Ausstellung im Gebwerbemuseum: Einfühlsamer Pädagoge und vielseitiger Künstler

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Für musikalische Umrahmung sorgten Michaela David und Oliver Schneider an Klarinette und Klavier.
Für musikalische Umrahmung sorgten Michaela David und Oliver Schneider an Klarinette und Klavier. (Foto: Manfred Brugger)
Manfred Brugger

Trotz Kaiserwetter draussen und einer drückenden Schwüle drinnen im nichtklimatiisierten Festsaal des Gewerbemuseums konnte deren Leiterin Angelika Feldes am Samstagnachmittag ein volles Haus begrüssen. Ausgestellt wurden Werke von Albert Schellinger.

Die größte Besucher-Fraktion waren zehn Frauen vom Jahrgang 1939, allesamt Schellinger-Schülerinnen in den 50er-Jahren im Gebäude der heutigen Realschule. Die gekonnte musikalische Umrahmung lag in den Händen von Michaela David (Klarinette) und Oliver Schneider (Klavier),

Den Impuls zu dieser Ausstellung hat Peter Schellinger gegeben, ein Enkel des Künstlers. Dieser hat den Nachlaß seines Großvaters im letzten Jahr dem Gewerbemuseum angedient hat, „damit der Bestand in einer Hand bleibt“.

Karsten Frech entbot in seiner letzten Amtshandlung als Bürgermeister-Stellvertreter die Grußworte der Stadt. Und zitierte dabei Jean Paul: „Die Kunst ist nicht das Brot des Lebens, doch der Wein des Lebens“.

Angelika Feldes zeichnete den Lebensweg dieses Pädagogen und Künstlers nach, der 1901 in Hofen geboren wurde und sein Zeichentalent geerbt haben könnte. Denn zur Verwandtschaft zählten ein Bildhauer (Christian Winker) und ein Kirchenmaler (Hans Schellinger).

Albert Schellinger wird als zurückhaltend, sensibel, nachdenklich und freundlich beschrieben. Er war als Volksschullehrer ausgesprochen beliebt und hatte eine Pädagogik, die sich der Persönlichkeitsentwicklung seiner anvertrauten Schüler verschrieben hatte. Und er war einer der Ersten, der die Gruppenarbeit eingeführt hat. Er war musikalisch und hatte offensichtlich auch einen guten Humor, den er gerne mittels Karikaturen aufs Papier gebracht hat. Bevorzugtes Motiv war dabei Spießer, die er mit Vergnügen auf seinem Lieblingsmotiv, den Kakteen, „aufgespiesst“ hat.

Der Allroundkünstler hat seine Talente nicht nur an seine Schüler, sondern auch an das Gemeinwesen weitergegeben. Beispielsweise im Liederkranz, dessen großes Fest zum Hundertjährigen anno 1951 er federführend organisiert und ausgestaltet hat.

Albert Schellinger stand nicht an der Spitze des Fortschritts, war weniger Avantgardist als Idealist, der sich die Freiheit genommen hat, nicht jeder Kunstströmung nachzulaufen. Gleichwohl beherrschte er so viele Malstile und Genre, dass man sich – entlang seiner Bilder flanierend – fragt, ob diese Werkschau wirklich ausnahmslos aus ein und derselben Hand stammt. Zumal es weder ein Werksverzeichnis gibt noch Datierungen der Bilder, geschweige denn eine autobiographische Abhandlung. Also ein hartes Brot für die Kuratorin!

Der Nachruhm war diesem bescheidenen Mann offensichtlich weniger wichtig. Trotzdem hängen viele seiner Bilder bis zum heutigen Tag in den vier Wänden etlicher Spaichinger, vorzugsweise Landschaftsmotive aus unserer näheren Heimat.

Mit einem Magengeschwür ist dieser sensible Künstler aus dem Krieg zurückgekehrt. Die angegriffene Gesundheit dürfte sich auch in seinem Spätwerk niedergeschlagen haben, denn auffallend viele Motive aus der Zeit handeln von Abgestorbenem und Entwurzeltem in der Natur.

Die Vergänglichkeit wird zu seinem Thema, auch die der Schönheit. Und natürlich jene des menschlichen Lebens, eingebunden in den ewigen Kreislauf der Natur. Sein letztes Bild datiert aus dem Jahr 1959, dem Jahr vor seinem Tod. Spaichingen, vom Dreifaltigkeitsberg aus gemalt, erscheint in hellen Farben, mit einigen wie schwerelosen Wölkchen am blauen Himmel. Als ob er schon geahnt hätte, dass es nicht mehr weit bis dorthin ist.

Der bewirtende Heimatverein unter der Leitung vom Thomas Steidle lud abschließend noch zu Erfrischungen und einem frischgebackenen Zopfbrot ein.

Die Ausstellung ist zum 15. September zu sehen. Und wer die Person und das Wirken vom Albert Schellinger noch vertiefen möchte, wird dazu bei einem „Erzähl-Cafe“ Gelegenheit bekommen. Der Termin dafür wird noch bekanntgegeben.

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