„Basis für vertrauensvolle Zusammenarbeit fehlt“

Lesedauer: 7 Min

Simone Stoffel.
Simone Stoffel. (Foto: GHV)
Redaktionsleiterin

Citymanagerin Simone Stoffel hat beim Gewerbe- und Handelsverein Spaichingen gekündigt (wir berichteten kurz am Mittwoch). Sie werde sich beruflich anders orientieren. Regina Braungart befragte sie zu den Hintergründen.

Warum haben Sie als Citymanagerin gekündigt?

Die Kündigung fiel mir wirklich schwer. Ich gehe mit einem weinenden Auge. Die Arbeit als Citymanagerin hat mir unglaublich viel Spaß gemacht. Aber die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung wurde immer komplizierter. An Vereinbarungen erinnerte man sich auf einmal nicht mehr, und so fehlt für mich ganz klar die Basis für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Hat es etwas mit der Kritik zu tun, der Sie sich seitens des Bürgermeisters ausgesetzt sahen, oder fühlten Sie sich wertgeschätzt?

Herr Bürgermeister Schuhmacher betonte zwar immer wieder, wie hervorragend meine Arbeit sei, dennoch versuchte er meine Arbeit zu behindern und veranlasste Diskussionen im Gemeinderat über die Sinnhaftigkeit des Citymanagements. Für mich ein sehr konträres Verhalten.

War die Stelle für Sie sowieso etwas Vorübergehendes?

Als ich die Stelle vor vier Jahren antrat, hatte ich keine Erfahrung im Stadtmarketing. Mittlerweile führe ich mit anderen Städten regen Austausch und merke, dass mein Tun interessiert. Eine Stadt aus der Umgebung fragte sogar nach meinem beruflichen Profil, da diese Stadt ebenfalls eine Citymanagementstelle schaffen wolle. Ich habe am Anfang nicht gedacht, was für ein Potenzial diese Stelle hat und dass es mir so Spaß machen würde. Mit „Spaichingen goes digital“ haben wir ein neues, tolles Projekt ins Leben gerufen, welches sicher noch spannende und interessante Aufgaben mit sich bringt.

Wo werden Sie hingehen?

Ich gehe zurück zu meinen Wurzeln und werde in einem Industrieunternehmen das Marketing betreuen.

Wie bilanzieren Sie Ihre Arbeit in Spaichingen?

Diese Frage würde ich gerne an die Bürger von Spaichingen und die Mitglieder des GHV weitergeben. Ich freue mich riesig, dass ich es geschafft habe, mit der „Langen Einkaufsnacht“ und dem „Winterzauber in Spaichingen“ zwei wiederkehrende Großevents platziert zu haben, und dass wir mit dem „Winterzauber“ den Weihnachtsmarkt gerettet haben. Ich freue mich auch, dass unsere verkaufsfördernden Maßnahmen wie der „Spaichinger Geschenkgutschein“ oder die „Black Friday“-Aktion wirklich greifen. Nach dieser Zeit haben wir es geschafft, dass viele Menschen – auch von auswärts - zu diesen Anlässen zum Shopping und zum Verweilen nach Spaichingen kommen. Die Umsätze, die aufgrund der Aktionen in den Fachgeschäften gemacht werden, steigen ganz klar an. Diese Entwicklung ist wirklich klasse.

Sind Sie zufrieden mit dem, was Sie erreichen konnten?

Zum Vorstellungsgespräch vor vier Jahren hatte ich eine Ideenliste für das Stadtmarketing dabei. Darauf standen unter anderem ein Sommerkino, ein Rockkonzert und eine Eisbahn auf dem Marktplatz. Dass ich diese Dinge wirklich umsetzen konnte, finde ich echt cool! An dieser Stelle möchte ich auch noch ein richtig dickes Lob an den Vorstand und die Ausschussmitglieder aussprechen. In diesen Gremien sind wirklich tolle Menschen, die mich als Citymanagerin begleitet und unterstützt haben. Ich war und bin wirklich begeistert, wie unsere Mitglieder Zeit und Geld in die Aktionen des Vereins investieren, um Spaichingen voran zu bringen.

Was hätten Sie jetzt im Nachhinein anders gemacht?

Fällt mir gerade nichts ein.

Wo sehen Sie Potenziale?

Ich sehe Potenzial, indem man die Innenstadt entwickelt und neue, moderne Verkaufsflächen schafft – auch für kleinere Fachgeschäfte. Die Innenstadt muss bunt und vielfältig werden. Die Händler müssen die Möglichkeit haben, kreativ zu werben und sich nach außen zu zeigen. Noch ist Spaichingen eine Kleinstadt mit nur temporärem Leerstand. Das sieht in anderen Städten in der Umgebung anders aus. Den bestehenden Handel und die Gastronomiebetriebe gilt es zu unterstützen und zu schätzen, nur so kann auch Neues geschaffen werden. Auch sehe ich eine Chance für Spaichingen in einer gemeinsamen digitalen Online-Plattform, welche wir, wie bereits erwähnt, mit dem Projekt „Spaichingen goes digital“ gestartet haben. Wenn Bürger, Vereine, Ärzte, die Stadtverwaltung und die Gewerbetreibenden digital vernetzt sind und stetig informieren, schaffen wir Möglichkeiten für neue Produkt-, Dienstleistungs- und Serviceangebote, die schnell und einfach kommuniziert werden können.

Was wünschen Sie der Stadt in der Zukunft?

Der Stadt wünsche ich vor allem eine Politik, die die Wichtigkeit des Stadtmarketings erkennt, die die vorhandenen Strukturen schätzt und offen ist für Neues. So fordert auch der Handelsverband Deutschland die Verwaltungen auf, sich um ihre Innenstädte zu kümmern. In den nächsten zehn bis 20 Jahren wird es eine politische Herausforderung sein, die Nahversorgung auch im ländlichen Raum weiterhin gewährleisten zu können.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen