Auf dem Klippeneck wird doppelt gefeiert

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Herlinde Groß

Zwei Ereignisse sind in einem Festakt auf dem Klippeneck mit einer großen Anzahl Luftsportbegeisterter und jeder Menge Ehrengäste und Präsidenten gefeiert worden. Unter der Schirmherrschaft von Guido Wolf (MdL), Minister der Justiz und für Europa Baden-Württemberg, feierte der Baden-Württembergische Luftfahrtverband (BWLV) sein 90-jähriges Bestehen und die Übergabe der Technischen Betriebswerkstatt.

In allen Grußworten und Gratulationen kam zum Ausdruck, dass mit der Investition das Klippeneck zu einem Leistungszentrum des Segelflugsports wird. Nicht nur die Gemeinde Denkingen ist stolz auf ihren Segelflugplatz, der zu den höchstgelegenen Plätzen dieser Art zählt und auch der landschaftlich schönste und reizvollste Segelflugplatz Deutschlands ist, sondern bei allen Luftsportlern ist er beliebt und hoch in Ehren.

Der Präsident des BWLV, Eberhard Laur, blickte auf eine wechselhafte Baugeschichte der neuen Technischen Betriebswerkstatt zurück. Dabei dankte er besonders BWLV-Vize und Schatzmeister Hans-Joachim Proß. Dieser hat zusammen mit Architektin Alice Haller federführend den Neubau geleitet, wobei vielerlei technische und bürokratische Hürden zu überwinden waren, sodass eine verschmerzbare Bauverzögerung auftrat.

Im Januar konnte jedoch der erste Lehrgang in der Halle stattfinden.

Eberhard Laur stellte mit Nachdruck fest, dass der BWLV kein Gegner von Windkrafträdern sei, doch die Planung von zwei Anlagen in der Nähe des Dreifaltigkeitsbergs halte er für unklug, da sie eine flugsportliche Beeinträchtigung wären.

Schirmherr Guido Wolf sprach über: „Was verbindet den Menschen mit dem Fliegen?“ So verbinde man Fliegen mit Freiheit, Freizügigkeit sowie Vertrauen in Mensch und Maschine. Der Sport sollte auch die Balance halten zwischen Natur und Fliegerei.

Bürgermeister Rudolf Wuhrer stellte in seinem Grußwort „90 Jahre BWLV“ in den Mittelpunkt. Kaum wurde im Frühjahr 1932 das Klippeneck für den Segelflug entdeckt, gab die Gemeinde die Zustimmung zum Bau. Seit 1932 sind die Segelflieger mit dem dazu gehörenden Flugplatz auf dem Klippeneck fester Bestandteil der Gemeinde. Mit einem Baum gratulierte Bürgermeister Wuhrer.

„Die Luftfahrtpioniere haben das Fundament gelegt für den Luftsport“, sagte Wolfgang Müther, Präsident des Deutschen Aero-Clubs. „Wir machen Sport und unsere Motivation ist Siegeswille“, sagte er. Luftsport mache aus der neuen Werkstatt eine Wirkungsstätte.

Eine Überraschung mit Ehrungen hatte der Präsident des BWLV Eberhard Laur noch im Paket. Brigitta Keller, eine starke Frau im Sport, ernannte er für ihre großartigen Leistungen im Flugsport zum Ehrenmitglied. Sie machte ihre Segelflugausbildung noch zu einer Zeit, wo Frauen unerwünscht in diesem Sport waren. Die zweite Ehrenmitgliedschaft ging an Bodo Stehle. Mit 14 Jahren machte er bereits den Flugschein und fliegt heute noch mit fast 91 Jahren. Als zweiter Sportler in ganz Deutschland machte er in den 50er-Jahren den Motorflugschein, mit „Zwei“ in seinem Schein. Er war ebenso Ausbilder, Prüfungsrat, flog in der Nationalmannschaft und ist ein Urgewächs vom Klippeneck.

Im Normalfall wird bei Übergabe eines Gebäudes symbolisch der Schlüssel am Anfang übergeben. Auf dem Klippeneck war es ganz anders. Während es sich die Festgäste bereits in der Halle bequem gemacht hatten, stieg in 1000 Meter Höhe der Weltmeister im Fallschirmspringen, Klaus Renz, aus dem Flugzeug und landete haargenau auf dem markierten Punkt. In seinem Gepäck hatte er den Schlüssel, dann eben, um am Abend die Halle zu verschließen.

Beim zwanglosen Beisammensein mit Bewirtung unterhielt die Dixieland-Band „Old Fashion Jazz Band“ die Gäste. Anschließend wurde das Flugplatzfest der Arge Klippeneck eröffnet.

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