Bunte Fortbewegung: Warum es bald Rampen aus Legosteinen gibt

 Bunt, fröhlich und inklusiv sind die geplanten Lego-Rampen.
Bunt, fröhlich und inklusiv sind die geplanten Lego-Rampen. (Foto: Karl-Josef Hildenbrand)
Redaktionsleiterin

Viele kleine bunte Teile, zusammengetragen von vielen einzelnen Menschen, ergeben etwas ganz Stabiles, das wiederum bisher Ausgeschlossene einbezieht: Das ist der Anfang eines modernen Märchens, sondern die Zusammenfassung eines Projekts, das jetzt gestartet ist.

Nach dem Modell von Hanau, Köln oder Würzburg werden jetzt in Spaichingen ausgediente Legosteine gesammelt und dann von Schülerinnen und Schülern nach genauer Bauanleitung zu stabilen Rampen zusammengefügt.

Diese ermöglichen es Rollstuhlfahrern, Menschen mit Rollator oder Kinderwagen, leichter in verschiedene Spaichinger Geschäfte zu kommen.

Expertin sitzt selbst im Rollstuhl

Die Expertise kommt von Cettina Bett, die selbst im Rollstuhl sitzt und die Hindernisse genau kennt. Mit ihr zusammen ist unter anderem Citymanagerin Vera Storz und Lebenshilfe-Mtarbeiterin Cyra Scharnberger durch Spaichingen gefahren/gegangen und hat gesehen, wo überall Hürden, auch in die Spaichinger Geschäfte hinein, sind.

Von Scharnberger kam auch der Impuls zu der Initiative. Sie hatte in Würzburg studiert und noch heute Kontakt zu einem jungen Mann, der das dort schon abgeschlossene Projekt mitgestaltet hat. Von dort wurde auch im Wesentlichen die Präsentation übernommen. Scharnberger setzte sich mit der Lego Oma Rita Eibel in Verbindung, die ihr die Bauanleitungen zur Verfügung stellte.

Wir haben eine Bauanleitung in neun verschiedenen Sprachen.

Rita Eibel

Das habe sie schon öfter getan: „Wir haben eine Bauanleitung in neun verschiedenen Sprachen, die wir über 500-mal quer durch die ganze Welt geschickt haben“, beschreibt Eibel das Projekt „Lego Oma“ auf der Homepage der AWO Hanau.

Genau die Omas, die noch einen Eimer Legosteine auf dem Speicher haben und deren Enkel groß sind, die Eltern, die die alten Spielsachen aussortieren, sind auch jetzt gefragt. Es gebe sicher in fast jedem Haushalt irgendwo noch einen Legovorrat, vermuten Storz und Scharnberger.

Legosteine halten fast jedes Gewicht aus

Die kleinen Legosteine mit ihren Noppen an der Oberseite (Keine großen Duplos einwerfen!) sind ideal zum Bau von Rampen für gehandicapte Menschen, denn sie lassen sich so zusammenfügen, dass sie fast jedes Gewicht aushalten. An ihrer Oberfläche haben sie auch genügend Griffigkeit, dass Räder darauf Halt finden.

Schon kleinste Absätze sind ein Hindernis. 

Cyra Scharnberger

Jeder könne mitmachen, sagt Scharnberger. Ein Kind könne aus seinem Legovorrat ein paar Steinchen spenden und sich damit auch ganz nebenbei in die Perspektive von Menschen versetzen, die auf Räter zu oder statt ihrer Beine zur Fortbewegung angewiesen sind.

„Schon kleinste Absätze sind ein Hindernis“, sagt Scharnberger, der noch vor Augen steht, wie der „Hochleistungsrollstuhl“ von Cettina Bett bei der Erkundungstour mit wenigen Zentimetern seine liebe Mühe hatte.

Die Firma ist bislang noch nicht an Bord

Aber nicht nur die Funktion selbst reizt die Institutionen, die sich zu diesem Projekt bekennen: Weil die künftigen Rampen knallbunt sind, setzen sie auch ein Signal im Straßenbild: „Es ist eine schöne Möglichkeit, sich einzubringen und Flagge zu zeigen“, sagt Scharnberger.

Das ist die nagelneue Sammelkiste noch unbeschädigt am Montagabend. Am Dienstagabend hat schon jemand den Deckel aufgehebelt.
Das ist die nagelneue Sammelkiste, noch unbeschädigt am Montagabend. Am Dienstagabend hat schon jemand den Deckel aufgehebelt. (Foto: Regina Braungart)

Einbringen heißt auch, dass Gewerbetreibende, der Gewerbe- und Handelsverein ist über seine Citymanagerin im Boot, Boxen aufstellen und auch in den Läden Legos sammeln. Auch Spenden sollen gesammelt werden, um neue Steine zu kaufen.

Bei so viel Publicity könnte man fast vermuten, dass die Firma Lego selber ein paar Kistchen springen lässt. Das ist aber bisher nicht im Gespräch.

Bau der Rampen startet Mitte Juli

Eigenbau ist der Holzkasten am Rathaus, den Schreinermeister Egon Kupferschmid hergestellt hat. Los mit dem Bau der Rampen soll es beim Primtalsommer am 16./17. Juli gehen, bei dem das Forum Inklusion einen Stand hat.

Schulen sind angefragt, die Rampen in Projekttagen zu bauen und dabei die Gedanken um Barrierefreiheit des öffentlichen Raumes und der Geschäfte und Einrichtungen mit einzubeziehen, so Scharnberger.

Übrigens: Die Rampen sollen künftig nicht bei allen zehn beteiligten Geschäften die ganze Zeit am Eingang liegen, sondern sie sind so leicht, dass sie zur Seite gestellt, oder bei einer etwaigen zweiten Stufe verwendet werden können.

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