Bei diesen Rentnern schüttet mancher Besucher sein Herz aus

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Annemarie Werner, Beate und Erich Kramer (v.l.) sind von Anfang an im Krippenausstellungs-Team.
Annemarie Werner, Beate und Erich Kramer (v.l.) sind von Anfang an im Krippenausstellungs-Team. (Foto: Manfred Brugger)
Manfred Brugger

Besucher des Dreifaltigkeitsbergs tauchen an diesem strahlenden Sommermorgen urplötzlich in eine andere Welt ein, in das Geschehen der Heiligen Nacht. Die Geburt Christi ist in über fünfzig Krippenszenen zu bestaunen, dezent ausgeleuchtet unter dem nachtblauen Firmament eines funkelnden Sternenhimmels.

Dass es auf dem Spaichinger Hausberg das ganze Jahr über weihnachtet, ist dem 2012 verstorbenen Aixheimer Maschinenhändler Karl Efinger zu verdanken. Jener hat sein halbes Leben lang Krippen aus aller Herren Länder gesammelt und sein umfangreiches Werk 2004 den Claretinern vom Berg als Dauerleihgabe angedient. Der damalige, begeisterungsfähige Superior Alois Andelfinger war vom ersten Moment an Feuer und Flamme und hat sich nicht zweimal bitten lassen.

Für dieses Geschenk des Himmels wurde jedenfalls sogleich eine Herberge gesucht. Und gefunden. Sinniger Weise im ehemaligen Stall vom unvergessenen Bruder Hans, der den älteren Spaichingern – auf seinem Hanomag sitzend – immer noch eine vertraute Erinnerung sein dürfte.

Auf dem Fundament dieses einstigen landwirtschaftlichen Stalls vom Berg ist in den Folgemonaten ein museumsdidaktischer Stall von Bethlehem geworden. Der wunderbar anzusehen ist, doch wie jeder Stall auch gehörig Arbeit macht. Denn die über 1000 Öffnungsstunden jährlich (täglich 14 bis 17 Uhr, bis auf den 1. Weihnachtsfeiertag, Karfreitag und Ostersonntag) bestreitet ein Team von über 80 Freiwilligen (großteils Generation Sechzig plus), die in der Regel einmal im Monat Dienst tun, also die Aufsicht führen mit allen damit verbundenen Vor- und Nacharbeiten. Ein Eintrittsgeld wird bewusst nicht verlangt, so dass jeder auf Spendenbasis den „fairen Preis“ für sich selber festsetzen kann.

„Letzten Sonntag waren es 23“, berichtet Erich Kramer. Der auch schon Tage erlebt hat, wo es noch weniger waren. Oder auch einmal gar keiner.

Die Zahl der jährlichen Besucher, mit einem Hengstler-Zähler akkurat erfasst, hat sich die letzten Jahre auf der 8000er Marke eingependelt. Und Annemarie Werners Bruder Manfred kann sogar mit der Langzeit-Statistik aufwarten: Von der Eröffnung im Sommer 2005 bis im Oktober 2018 haben 126 000 Besucher den Weg zu diesen Krippen auf dem Berg gefunden.

„Manche kommen nicht nur zum Schauen und Staunen“, wie die Beate Kramer weiß, „sondern auch zum Reden“. Also „Kripple mit Schwätzle“, wenn man so will. Was bisweilen seelsorgerliche Züge annehmen kann, wenn ein einsamer Besucher in diesem geschützten Raum sein Herz ausschüttet und danach seelen-erleichtert wieder talwärts entschwindet.

Die Spaichinger Kuolt-Krippe war 2013 der letzte größere Zugang in dem stolzen Krippen-Ensemble, das von einer kostbaren italienischen Porzellan-Krippe (die den Weg auf den Berg über einem Umweg über die USA fand) über eine neapolitanische Kastenkrippe mit edlen Gewändern bis hin zur mannshohen Sieger-Krippe aus Egesheim reicht.

Doch es ist nicht alles Krippe. Rund ein Viertel der Ausstellungsfläche entfällt auf die 16 Stationen im Lebensweg Jesu, welche die Schlüsselmomente in dessen 33 Lebensjahren nachzeichnen, bis hin zum Auferstehungsmorgen. Mit über hundert ausdrucksstarken Figuren, die selbst für Eingeweihte nach Jahren immer noch neue Entdeckungen bereithalten, sei es in der Körpersprache oder in den Gesichtsausdrücken diverser kunstvollen Figuren aus den altbekannten biblischen Szenen.

„Das Publikum kommt hauptsächlich aus der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg“, so die dieses Jahr achtzig werdende Annemarie Werner, „zum Teil allerdings auch noch von weiter her“. Denn heutzutage fungiert das Internet als Stern von Bethlehem.

Wenn Spaichinger Besucher aus der Ferne empfangen, gehört die Krippenausstellung oft zum „Pflichtprogramm“. Als nicht alltägliche Sehenswürdigkeit in dieser Region (die nächstliegenden, vergleichbaren Ausstellungen sind erst wieder im Oberland zu finden, in Oberstadion oder im Kloster Bonlanden).

Dass die Räumlichkeiten vom Helferkreis jahraus jahrein auch in Schuss gehalten werden müssen, leuchtet nicht nur einer fleißigen schwäbischen Hausfrau ein. Neben der regelmäßigen „Grundreinigung“ umfasst das in größeren Abständen auch einen „Großputz“, dessen Ausmaße man sich bei der überbordenden, filigranen Fülle an „Staubfängern“ gar nicht ausmalen will.

Das traditionelle „Danke-schön-Essen“ am Montag nach dem Dreifaltigkeitssonntag hat sich die Schar der Freiwilligen, für die dieses Trio exemplarisch steht, jedenfalls alle Jahre wieder reichlich verdient.

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