Bewegung für die Spaichinger Klinik: Breiter Schulterschluss der Bürger

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 Ehrenbürger Franz Schuhmacher spricht auch für Bürgermeister a.D. Albert und Ministerpräsident a.D. Erwin Teufel: „Wir sind an
Ehrenbürger Franz Schuhmacher spricht auch für Bürgermeister a.D. Albert und Ministerpräsident a.D. Erwin Teufel: „Wir sind an Ihrer Seite“. (Foto: Regina Braungart)
Redaktionsleiterin

Es ist ein breiter Schulterschluss, der am Donnerstag im Gasthaus „Engel“ zu beobachten gewesen ist. Kreisräte, Parteivertreter, Ehrenbürger und CDU-Granden, Ärzte, Männer, Frauen – rund 70 lassen sich vom früheren Chefarzt Dr. Albrecht Dapp informieren. Dieser kommt mit Karin Pfriender eine halbe Stunde später – ein ganz kurzfristig durch Minister Guido Wolf (CDU) bei Sozialminister Manne Lucha (Grüne) vermittelter Termin und der Stau auf der A 81 sind schuld.

Die Zeit überbrückt Zdenko Merkt, der zusammen mit dem Ehepaar Dapp die Gegenbewegung zu den Plänen des Kreises zur mittelfristigen Schließung der Spaichinger Klinik aus der Taufe gehoben hat. Er schildert, wie alles begann, nachdem am Sonntag nach der Veröffentlichung der Pläne Dapp beim Konzert Kultur & Klinik bestürmt worden sei, man müsse doch etwas machen. Später wird Dapp verkünden, dass innerhalb dieser zwölf Tage bereits über 4000 Unterschriften zusammen gekommen sind: Menschen aus dem gesamten Landkreis solidarisieren sich. Um noch genügend Zeit vor der Übergabe am 6. Februar zu haben, sollen die Listen am Samstag, 2. Februar, bei Dapps abgegeben sein.

FDP-Kreisrat Leo Grimm hält eine engagierte Rede: „Warum stärken wir nicht den Standort Spaichingen?“ - statt ihn abzubauen. Vor allem die Notaufnahme müsse wieder installiert werden. So könne der Standort Spaichingen zu einer Bereicherung für den Standort Tuttlingen werden. Später werden auch Ehrenbürger Franz Schuhmacher und Albrecht Dapp nachdrücklich betonen, dass Spaichingen und Tuttlingen nur gemeinsam in die Zukunft gehen könnten. „Es geht nicht um den Erhalt dessen, was jetzt ist, sondern um den Aufbau einer Struktur mit Anpassung an die Rahmenbedingungen. Und man muss auch Tuttlingen stärken“, so Dapp.

„Was ist uns eine Klinik wert?“

Isabella Kustermann (Freie-Wähler-Kreisrätin) betont: „Ich werde für Spaichingen kämpfen, so gut es geht.“ Bürgermeister Hans Georg Schuhmacher beklagt, dass er aus politischen Gründen nicht in den Aufsichtsrat der Klinikgesellschaft bestellt worden sei. Er kritisiert den derzeitigen Ansatz im Umgang mit der Klinik, die schon vor der Überführung in eine gGmbH jährlich für zwischen einer und drei Millionen Euro bezuschusst werden musste: „Man muss nicht nach schwarzen Zahlen fragen, sondern: Was ist uns eine Klinik wert? Was ist uns eine optimale Versorgung wert?“

Man müsse bedenken, dass Tuttlingens OB Michael Beck, der sich in einer Pressemitteilung für die Verschiebung der Kreistagsentscheidung stark gemacht hatte (wir haben berichtet) und selbst im Aufsichtsrat sitze, „bereits Anfang 2018 diesen Weg als gangbaren Weg beschlossen hat“. Jetzt zu sagen, „wir wollen uns allem öffnen, klingt so, dass man die Luft rausnehmen will, weil der Widerstand zu kräftig ist“. Schuhmacher plädiert für ein erneutes Strukturgutachten, eventuell durch die Solidaris-Fachleute, die bereits das erste erstellt hatten. „So viel Zeit muss sein.“ Auch die Frage, dass es in Sigmaringen offenbar deshalb funktioniert, weil SRH als großer Verbündeter eingestiegen ist, müsse man diskutieren.

Ehrenbürger Franz Schuhmacher, früherer CDU Gemeinderat, Fraktionsvorsitzender, Stadtverbandsvorsitzender, Kreisrat und Landtagsabgeordneter, spricht im Namen von Ministerpräsident a.D. Erwin Teufel und Bürgermeister a.D. Albert Teufel, beide ebenfalls Ehrenbürger. Er danke jenen Kreisräten, die sich für die Spaichinger Klinik stark gemacht hätten. Die drei führen derzeit wie Dapp Gespräche mit vielen Akteuren.

Fachleute vor Ort fragen

Besonders freue ihn, dass die Trossinger Ärzte, Aldingen, der Heuberg so zum Standort Spaichingen halten. Die Möglichkeit, nach Balingen, Rottweil und VS auszuweichen, sei real. Spontanen Beifall gibt es für die Beschreibung, die er selbst als Diabetespatient unterstreichen könne: „Zu einer Genesung gehört eine gute Atmosphäre.“ Und: „Es fehlt ein Konzept. Warum fragen wir nicht die Fachleute vor Ort?“

Dr. Albrecht Dapp ist sichtlich sauer: Landrat Bär bestehe ihm gegenüber darauf, die Entscheidung im März herbei zu führen. Aber: „Wenn man dem Ministerium auf dem Silbertablett präsentiert: ,Wir schließen Spaichingen’, dann sagen die natürlich Ja.“ Aus dem Gespräch mit dem Sozialminster habe er die Chance zumindest für den Erhalt der Diabetologie herausgehört.

Jetzt gelte es, bei der Veranstaltung am 6. Februar Präsenz zu zeigen. „Es darf ruhig laut sein; aber sachlich. Wir müssen uns mit dem, was wir auf dem Herzen haben, zu Wort melden“, so Dapp.

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