25-Jähriger muss ins Gefängnis

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Justitia
Justitia (Foto: Jens Kalaene)
Moni Marcel

Der Prozess wird am Freitag, 13. Juli, um 8.30 Uhr fortgesetzt, ein Urteil wird es voraussichtlich am 20. Juli geben. Und im Herbst einen weiteren Prozess gegen die beiden Haupttäter und außerdem gegen weitere Angeklagte.

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Zahlreiche Einbrüche und eine Schlägerei in der Silvesternacht mitten in Spaichingen: Vor dem Rottweiler Landgericht müssen sich derzeit mehrere Angeklagte verantworten. Zwei von ihnen haben ihr Urteil bereits bekommen, einer sitzt in Haft, ein zweiter wurde freigesprochen (wir haben berichtet). Am Dienstag saßen vier junge Männer auf der Anklagebank. Zwei von ihnen sollen laut Anklage zwischen Dezember und März über 20 Mal in Bäckereifilialen eingebrochen sein, ein weiterer ist als ihr Fahrer angeklagt.

Dem vierten Angeklagten wird vorgeworfen, bei einem Einbruch in die Aldinger Mehrzweckhalle dabei gewesen zu sein. Der 25-Jährige stritt das bislang ab, doch offenbar hat er sich bei der Tat verletzt und Blutspuren hinterlassen, die laut einem Gutachten eindeutig von ihm stammen. Viel Beute machten die Angeklagten bei dem Einbruch am 11. November 2016 offenbar nicht, ein Kasten Bier und ein Verbandskasten war alles, der Sachschaden lag allerdings bei 2000 Euro; unter anderem wurde die Scheibe des Regieraums eingeschlagen: Vermutlich dabei hab sich der 25-Jährige verletzt und den Verbandskasten mitgenommen, so Richterin Petra Wagner. Die auch auf die Videoaufnahmen verwies, die ihn zeigen, wie er von der Halle weggeht.

Darum und weil er bereits eine Bewährungsstrafe hat, muss er jetzt ins Gefängnis: ein Jahr und einen Monat Haft lautete das Urteil. Sein Geständnis kam in letzter Sekunde, im Schlusswort gab er zu, drogenabhängig zu sein. Das milderte die Strafe allerdings nicht mehr. „Wir haben Ihnen tausende Brücken gebaut“, so Wagner. Mehrere Therapien habe der 25-Jährige abgebrochen, und aus mehreren Vorstrafen nichts gelernt. „Sie wussten genau, es darf nichts mehr passieren. Und Sie tun es trotzdem.“ Keine einzige Sozialstunde habe er abgeleistet. „Sie sind an einem Punkt, wo Sie nichts mehr haben. Das ist bitter.“ Verschenkte Lebensjahre, so Wagner, seien dies. „Versuchen Sie, vom Vollzug aus was aus Ihrem Leben zu machen. In Freiheit kriegen Sie das nicht hin.“

Nach diesem Urteil ging der Prozess gegen die drei anderen Angeklagten weiter. Die beiden mutmaßlichen Einbrecher sitzen bereits wegen anderer Vergehen in Haft, und sie gaben eine Tat nach der anderen zu, die letzte am 1. März diesen Jahres, als sie bereits zum fünften Mal in die Bäckerei des Nettomarkts in Zimmern ob Rottweil einbrachen. Der Inhaber verfolgte dieses Mal live über die Kamera den Einbruch und holte die Polizei. Ihr Fahrer wurde in seinem Auto kontrolliert, „die beiden anderen schlugen sich in die Büsche“, so Richterin Wagner. Die zögerlichen Geständnisse ärgerten sie sichtlich, und so kam nach und nach zum Vorschein, dass die beiden jungen Männer systematisch ihre Einbrüche planten, sich zu Treffen verabredeten, wo dann der Fahrer auf dem Handy die nächsten Supermärkte mit Bäckereifilialen suchte.

Er selbst habe nur einen kleinen Teil der Beute bekommen, die beiden anderen sprachen davon, man habe die Beute – teils über 1000 Euro – gleichmäßig aufgeteilt. „Ich habe erst in der Anklageschrift gesehen, wie viel da zusammengekommen ist“, so der Fahrer. Offenbar hatten die beiden Haupttäter eine Tasche mit Werkzeug und Mützen, die sie auf ihre Raubzüge mitnahmen. Einmal, in Wehingen, gab es als Beute statt Bargeld Zigaretten, bei einem Einbruch in Brigachtal versprühten sie den Inhalt eines Feuerlöschers, um Fußspuren zu verbergen.

Zahlreiche Zeugen wurden am Dienstag gehört, dabei ging es um die Prügelei in der Silvesternacht. Aus einer Gruppe heraus sollen die beiden Haupttäter ein vorbeilaufendes Pärchen beleidigt haben, worauf der Junge sie zur Rede gestellt habe, so die Anklage. Daraufhin sollen sie ihn zu Boden geschubst und mit Fäusten und Fußtritten traktiert haben. Erst als ein Autofahrer hielt und Hilfe anbot, hätten sie von ihm abgelassen. Die beiden sagten am Dienstag, sie hätten davor eine Dreiliterflasche Wodka geleert, allerdings beschrieb keiner der Zeugen die beiden als betrunken. Die Aussagen der Freundinnen und Freunde widersprachen denen der Angeklagten, die sagten, das Opfer sei total betrunken gewesen, es habe sich auf seine Freundin gestützt und geschwankt.

Er selbst habe helfen wollen und sei dann angepöbelt worden, meinte einer der Angeklagten. Das Opfer sei immer lauter geworden, auf Nachfragen der Richterin erinnerte sich aber keiner der beiden mehr an Genaueres. Auch die 16-jährige Freundin eines der Angeklagten berief sich zunächst auf Erinnerungslücken. „Wenn Ihr Freund schlägt, da schauen Sie doch hin“, so Wagner zu der Schülerin. „Ist Ihnen das wurscht? Was, wenn Sie selber das Opfer wären?“ Die Tat hatte wohl noch ein Nachspiel, da Freunde des Opfers sich auf die Suche nach den Tätern machten; ein Zeuge sprach davon, sie seien am Busbahnhof mit Messern bedroht worden.

Der Prozess wird am Freitag, 13. Juli, um 8.30 Uhr fortgesetzt, ein Urteil wird es voraussichtlich am 20. Juli geben. Und im Herbst einen weiteren Prozess gegen die beiden Haupttäter und außerdem gegen weitere Angeklagte.

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