Dass bei der Musikkameradschaft auch Musikerinnen mitmachen, ist kein Zufall. Die zweite Jugendwerbung im Jahre 1972 machte dem
Dass bei der Musikkameradschaft auch Musikerinnen mitmachen, ist kein Zufall. Die zweite Jugendwerbung im Jahre 1972 machte dem exklusiven Männerbund ein für alle Mal den Garaus. Fünf Mädchen traten in die Musikkameradschaft ein. Mit Begeisterung si (Foto: Herlinde Groß)
Schwäbische Zeitung
Herlinde Groß

Die Musikkameradschaft Hausen o. V. feiert in diesem Jahr ihr 90-jähriges Bestehen. Die verschiedenen Veranstaltungen wurden mit dem gelungenen Neujahrskonzert in der Schreinerei Roland Haller eröffnet. Nun wird in einem „Historischen Abend“ am kommenden Samstag, 21.April, um 19.30 Uhr in der Verenahalle 90 Jahre Musikgeschichte aufgearbeitet.

Auf zwei Bühnen wird ein historischer Rückblick in Szene gesetzt und musiziert. Sprecher, Dichter und Hauptorganisator Bernd Boschanowitsch wird den Besuchern den Hintergrund und die wahren Begebenheiten erläutern. Die Szenen werden immer wieder von musikalischen Stücken aus der jeweiligen Zeit untermalt. „Hier spielen wir Stücke, die längst nicht mehr in unserem Repertoire sind”, sagt Vorsitzender Harald Klaiber. Aber die „alten Schmöker“ zu spielen, mache richtig Spaß. Natürlich treten die Darsteller und Musikanten auch im „historischen Outfit“ der jeweiligen Zeit auf.

Angefangen hat alles 1925 mit Gründung eines Posaunenchors. Der Sprecher weist darauf hin, dass Willi Haller (dargestellt von Gerd Mauthe) kurz nach Ende des ersten Weltkriegs soeben einen Choral auf seinem Flügelhorn spielt. Das Instrument hat er von seinem Bruder geschenkt bekommen und sich das Spielen selbst beigebracht. Das imposante Spiel hatte das Interesse einiger anderer junger Männer im Dorf geweckt, und so entsteht der Posaunenchor.

Die frühen Jahre der Weimarer Republik waren in Hausen von massiver Armut geprägt. Das Geld für die Instrumente wurde mühsam erbettelt. Wie so eine Spendensammlung von Tür zu Tür ablief, erleben die Besucher ebenfalls.

Eine Tuba gibt es nur unter Auflagen

Teuerstes Instrument war die Tuba, die von der evangelischen Kirchengemeinde gespendet wurde, mit der Auflage, das Instrument nur für kirchliche Anlässe zu nutzen. Um die Kasse aufzustocken, wurden bald Tanzabende veranstaltet und weitere Veranstaltungen musikalisch umrahmt. Bereits 1928 zog man daraus die logische Konsequenz und gründete aus dem Posaunenchor offiziell die Musikkameradschaft Hausen o. V. Blieb nur noch das Problem mit der Auflage für die Tubaspende mit Pfarrer Hilzinger, die in einem Dialog souverän geregelt werden kann.

Erster Dirigent wurde Gotthold Flaig aus Aldingen. Dass prominente Paare bei musikalischen Veranstaltungen gegen eine Geldspende einen Freitanz erhielten, wurde zu einem besonderen Thema. Bald ruhte das Musizieren, da sämtliche Mitglieder zum Kriegsdienst eingezogen wurden. Fünf Kameraden bezahlten dafür mit dem Leben.

Nach einem größeren Disput mit der französischen Besatzung fing das Musizieren wieder an. Die Vereinsgeschichte wird aufgelockert mit spaßigen und fast unglaublichen Anekdoten. Die verschiedenen Dirigenten wie Karl Köllemann (Martin Haller), Alfred Wellhäuser (Rainer Kohler), Fridolin Schönegg, Gustav Schad, Japaner Wati (Matze) und jetzt Christoph Hohl haben die Musikkameradschaft mitgeprägt.

Das Publikum kann auch hautnah miterleben, wie die ersten Jugendwerbungen begannen, endlich Mädchen mitspielen durften und dann die verschiedenen Uniform-Wechsel von statten gingen. Weiteres darf allerdings nicht verraten werden, denn Spannung sollte ja an diesem historischen Abend ebenfalls vorhanden sein, wie Spaß und Freude an alter und auch neuer Musik.

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