Bischöfe sollen Klartext reden

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Prof. Hilberath bei seinem Vortrag in Spaichingen.
Prof. Hilberath bei seinem Vortrag in Spaichingen. (Foto: Richard Moosbrucker)
Schwäbische Zeitung
Richard Moosbrucker

Auf höchst treffende und unterhaltsame Weise hat Prof. Bernd-Jochen Hilberath im Edith-Stein-Haus vor rund 100 Zuhörern Klartext zum Thema „Die Reformation ist zu Ende – die Reform geht weiter!?“ geredet. Eloquent beleuchtete er, nachdem Pastoralreferent Thomas Blessing eine Einführung gegeben hatte, dieses im Jubiläumsjahr so wichtige Thema.

Die Zuhörer merkten, dass dem Professor vieles zu langsam geht, weil die Reformation der Spaltung zu Ende sei und unter anderem die zentralistisch geleitete Kirche nicht in der Lage sei, sich zu äußern, wie sie zu den Ergebnissen steht. Jetzt müssten die Bischöfe Klartext reden – aber in Bezug auf dieses Thema hörte man beim Professor kritische Untertöne. Weil sich das Leben ändere, so Hilberath, müssten auch wir uns ändern. Dabei sei es nicht so wichtig, wer Recht hat, es zählten vielmehr die besseren Argumente für die Menschen und ihr Leben.

In einem kurzen theologischen Ausflug sinnierte er über die Wahrheitsfrage und die daraus resultierende Meinung, dass Gott ein gelingendes Leben für alle wolle. Hilberath: „Wenn das Gemeinsame verbreitet wird, dann ist es richtig.“ Man hätte die Chance gehabt, 2017 die Reformation gemeinsam zu feiern, aber wir hätten selbst Schuld daran, dass es nicht so weit gekommen ist. Außer schönen Worten sei nichts gewesen, folgerte Hilberath. Bezüglich der Rolle des Papstes meinte er, dass er keine Vollmacht über die sich zusammenschließenden Christen haben dürfe. Für die Amtsträger in der Kirche stelle sich die Frage, was zu machen sei – und hier werde es immer wichtiger, nach dem Motto „Ich bin es nicht, er ist es“ (Jesus) zu handeln. Damit verwies er auf die fundamentale Abhängigkeit von Jesus Christus und sagte: „Es muss ein dialogisches Korrektiv geben, denn die Gemeinde hat nicht das Recht, sondern die Pflicht, Eucharistie zu feiern.“

Verweisend auf das „Lima-Papier, 1982“, legte sich Hilberath fest: Um ihre Sendung zu erfüllen, braucht die Kirche Personen, die öffentlich und ständig dafür verantwortlich sind, auf ihre fundamentale Abhängigkeit von Jesus Christus hinzuweisen. Hilberath weiter: „Das Apostolat beider Kirchen steht außer Frage, wenn wir in der Spur Jesus bleiben.“ Bezüglich der Abendmahlsgemeinschaft sagte Hilbert, es gäbe keine gravierenden kirchenrechtlichen Gründe, eucharistische Gastfreundschaft abzulehnen. Sie sei vielmehr als Normalfall im Leben von Menschen zu sehen. Auch wenn einige, wie beispielsweise der Straßburger Bischof Elchinger, wegen vorhandener Dissenzen noch mauern, praktizierten manche Christen schon ihren eigenen Weg. Katholisch sein bedeutet für Hilberath: Eine Fülle von Verschiedenheiten aushalten. Dabei sei wichtig, dass die Kirche bei den Menschen sei.

Thomas Blessing am Ende des Vortrags: „Sie haben nichts von ihrer Energie und ihrem Humor verloren. Sie haben uns in Vielem aus dem Herzen gesprochen.“ Altministerpräsident Erwin Teufel gab Hilberath, den er sehr schätze, in allen Punkten recht, kritisierte aber, indem er darauf hinwies, dass bezüglich der Rechtfertigungslehre diese keine Folgen zeitige.

Hilberath bestätigte, dass man keinen Schritt weiter sei. Und wenn man einen Toast aussprechen und auf etwas trinken wolle, dann zuerst auf das eigene Gewissen und dann auf den Papst. Und zum Schluss: „Wenn wir warten, bis der letzte Eskimo zustimmt, werden wir keine Kirchengemeinschaft erleben.“ Klarer kann man seine Haltung kaum zum Ausdruck bringen.

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