Berg-Gamander: Perfekt an Hitze angepasst

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 Ein „Älbler“ mit mediterranen Wurzeln: der Berg-Gamander (Teucrium montanum).
Ein „Älbler“ mit mediterranen Wurzeln: der Berg-Gamander (Teucrium montanum). (Foto: Judith Engst)
Judith Engst

Wir Menschen stöhnen über die Hitze und suchen während der „Hundstage“, der heißesten Zeit des Sommers, gerne den Schatten. Nicht so diese zierliche, kalkliebende Pflanze mit dem Namen Berg-Gamander (Teucrium montanum): Sie wächst in der prallen Sonne, häufig auf flachgründigsten Fels- und Schotter-Standorten.

Unser Foto wurde beim Weißen Kreuz in Gosheim aufgenommen. Gegen die hochsommerlichen Temperaturen ist der kleine Lippenblütler bestens gewappnet – und hat damit so manchem schattenliebendem Konkurrenten etwas voraus.

Ein Teppich auf nacktem Fels

Mit ein paar Tricks versteht es der Berg-Gamander, seine Verdunstung und damit seinen Wasserverlust zu minimieren. Zum einen wächst er gerne polsterartig, was seine Oberfläche verkleinert. Seine lanzettlich-schmalen Blätter sind oberseits fast schon ledrig, deshalb kann ihnen auch eine starke Sonneneinstrahlung wenig anhaben. Der Blattrand ist nach unten eingerollt, und die Unterseite graufilzig behaart.

Beides reduziert ebenfalls den Wasserverlust. Denn ihre Spaltöffnungen, die sich ebenfalls auf der Blattunterseite befinden, muss die Pflanze auch bei größter Hitze schon deshalb aufmachen, um das für die Photosynthese so wichtige Kohlendioxid aufnehmen zu können.

Als Halbstrauch wird der Berg-Gamander deshalb bezeichnet, weil er am Grunde seines Stängels verholzt ist. Von dort aus schickt er Ausläufer über den Untergrund. Auf dem nackten Felsen entstehen auf diese Weise ganze Teppiche von 20 bis 30 Zentimeter Höhe.

Mediterraner „Älbler“

Eigentlich erstreckt sich das Verbreitungsgebiet des Berg-Gamanders vor allem auf das Mittelmeer-Gebiet. Von der iberischen Halbinsel bis nach Kleinasien kommt der Halbstrauch vor; er wächst vor allem in Bergregionen.

Dass er sich auch zu uns nach Süddeutschland vorwagt, liegt vor allem am Untergrund: Gerade auf Kalk fühlt er sich rundum wohl; und trocken-warme Kalkstandorte gibt es auf der Schwäbischen und Fränkischen Alb zuhauf.

Man könnte also sagen: Dieser „Älbler“ hat eindeutig mediterrane Wurzeln, ist aber auch bei uns auf dem Heuberg heimisch.

Übrigens gibt es auf ähnlichen, aber nicht ganz so flachgründigen und steinigem Untergrund noch einen Verwandten aus der gleichen Gattung: den Edel-Gamander (Teucrium chamaedrys). Im nahen Schwarzwald wächst außerdem noch der salbeiblättrige Gamander.

Die Gamander-Arten gehören zu den Lippenblütlern. Man erkennt sie daran, dass sie – anders etwa als Taubnesseln oder Ziest-Arten – keine Oberlippe haben. Wie hübsch dafür die Unterlippe ausgebildet ist, zeigt das Foto. Diese aparte Blüte finden übrigens nicht nur wir Menschen schön, sondern auch die Insekten, die diese Pflanze nur allzu gerne besuchen und natürlich auch bestäuben.

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