Arbeit für fast 50 behinderte Menschen

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 Schauen sich den Baufortschritt im künftigen Dienstleistungszentrum für behinderte Menschen an: Günter Gruschwitz (links) und G
Schauen sich den Baufortschritt im künftigen Dienstleistungszentrum für behinderte Menschen an: Günter Gruschwitz (links) und Günter Stier (rechts), Eigentümer und Vermieter des Gebäudes, erläutern Barbara Reichstein und Franz Walter von der Stiftung Liebenau den Stand der Dinge auf der Baustelle. (Foto: Michael Hochheuser)
Michael Hochhesuer

Fast 50 behinderte Menschen sollen ab Ende Februar im neuen „Dienstleistungszentrum zur Teilhabe am Arbeitsleben“ schaffen. Vorwiegend Menschen aus dem nördlichen Landkreis, die bisher zu den Lebenshilfe-Werkstätten in Tuttlingen mussten. Die ersten Partnerfirmen hat der Träger, die Stiftung Liebenau, gefunden: Hommel + Keller in Aldingen und das Wurmlinger Unternehmen Staufen. Anfang Januar startete der Umbau im Erdgeschoss in dem Gebäude Ecke Haupt-/Dreifaltigkeitsbergstraße, in dem bisher ein Fitnesscenter war. Auf 530 Quadratmetern entstehen unter anderem ein großer Werkstattraum und Büros.

„Wir haben viele Firmen angesprochen“, sagt Barbara Reichstein, Regionalleitung Schwarzwald-Baar-Heuberg der Stiftung Liebenau. Das Feedback sei „eher positiv“ gewesen; intensiviert werden sollen die Kontakte mit der Eröffnung des Zentrums Ende Februar. Übergangsweise hat die Stiftung eine Wohnung in der Martin-Luther-Straße angemietet, in der seit September bereits vier junge Behinderte im Berufsbildungsbereich arbeiten: Verpackungsarbeiten von Büromaterial für die Firma Staufen und Aufsteckarbeiten für den Aldinger Automobilzulieferer.

„Daneben ist alles denkbar“, sagt Reichstein. Fest eingeplant im Dienstleistungszentrum ist eine Holzwerkstatt, in der etwa Dekoartikel gefertigt werden. Die Ausbildung kann die behinderten Menschen aber auch in ganz andere Richtungen führen: Als mögliche Einsatzfelder nennen Reichstein und Franz Walter, Bereichsleiter überregionale Standortentwicklung der Stiftung, etwa Tierheime, Getränkemärkte, Gartenpflege oder Seniorenheime. Behinderte Menschen, die in Spaichingen arbeiten wollen, können laut Reichstein bei der Agentur für Arbeit einen Antrag auf „Teilhabe am Arbeitsleben“ stellen – Auswirkung des Bundesteilhabegesetzes. „Der Landkreis Tuttlingen hatte festgestellt, dass der Bedarf gestiegen ist – und wollte mit dem Standort in Spaichingen eine Wahlmöglichkeit schaffen.“ Es sei Wunsch des Landkreises gewesen, ein wohnortnahes Angebot im nördlichen Kreis zu bieten. Die vorgesehenen 48 Plätze, zunächst sollen dort zwölf bis 16 Leute arbeiten, reichen aus Reichsteins Warte aus, „aber es würde auch Erweiterungsmöglichkeiten geben im Haus“.

Die lägen in Richtung Hauptstraße, sagen Günter Gruschwitz und Günter Stier, Eigentümer des Gebäudes und Vermieter. An der Ecke Haupt-/Dreifaltigkeitsbergstraße entsteht derzeit das „TriNo-Carré“, Abkürzung für „Trinitas Novum“. Das Fitnesscenter ist in den ersten Stock gezogen; laut Gruschwitz sind zwei weitere Stockwerke geplant: Eines soll das Center zusätzlich nutzen, in dem anderen werden Gewerbe- und Wohnflächen geschaffen. Drei Millionen Euro investieren Gruschwitz und Stier in den Umbau, 300 000 davon ins Erdgeschoss. „Neben einem gewissen sozialen Engagement war es uns wichtig, mit der Stiftung einen verlässlichen Partner zu bekommen.“ Diese investiert rund 100 000 Euro in die Einrichtung, der Mietvertrag läuft über 15 Jahre.

„Uns war wichtig, dass das Dienstleistungszentrum zentral liegt und nicht auf der grünen Wiese“, betont Walter, dass den behinderten Beschäftigten so die Möglichkeit zur Begegnung mit den Spaichingern geboten würde. Etwa, wenn sie mittags essen gehen in der Stadt. Auf den 530 Quadratmetern entstehen eine zentrale Werkstatt, ein Ruheraum, Sanitäranlagen, Küche, Umkleide, drei Büros und ein Besprechungsraum. „Unser Ziel ist es, die Leute so weit zu bringen, dass sie die Werkstatt verlassen und auf den allgemeinen Arbeitsmarkt können“, sagt Walter. 27 Monate umfasse der Berufsbildungsbereich, in denen die behinderten Menschen unter anderem Praktika machen.

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