AfD-Vorstoß zu Meldeplattform für Lehrer erntet Kopfschütteln

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 Als gezielte Provokation werten auch Spaichinger Schulleiter den AfD-Vorstoß.
Als gezielte Provokation werten auch Spaichinger Schulleiter den AfD-Vorstoß. (Foto: Marc Müller)
Redaktionsleiterin

Wachsam, aber nicht aufgeregt haben die Spaichinger Schulleiter auf den Vorstoß der AfD reagiert, Plattformen einrichten zu wollen, auf denen Schüler AfD-kritische Äußerungen ihrer Lehrer eintragen sollen. Der Tenor: Provokation, um sich ins Gespräch zu bringen. Nichts Neues bei der AfD. Auch sonst ist trotz Internet das Bloßstellen oder Anprangern von Lehrern in „sozialen“ Netzwerken kein Problem.

Gymnasialleiter Jürgen Pach sieht in dem Vorstoß eine grundsätzlich andere Dimension, als Bewertungs-Portale wie „Schüler VZ“, das aber nicht mehr aktiv sei. Der AfD-Vorstoß habe eine ganz andere Zielrichtung. Den freiheitlich-demokratischen Grundkonsens anzugreifen, habe gesellschaftlich eine ganz andere Qualität, als wenn Schüler bewerten, ob ein Lehrer gut oder schlecht gekleidet ist.

Aber er bleibt gelassen: „Bei uns ist das kein drängendes Problem, denn wir haben diese Plattformen der AfD in Baden-Württemberg ja nicht.“ Diese gebe es in anderen Ländern bereits.

Am Gymnasium aber greife nach seiner Meinung das Präventionskonzept im Umgang mit dem Medium Internet. Dabei gehe es in vielen Projekten darum, auf die Gefahren und darauf, was es bedeutet, im Internet zu kommunizieren, aufmerksam zu machen. Das gelte auch für Themen wie Cybermobbing.

Hier Bewusstsein zu schaffen, funktioniere in großen Teilen sehr gut, so Pach.

Lehrer durch Schüler im Grunde bespitzeln zu lassen, wie viele Kommentatoren auch landesweit den Vorstoß bewerten, das stößt auch in der Schillerschule auf Ablehnung. Nur: „Ich mache mir selbst hier keine großen Sorgen“, sagt Schulleiter Michael Maurer. Als Lehrer wisse man, auch kontroverse Themen angemessen zu vermitteln. Er wertet den Vorstoß als Provokation.

Jeder könne sich schließlich beschweren oder auch zur Polizei gehen, wenn er glaube, jemand verletzte Gesetze – auch Lehrer. Aber Pranger im Internet, womöglich anonym, das sei ein „No go“.

Für die Schillerschule sei sowieso nichts zu befürchten: Er habe noch von keinem Kollegen gehört, dass er von einem Schüler angegriffen worden sei, weil dieser meinte, etwas politisch nicht Korrektes gehört zu haben.

Was das Lehrer-Schüler-Verhältnis angeht, so habe er ebenfalls noch keinen Hinweis gehabt, dass Schüler Lehrer in den sozialen Medien diffamierten, so Maurer. Lehrer seien selbst in sozialen Medien unterwegs und würden eher aufmerksam beobachten, wenn Schüler sich selbst oder Mitschülern schaden könnten.

Stefanie Paret, Leiterin der Baldenbergschule, bestätigt dieses Bild: Internetpranger für Lehrer – welcher Art auch immer, sei an der Baldenbergschule kein Thema. Eher innerhalb der Schülerschaft, aber das versuche man mit Hilfe der Schulsozialarbeit aufzufangen.

Das Verhältnis von Schülern und Lehrern sei in der kleinen Förderschule einfach persönlicher und direkter.

Jenseits der Lebenswirklichkeit

Ein AfD-Pranger für Lehrer hält sie auch an der Lebenswirklichkeit der Schüler vorbei gedacht. Junge Leute beschäftigten sich mit ganz anderen Dingen. Natürlich thematisiere man politische Dinge wie Wahlmöglichkeiten, derzeit seien auch wieder Schüler in Berlin auf Klassenfahrt, aber sie merken schnell, dass etwa pauschale Behauptungen nichts mit der Wirklichkeit zu tun haben. Etwa, wenn jemand ein Vorurteil über Flüchtlinge mitbringe und dann ganz erstaunt sei, dass es Schüler gleich nebenan gibt, die Flüchtlinge sind.

Im Bezug auf den AfD-Vorstoß müsse man sich fragen, was die Zielsetzung sei, was dahinter stecke. Und: „Bei uns herrscht ein anderer Umgang.“

Nicht alle weiterführenden Schulen haben wir bei unserer Umfrage am gestrigen Mittwoch erreicht.

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