Dringend mehr Platz benötigt: Kindergartenkinder sollen ins Museum

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Der Kindergarten wird zu klein, nun wird über Ausweichmöglichekeiten nachgedacht.
Der Kindergarten wird zu klein, nun wird über Ausweichmöglichekeiten nachgedacht. (Foto: HOC/Archiv)
Simon Schneider

Wohin mit den Kindergartenkindern in Seitingen-Oberflacht? Diese Frage hat der Gemeinderat auf seiner Sitzung am vergangenen Donnerstag intensiv diskutiert, denn von Januar bis Juli fehlen zwölf Plätze bei den über dreijährigen (Ü3) Kindern.

Bürgermeister Jürgen Buhl stellte zunächst die Belegung und Entwicklung der einzelnen Gruppen vor. Während der Platz in der Kleinkindgruppe mit 19 Kindern und einer maximalen Anzahl von 20 Kindern und der Platz mit einer Kapazität von 19 Kindern in der Ganztagsgruppe ausreicht, sieht es hingegen in der voll belegten Regelgruppe mit maximal 28 Kindern anders aus. Dort seien drei Kinder für das nächste Jahr angemeldet, die aktuell keinen Platz hätten. In der VÖ-Gruppe (verlängerte Öffnungszeiten) mit einer Kapazität von 24 Kindern ist die Situationen noch angespannter. Dort hätten sich bis Juni nächsten Jahres weitere sieben Kinder angemeldet. Doch die Gruppe ist bereits jetzt überfüllt.

Der Kindergarten ist laut Buhl demnach Ende 2019 „voll belegt“. Von Januar bis Juli 2020 fehlen weitere zwölf Plätze im Ü3-Bereich, was die VÖ-Kinder und die Regelkinder betreffe. „Die Situation entspannt sich zu Beginn des Kindergartenjahres 2020/2021 gravierend, weil rund 30 Kinder schulpflichtig werden und den Kindergarten verlassen“, sagte Buhl.

Dennoch: Aufgrund der Prognosen benötige der Kindergarten ohnehin mittelfristig eine siebte Gruppe. Im Gespräch ist bei der weiteren Entwicklung ab 2021 eine altersgemischte Gruppe der zwei- bis sechsjährigen Kinder. Für eine langfristige Lösung der Kindergartenbedarfsplanung sprach Buhl von einer „baulichen Maßnahme“ in Form eines Kindergartenanbaus.

Und wohin mit den Kindern in der Zwischenzeit? Genau dieser Frage ging der Landeskommunalverband für Jugend und Soziales, die Unfallkasse und das Gesundheitsamt bei einer Ortsbesichtigung mit dem Bürgermeister zuletzt auf den Grund. Mehrere Unterbringungsmöglichkeiten für eine weitere Kindergartengruppe wurden dabei besichtigt. Der Werkraum im Erdgeschoss des Ganztagsschulgebäudes erfülle zwar die räumlichen Voraussetzungen, die Toiletten müssten aber für die Kinder umgebaut werden. Eine Doppelnutzung der Toiletten mit den Grundschülern sei nicht zulässig. Das Katholische Gemeindehaus Sankt Michael scheide aufgrund der Größe der Toiletten und der Doppelnutzung ebenso aus. Auch im ehemaligen Schwesternhaus auf dem Kirchberg wären die Toiletten das Problem, genauso müssten sie im Gemeindezentrum kindgerecht umgebaut werden. Von einer Containerlösung sieht Buhl aufgrund der hohen Kosten ebenso ab.

Was bleibt ist der Raum vier im Erdgeschoss des Museums, der an den Kindergarten angrenzt. Werden dort die Toiletten im Untergeschoss nicht kindgerecht und mit einem Wickeltisch ausgestattet und für die Museumsbesucher geschlossen, gäbe es im Außenbereich bei den Fahrradständern die Möglichkeit, einen entsprechenden Toilettencontainer aufzustellen.

Die Verwaltung sprach sich aus Kostengründen für die Unterbringung im Museum aus, da zu Zeiten der Kindergartennutzung keine weitere Nutzung des gesamten Gebäudes stattfinde und auch unter Berücksichtigung der notwendigen Umbauarbeiten würden die Kosten deutlich geringer sein als die Containerlösung. Ebenso würde der Raum kurzfristig zur Verfügung stehen. Buhl merkte ebenso an, dass bei der Museumslösung der Außenbereich des Kindergartens in unmittelbarer Nachbarschaft mitgenutzt werde könne, was nicht nur für die Kinder untereinander, sondern auch für das Personal Vorteile hätte.

Nach langer Diskussion beschloss der Gemeinderat mit einer Gegenstimme und drei Enthaltungen, die Variante mit der kindgerechten Nutzung im Museum grundsätzlich vorzuziehen, dies weiter zu prüfen, genauso aber die Variante mit dem Ganztagsschulgebäude mit entsprechender Containertoiletten nicht aus den Augen zu verlieren. Ebenso soll die Verwaltung abfragen, ob eine Kooperation mit den Kindergärten in Durchhausen und Gunningen realisiert werden könne. Hier wies Buhl unter anderem auf den Abmangel hin. „Eine Ideallösung gibt es nicht“, stellte der Schultes abschließend fest.

Zusätzlich beschlossen die Räte, dass die Angebotsform der Betreuung einer weiteren Gruppe als Halbtagsgruppe mit maximal 14 Kindern und einem Personalbedarf von 1,75 Stellen erfolgen soll. Der Elternbeitrag legten sie dabei auf 95 Euro pro Woche fest mit einer Betreuungszeit von 7.30 bis 12 Uhr. Die Verwaltung wurde beauftragt, bei den Eltern das Interesse an dieser Halbtagsgruppe abzufragen und gegebenenfalls die notwendigen Fachkräfte zu suchen.

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