„Assistenzhunde ermöglichen Unabhängigkeit“

Lesedauer: 5 Min
Schwäbische Zeitung

Die in Spaichingen aufgewachsene Sabine Häcker ist Vorsitzende des Vereins „Hunde für Handicaps“ in Berlin, der Assistenzhunde ausbildet und vermittelt, die behinderten Menschen zur Seite stehen. Kürzlich hat sie das Bundesverdienstkreuz bekommen (wir berichteten). Redakteur Michael Hochheuser hat mit der Tierärztin und Hundetrainerin gesprochen.

Sie haben Kindheit und Jugend in Spaichingen verbracht. Gehörten Hunde schon damals zu Ihrem Leben?

Ich bin mit Hunden aufgewachsen, sie gehörten zur Familie. Als Schülerin habe ich Praktika gemacht beim Spaichinger Tierarzt Anton Uhl. Nach dem Abitur bin ich dann nach Berlin gegangen, um Tiermedizin zu studieren. Seit Anfang der 90er Jahre engagiere ich mich ehrenamtlich beim seinerzeit neu gegründeten Verein „Hunde für Handicaps“, bin heute dessen Vorsitzende.

Welchen Bezug haben Sie heute noch zu Spaichingen?

Ich habe vor allem nette Erinnerungen. Meine Familie ist bereits vor Jahren aus Spaichingen weggezogen. Zu alten Schulfreunden und -freundinnen habe ich noch sporadisch Kontakt.

Assistenzhunde sollen behinderten Menschen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen und leben mit ihnen im selben Haushalt. Dafür ist sicher nicht jeder Hund geeignet. Wie wählen Sie die Tiere aus?

Wir machen Eignungstests zur Gesundheit und zum Verhalten. Die Tiere müssen ausgeglichen, menschenfreundlich, sehr ruhig und entspannt sein. Sie dürfen zum Beispiel nicht panisch werden oder sich aufregen, wenn etwa einem Rollstuhlfahrer im Supermarkt etwas runter fällt und ein anderer Kunde es aufhebt, bevor der Hund es macht. Da darf keine Konkurrenzsituation entstehen. Der Hund muss charmant mit solchen Situationen umgehen, er darf nicht seine Beute verteidigen. Von vier Hunden, die für eine Ausbildung in Frage kommen, ist letztlich einer als Assistenzhund geeignet.

In welchen Situationen helfen die Tiere?

Zum Beispiel beim Betätigen des Lichtschalters, beim Öffnen und Schließen von Türen und Schubladen, beim Apportieren von Gegenständen, beim Tragen von Taschen oder beim An- und Ausziehen.

Können Sie, etwa zum letzten Punkt, ein konkretes Beispiel nennen, wo sich das Leben eines behinderten Menschen durch den Einsatz eines Assistenzhundes verbessert hat?

Eine Frau fällt mir ein, die mir berichtete, dass sie nun erstmals in ihrem Leben darin unabhängig war, wann sie zu Bett geht. Statt ihrer Familie zieht ihr jetzt ihr Assistenzhund abends die Socken aus. Für diese Menschen öffnen sich durch die Tiere neue Freiheitsräume. Die Hunde ermöglichen ihnen mehr Unabhängigkeit von menschlicher Assistenz.

Wie kommen behinderte Menschen an die Hunde?

Sie können einen Antrag stellen bei unserem Verein. Wir suchen dann gemeinsam einen passenden Hund. Aber nicht nur das Tier muss kooperativ sein, auch beim Halter prüfen wir, ob er zum Beispiel ein verantwortungsbewusster Mensch ist. Tier und Mensch müssen dann eine Assistenzhund-Teamprüfung ablegen. Pro Jahr haben wir im Schnitt zwei bis drei geprüfte Teams.

Wie sieht es mit der Finanzierung aus?

Der Verein finanziert sich allein aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden. Die Anschaffung der Assistenzhunde setzt sich aus Spenden und einem Eigenanteil der behinderten Halterinnen und Halter zusammen. Zum Teil gehören die Tiere den Leuten dann, zum Teil überlassen wir sie ihnen für eine bestimmte Zeit.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen