Auf dem Dreifaltigkeitsberg öffnet sich der Himmel

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 Verstärkung erhielt die Chorgemeinschaft durch die Gesangssolisten (v.l.) Dominik Hofmann, Philipp Nicklaus, Heike Wössner und
Verstärkung erhielt die Chorgemeinschaft durch die Gesangssolisten (v.l.) Dominik Hofmann, Philipp Nicklaus, Heike Wössner und Merlind Witte. (Foto: Richard Moosbrucker)
Richard Moosbrucker

Manches Tränchen, aber auch dankbare Gedanken im Herzen hat die Aufführung von Wolfgang Amadeus Mozarts „Requiem“ durch die „Chorgemeinschaft Fischermühle“ und ein Projektorchester am späten Sonntagnachmittag in der Dreifaltigkeitskirche in Spaichingen ausgelöst.

„Mozart hat die Erde, die menschliche Natur, auch mit ihren Abgründen, zutiefst erkannt – und er öffnet uns den Himmel, wenn unsere Herzen hören können.“ So schreibt Ursula Riehm in der Programmzeitschrift zur Aufführung. In einem grandiosen Auftritt hat sie mit diesem letzten Werk Mozarts, der während des Entstehens seinen eigenen Tod schon vorausahnte, die Herzen der Konzertbesucher mit Sicherheit geöffnet und ihnen damit einen musikalischen Hochgenuss beschert, der in ihren Gedanken und eben in ihren Herzen noch lange Fortbestand haben wird.

Die Voraussetzung dafür, dass dies gelingt, liegt in der herzlichen Art von Ursula Riehm begründet, wie sie es schafft, auch noch im Alter von 76 Jahren, Sängerinnen und Sänger aus dem Volk, aber auch aus ihrem professionellen Musikerleben für eine Sache zu begeistern. Über ein Jahr haben die Vorbereitungen für diese Aufführung – eine erste fand tags zuvor in der evangelischen Stadtkirche in Oberndorf a.N. statt – gedauert. Über ein Jahr lang hat sie mit größter Geduld und Hingabe ihren Chor, in dem Sängerinnen und Sänger aus allen Schichten der Bevölkerung aus dem Raum Tuttlingen, Rottweil, Balingen bis nach Tübingen, mitwirken – und punktgenau auf diese beiden Auftritte vorbereitet.

Ursula Riehm: „Ich habe diese wahnsinnige Begeisterung in ihnen entfachen können und dabei festgestellt, dass alles noch tiefer erfahrbar ist und ich immer noch Neues entdecken kann. Aus dieser Empfindung heraus lenkt sie ihre Sängerinnen und Sänger, ihre Solisten, ihre Musiker, indem es ihr gelingt, durch Mimik und Ganzkörpereinsatz die richtigen Impulse zu setzen.

Mozart, wahrlich einer der größten Komponisten der Musikgeschichte, hat mit dem Requiem, das er selbst nicht mehr vollenden konnte, ein Werk geschaffen, das nicht ohne weiteres von Laien interpretiert werden kann. Ursula Riehm hat sich daher auch mit Merlind Witte, Heike Wössner, Philipp Nicklaus und Dominik Hoffmann professionelle Unterstützung geholt, die durch ihre musikalisch-gesangliche Güte das Konzert auf eine hohe Qualitätsstufe gesetzt haben. Hinzu kommt auch noch die innere Freude von Ursula Riehm, die durch die Mitwirkung ihres Enkels, Alban Pohle auf der Trompete, ihrer Nichte Susanne Fiegel und ihrer Großnichte Anne Fliegel, einen familiären Moment erfahren hat.

Ursula Riehm, die nebenbei auch noch den Schiedsrichterchor Zollernalb, den Liederkranz Deilingen und den Gesangverein Renquishausen leitet, ist noch lange nicht müde. Im Gegenteil: Durch jede gelungene Aufführung bekommt sie bestätigt, dass ihre Liebe zur Kontinuität eine solide Grundlage für ihr künftiges musikalisches Wirken darstellt.

Und wenn am Schluss des Konzertes bei manchem Hörer ein Tränchen floss, dann ist es Ausdruck dafür, dass Mozarts Requiem die Herzen erfüllt, wenn es um den unvermeidlichen Tod eines Menschen geht.

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