So wurden die Blumensamen auf dem Heuberg vor zwei Jahren geerntet. Im Bild: Jochen Kübler und Claudia Huesmann. Vergangenes Ja
So wurden die Blumensamen auf dem Heuberg vor zwei Jahren geerntet. Im Bild: Jochen Kübler und Claudia Huesmann. Vergangenes Jahr kam schon ein umgebauter Mähdrescher zum Einsatz. (Foto: Archiv: Regina Braungart)
Redaktionsleiterin

Wildblumen verschwinden, und damit auch die Insekten. Dem wirkt ein Projekt des Regierungspräsidiums im Bereich Spaichingen/Heuberg und anderen Teilen des Landkreises entgegen. Das heimische Saatgut von artenreichen mageren Flachlandmähwiesen wird seit drei Jahren im Landkreis gewonnen und auch ausgesät. Jetzt sucht das Regierungspräsidium weitere Projektpartner.

Über viele Generationen haben Landwirte unsere Landschaft so bearbeitet, dass sie so artenreich geworden ist, dass sie als besonders wertvoll von der EU ausgezeichnet wurde. Für die Pflege dieser artenreichen Wiesen gibt es 280 Euro je Hektar und Jahr an Zuschuss. Die Kehrseite: Die Wiesen dürfen sich nicht verschlechtern. Das bedeutet, sie dürfen nicht mehr als erlaubt gedüngt und möglichst maximal zwei Mal im Jahr gemäht werden, die erste Mahd erst, wenn die Blumen geblüht und ausgesamt haben.

Wer aus Unwissenheit oder vielleicht auch aus Absicht gegen das Verschlechterungsverbot verstößt, verdrängt die Blumen von seinen Wiesen und mit ihnen alle Insekten, die genau auf diese Blumen spezialisiert sind. Dies und die Monokultur der modernen Landwirtschaft haben unter anderem zum massiven Insektensterben beigetragen, was jetzt auch bei einem erheblichen Schwund der Singvögel angekommen ist.

Aber: Es gibt auch die Gegenentwicklung. In Partnerschaft mit verschiedenen Landwirten, die hier ebenfalls ein Einkommensstandbein entwickeln wollen, haben die Mitarbeiter des Büros 365° zusammen mit dem Landschaftserhaltungsverband schon vor drei Jahren begonnen, die Samen auf solchen Magermähwiesen zu gewinnen, damit man damit ärmere Wiesen wieder aufwerten kann.

Wem also Wildschweine die Wiese umgegraben haben oder wessen Wiese trotz Verschlechterungsverbots durch zuviel Gülle ärmer geworden ist, der kann mit diesem Saatgut dafür sorgen, dass sich wieder heimische Blumen verbreiten. Das wurde schon – mit gutem Erfolg – in unserer Region gemacht, sagt Jochen Kübler vom Büro 365°.

Dabei werden in ärmer gewordenen Wiesen in der Mitte Streifen eingefräst, in die dann die Samen gelegt werden. Von da breiten sich die Blumen wieder aus. Übrigens bekommen Bauern, die an dem Projekt teilnehmen, das Saatgut kostenlos. Damit soll verhindert werden, dass irgend ein Saatgut gekauft wird, das aber nicht unserer heimischen Pflanzenwelt entspricht, so Kübler.

Es gebe natürlich Härtefälle, wie etwa in Kolbingen, wo eine intensiv bewirtschaftete Fläche in ein FFH- Gebiet fällt. Hier habe man getauscht und an einer anderen Stelle eine Ackerfläche in eine artenreiche Wiese umgewandelt. Oder in Deilingen: Da wollte ein Landwirt eine solche wertvolle Wiese bebauen - im Gegenzug wurde eine Ackerfläche von 30 ar mit den in heimischen Gefilden geernteten Samen wieder zur artenreichen Wiese.

Geerntet wurde im vergangenen Jahr im Bereich Böttingen, Bubsheim, Buchheim und im Kreis Rottweil.

Eigentlich läuft das von der Stiftung Naturschutzfords finanzierte Projekt nach vier Jahren aus. Trotzdem gebe es Wege, das Anliegen weiter zu führen. Derweil können sich Landwirte sowohl als Erzeuger solcher wertvoller Samen als auch als Nutzer, um eine Fläche aufzuwerten, melden.

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