Ökumene wird beim Ehepaar Götz groß geschrieben

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 Agiler Ruhestand: Rosemarie und Fritz Götz engagieren sich vor allem in der Kirchenarbeit.
Agiler Ruhestand: Rosemarie und Fritz Götz engagieren sich vor allem in der Kirchenarbeit. (Foto: Manfred Brugger)
Manfred Brugger

Wenn zwei gebürtige Oberschwaben hierher ziehen, würde man im ersten Moment auf „katholisch“ tippen. Doch damit liegt man nur bei Rosemarie Götz richtig, die aus Uttenweiler im Kreis Biberach stammt. Ihr Mann kommt aus dem evangelischen Örtchen Pflummern, das zwischenzeitlich längst nach Riedlingen eingemeindet worden ist. Somit liegt eine konfessionsverbindende Ehe vor, die sich wie ein roter Faden durch das ehrenamtliche Engagement dieser beiden zieht.

Fritz Götz ist seit 24 Jahren Mitglied im evangelischen Kirchengemeinderat, davon die vergangenen zwölf Jahre als Vorsitzender. Er hat also schon mit dem vormaligen Pfarrer Jürgen Ebert zusammengearbeitet und nach dessen Weggang die Vakanzzeit gemanagt. Wozu auch die Pflege des Pfarrgartens zählte, wo ihn ein Gemeindemitglied seinerzeit beim Rasenmähen schon voller Vorfreude gefragt hatte: „Sind Sie der neue Pfarrer?“.

Ob er bei der anstehenden Kirchengemeinderatswahl am ersten Adventssonntag nochmals zur Wiederwahl antritt? „Wohl nicht, denn 24 Jahre sind genug.“ Damit verbunden wäre auch ein Ausscheiden aus dem Kirchenbezirksausschuss (auf Dekanatsebene) und den damit zusammenhängenden zwei Synoden in jedem Kirchenjahr. Im hiesigen Ökumenischen Arbeitskreis, zur Zeit der Quadriga Felder-Andelfinger-Ebert-Paulus ins Leben gerufen, dürfte er dagegen weiter engagiert bleiben. Zumal im kommenden Jahr das dritte Ökumenische Kirchenfest in der Stadthalle ansteht.

Das kirchliche Engagement ist jedenfalls Herzenssache, auch in handwerklicher Hinsicht. Denn der Ex-Banker hat sich schon bei der aufwändigen Innenrenovation der evangelischen Kirche im Jahr 2004 eingebracht und will das bei der 2020 anstehenden Dachsanierung wieder tun. Im Rahmen des bewährten Rentner-Bautrupps. „Auch, weil in den Vesperpausen über Gott und die Welt geredet wird“, so Fritz Götz. Eine so auf den ersten Blick gar nicht vermutete Spielart des Gemeindelebens, in der Praktisches mit Spirituellem offensichtlich eine glückliche Verbindung eingeht.

Die zweite Leidenschaft der Eheleute Götz ist der Schneeschuhverein Spaichingen, der in diesem Jahr bekanntlich 100-jähriges Jubiläum feiert. Beim traditionellen Schlachtfest am Volkstrauertag-Wochenende auf der Skihütte bestreiten die Götzens den Samstag. Hinzu kommen mehrere Hüttendienste das Jahr über, wozu auch jener nach dem „Gottesdienst im Grünen“ ( immer im Juli) zählt. „In der freien Natur, der Altar vor der imposanten Kulisse der Stadt und des Dreifaltigkeitsbergs, der Posaunenchor mit der musikalischen Umrahmung: Das geht unter die Haut.“ Und wenn sich dann noch eine Taufe dazugesellt – „es waren sogar schon einmal fünf“ – kann man fast ins Schwärmen geraten.

Und noch ein weiteres Mal ist Ökumene angesagt: Bei Rosemarie Götz im Rahmen der Kleiderkammer, die im Jahr 2000 gegründet wurde, von einem sechsköpfigen Leitungskreis geführt wird und mittlerweile über 30 Helfer zählt.

Rosemarie Götz ist in der Regel montags im Einsatz: dem „Annahmetag“, wo Kleiderspender nicht nur überschüssige Textilien loswerden, sondern sich bei der Gelegenheit auch immer wieder den einen oder anderen Kummer von der Seele reden. Diese Kleiderkammer, zu der jeder Zutritt hat (also ohne Berechtigungsschein o.ä.) wird sehr gut angenommen und erwirtschaftet alljährlich sogar einen Überschuss, der an wohltätige Zwecke weitergereicht wird. Ursprünglich stand sogar der Gedanke im Raum, dort einen Tafelladen anzudocken. Doch aufgrund der Nähe zu den bereits bestehenden in Tuttlingen und Trossingen fehlt es an der kritischen Masse, sowohl beim Angebot als auch bei der Nachfrage.

Seit vier Jahren sind beide im Ruhestand: sie nach 21 Jahren im Schuldienst in Denkingen, er nach 45 Jahren in der freien Wirtschaft. Die Naturverbundenheit ist beiden gemein und die Früchte der schweißtreibenden Waldarbeit ( „kein Spazierengehen“!) sind an den akkurat aufgeschichteten Holzstößen im Garten ablesbar. Für eine wohlige Wärme im Kachelofen ist also vorgesorgt.

Fritz Götz ist zu alledem langjähriger Kassier seines Jahrgangs 1950. Und Rosemarie Götz kegelt seit 15 Jahren immer freitags mit acht Kegelschwestern. Der in ihrem Geburtsjahr 1952 im „Waldhorn“ gegründete Club trägt den vielsagenden Namen „Keiner bleibt stehen“.

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