superior Alfons Schmid
Bischof Gebhard Fürst und Pater Superior Alfons Schmid (Foto: Franz Dreher)
Franz Dreher

Zwei Seiten derselben Medaille – so hatte man die beiden Hauptredner beim Männertag des Katholischen Männerwerk im Dekanat Tuttlingen-Spaichingen auf dem Dreifaltigkeitsberg verstehen können. Beide Redner beleuchteten die Zusammenhänge zwischen dem Frieden und der Gerechtigkeit, aber auf sehr unterschiedliche Weise.

Superior Alfons Schmid freute sich nicht nur über ein volles Gotteshaus, sondern auch darüber, dass sich Bischof Gebhard Fürst genau am Tage seines 19. Amtsjubiläums nicht nehmen ließ, den Kontakt zu seinem „Gottesvolk“ zu suchen. Zuvor waren schon um 8 Uhr etliche Gläubige unter der Führung von Gemeindereferentin Michaela Maier die vielen Stufen auf den Berg gepilgert.

Bischof Fürst nahm in seiner Predigt zu den aktuellen Streitfragen kein Blatt vor den Mund. Bezug nehmend auf die Flüchtlingstragödie im Mittelmeer lobte er die deutsche Kapitänin ausdrücklich für ihren beherzten Einsatz. Sie habe zwar das „Seerecht“ gebrochen, doch gleichzeitig viele Menschenleben gerettet.

Klimawandel war Thema

„Wie hätten denn sie gehandelt?“, fragte Fürst, um gleichzeitig auf die Franziskus-Enzyklika „Laudato Si“ zu verweisen. Darin habe der Papst die ungerechte Verteilung der weltlichen Güter angeprangert. Unsere Erde sei ein gemeinsames Haus, das keiner einzelnen Nation alleine gehöre.

„Und diesen Planet Erde dürfen wir nicht weiterhin schädigen, wir müssen ihn gemeinsam pflegen und gerecht so einrichten, dass andere nicht unter unserem Verhalten leiden müssen“.

An die Adresse der Populisten und Ignoranten des Klimawechsels richtete der Gast aus Rottenburg die deutliche Mahnung, dass die Klimaveränderungen und vielen Konflikte um die bedrohten Lebensgrundlagen auf der südlichen Halbkugel zum Teil von unserem Verhalten verursacht werden. Darum sollte unsere Gesellschaft den Verbrauch von nicht erneuerbaren Energien dringend einschränken.

Realpolitik

Kanzleramtsminister Helge Braun betrachtete in der anschließenden Bekenntnisstunde die verschiedenen Nuancen des hehren Begriffes „Gerechtigkeit.“ Seine Erfahrungen mit der sogenannten „Verteilungsgerechtigkeit“ hat der CDU-Politiker mit anderen EU-Nationen gemacht.

So habe ihm der spanische Außenminister im Jahr 2015 beispielsweise erklärt, dass er seinen vielen arbeitslosen Jugendlichen nicht vermitteln könne, zusätzliche junge Migranten aufzunehmen. „Gerecht ist also auch, was in einer Situation zumutbar ist“, erklärte der promovierte Minister für besondere Aufgaben. Man müsse darum zuerst die Sorgen und Nöte anderer Staaten genau betrachten.

Präsident Trump ist unbeliebt

Wenn auch Präsident Trump von den Deutschen nicht besonders geliebt werde, so müsse man trotzdem die großen Leistungen der USA als Friedensmacht anerkennen. Beispielsweise hätten die US-Bodentruppen (unter Obama) den Völkermord an den Jesiden im Syrienkonflikt verhindert.

Zur viel kritisierten sozialen Un-Gerechtigkeit in der Republik verwies Braun auf den Sozialetat, welcher in den letzten 50 Jahren von 30 auf über 50 Prozent angeschwollen sei. Es sei zwar richtig, dass die Schere zwischen den Reichen und Armen immer weiter auseinander gehe, doch sei es auch wahr, dass die sozial Schwachen nicht ärmer geworden seien, sondern eben weil viele Reiche noch sehr viel reicher geworden seien.

Politik und Kirche sind sich einig

Der Politiker ist sich mit dem Bischof einig, dass durch den zu hohen Kohlendioxidausstoß die Klimaveränderung beschleunigt wird. „Wenn wir nicht mit unserem guten Beispiel vorangehen gehen die Schwellenländer nicht mit“, mahnte der Minister mit dem Hinweis, dass man jedoch die soziale Gerechtigkeit bei der CO-2-Besteuerung nicht vergessen dürfe.

Dekanatsmännerleiter Bernhard Schnee dankte abschließend den vielen Gästen, der Musikkapelle aus Buchheim, dem Bischof und dem Berliner Gastredner.

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