Rolf Dufner hat sich mit der Bezwingung des Stilfser Jochs einen Traum erfüllt.
Rolf Dufner hat sich mit der Bezwingung des Stilfser Jochs einen Traum erfüllt. (Foto: Sabine Doderer)
Sabine Doderer

Für Rolf Dufner, der seit Jahrzehnten eine sportliche Institution in Seitingen-Oberflacht ist, ist kürzlich ein großer Traum in Erfüllung gegangen: Endlich stand er mit seinem 19 Jahre alten Tourenrad am Start zur Bezwingung des bekannten Stilfser Jochs. Neben rund 11 000 weiteren begeisterten Bikern wollte er die zick-zack-artig verlaufende Bergstrecke von Prad (900 Meter über Normalnull) bis hoch zum höchsten Straßenpass (2760 Meter über Normalnull) Italiens schaffen. Immerhin lagen 48 spitze Kehren vor den Sportlern.

Im Vorfeld hatte sich Dufner über Monate innerlich und mit gezieltem Training auf die Strecke vorbereitet. Wiederholt schaute er sich Aufzeichnungen des Giro d’Italia an und informierte sich genauestens im Internet über den Verlauf der berühmten Passstraße.

Gleichzeitig sah er sich konfrontiert mit den Bedenken seiner Sport-Freunde. Diese konnten den ehrgeizigen und durchtrainierten Dufner, der gerade seinen 80. Geburtstag gefeiert hatte, jedoch nicht von seinem Vorhaben abbringen. Neben seinen täglichen Radtouren begann er ein gezieltes Berg-Training. Ideale Voraussetzungen boten da der Weilheimer Berg und die Strecke zum Hohenkarpfen hinauf. Auch konnte er seine Familie mir seiner Entschlossenheit überzeugen. Zum 80. Geburtstag wollte er nur ein einziges Geschenk: Die Teilnahme an der Pass-Bezwingung.

Am Morgen des 31. August gehörte die gesamte Strecke den Radfahrern. Ein bisschen mulmig sei ihm dann doch vor dem Start gegen 7.30 Uhr gewesen, sagte er. Doch die Aufregung verflog mit jedem Tritt in die Pedale. Geduld war angesagt. Das wusste der erfahrene Hobbysportler. Schon dreimal habe er beim Bräunlingen-Marathon mitgemacht – mit seiner persönlichen Bestzeit von unter vier Stunden.

Seit 26 Jahren leitet er den Lauftreff der Turngemeinschaft Seitingen-Oberflacht. Und bis heute betreibt er leidenschaftlich Langlauf. Am liebsten querfeldein. Da sei er dann ganz eins mit sich und der Natur. Selbstverständlich fährt er auch lieber mit dem Fahrrad als mit dem Auto nach Tuttlingen.

Nun also begann die Herausforderung am Berg. Die Taktik, die Strecke gemütlich anzugehen, ging für Rolf Dufner auf. Als er erstmals auf der Strecke den Blick frei hatte auf die vielen Kehren hoch zum Pass, wurde er doch ehrfürchtig. Fortan konzentrierte er seinen Blick nicht mehr nach oben, sondern auf die kurze Strecke vor sich. Beharrlich und gleichmäßig in die Pedale tretend ging es Höhen – Höhenmeter dem Ziel entgegen. E-Biker und Rennradfahrer überholten ihn – aber das zählte für Rolf Dufner nicht.

Nach gut vier Stunden auf der Passhöhe angekommen, bot sich ihm bei bestem Wetter ein grandioser Blick auf die Ortler-Gruppe. Auch herrschte dort eine ausgelassen-fröhliche Stimmung unter den Teilnehmern aus den unterschiedlichen Ländern. Für Rolf Dufner ein sprichwörtlich erhebendes Gefühl.

Die Abfahrt verlief dann geradezu wie von selbst. Pausen zum Innehalten und die Natur Bestaunen waren ihm auf dem Rückweg wichtig. So schnell sollte dieses einzigartige Ereignis noch nicht vorüber sein. Krönender Abschluss des Tages war der Besuch des Restaurants der Ski-Legende Gustav Thöni in Trafoi. Dort konnte man nicht nur die vielen Weltcup-Pokale des Skirennläufers bestaunen, sondern sich auch kulinarisch verwöhnen lassen.

Auf die Frage, ob er der älteste Teilnehmer an der Bergtour gewesen sei, zuckt Rolf Dufner nur mit den Schultern und erwidert schmunzelnd: Sein Fahrrad sei sicher das älteste gewesen.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen