Berthold Mink ist mit 98 Jahren der älteste Bürger von Seitingen-Oberflacht.
Berthold Mink ist mit 98 Jahren der älteste Bürger von Seitingen-Oberflacht. (Foto: Sabine Doderer)
Sabine Doderer

Der älteste Bürger von Seitingen-Oberflacht, Berthold Mink, feiert heute seinen 98. Geburtstag. Trotz mancher Grenzsituationen, die sein Leben immer wieder auf die Probe gestellt haben, ist Mink ein rüstiger und neugieriger Herr.

In zwei kleinen Alben mit schwarz-weiß Fotografien ist sein Leben dokumentiert: Die harte Arbeit auf den Feldern Ende der dreißiger Jahre, die Lehre zum Landwirt auf verschiedenen Höfen in der Fremde, die beklemmenden Kriegsjahre.

Berthold Mink wurde 1920 auf dem Bertholdshof in Oberflacht geboren und wuchs mit seinen zwei Brüdern und seiner Schwester in einem landwirtschaftlichen Betrieb auf, der auf eine dreihundert-jährige Geschichte zurück blicken kann.

Für ihn stand schon als kleiner Junge wie selbstverständlich fest: „Ich werde Bauer!“ Doch dann veränderte der Krieg alles. Mink und seine beiden Brüder wurden gleich zu Kriegsbeginn eingezogen.

Die Eltern sind gläubige Katholiken, keine Nazi-Anhänger, keine Mitläufer. Das habe der Partei schon gereicht, um den Jungen einen Denkzettel zu verpassen, erinnert sich Berthold Mink heute. Trost und Unterstützung fanden die Menschen beim Pfarrer Siesäcker, der das Nazi-Regime ebenfalls ablehnte. Wie durch ein Wunder kehrten alle drei nach den Kriegsjahren in die Heimat zurück. Aus Dankbarkeit ließ die Tante ein großes Holzkreuz in der Nähe des Hofes errichten.

14 Enkel und sieben Urenkel

Der Psalm 84,2, den sie eingravieren lässt, drückt die Gläubigkeit und Dankbarkeit angesichts der Rückkehr der Jungen aus: „Ich denke Gedanken des Friedens, nicht des Verderbens. Ihr werdet zu mir rufen und ich werde euch erhören. Heimführen werde ich euch aus der Gefangenschaft von überall her.“ Immer wieder erwähnt Berthold Mink das Wort „Glück“. Das Glück, dass er sich der russischen Gefangenschaft entziehen konnte, das Glück, dass er nach dem Krieg seine Frau kennen gelernt hat und endlich wieder seinen Beruf als Landwirt mit Leidenschaft ausüben konnte. Vier Kinder hat das Paar bekommen, die Nachfolge auf dem Hof war gesichert.

Mittlerweile 14 Enkelkinder und sieben Urenkel sorgen dafür, dass es den Minks nie langweilig wird. Mit Freude und Dankbarkeit erinnert er sich an die goldene Hochzeit, die er mit seiner Frau feiern konnte. 30 Jahre lang seien sie regelmäßig jeden Sonntag ins nahe gelegene Solemar nach Bad Dürrheim gefahren. Ein kleiner Luxus inmitten eines arbeitsreichen Alltags. Mehrfach pilgerte er mit seiner Frau nach Lourdes.

Trotz mehrerer Krankheiten behält Berthold Mink seine positive Einstellung und seinen Glauben und hat noch heute viel Freude am Leben auf seinem Hof.

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