Sauber und rein soll die Fasnet sein

Lesedauer: 4 Min
 Eiskaltes Vergnügen? Zum 44. Mal waschen die Narrenräte ihre Füße im Polterrainbrunnen.
Eiskaltes Vergnügen? Zum 44. Mal waschen die Narrenräte ihre Füße im Polterrainbrunnen. (Foto: uf/sbo)
sbo

Mit der traditionellen Fiaßwäsch am Polterrain-Brunnen hat die Narrenzunft Lauffen die närrische Saison 2020 eröffnet. Vor der Fiaßwäsch besuchten die Narrenräte den Dreikönigsgottesdienst in der Lauffener Kirche St. Georg. Zunftmeister Mathias Krotz begrüßte die zahlreich erschienenen Zuschauer am Polterrainbrunnen mit drei kräftigen „Kropf am Hals“, bevor er die Narrenräte aufforderte, ihre Füße im Brunnen zu waschen.

Zuvor prüfte Ehrenzunftmeister Robert Hensel jedoch das Wasser im Brunnen, denn der Brunnen läuft immer noch nicht, so dass nach Aussage von Zunftmeister Mäxle mühsam das Wasser vom Neckar herangeschafft werden musste.

Sauber und rein, so soll die Fasnet sein, niemand zum Leid und jedem zur Freud. Die sauberen Füße sollen die Narren bewahren vor anhaltendem Durst und daraus folgenden unheimlichen Räuschen, so Zunftmeister Mathias Krotz.

Die Fiaßwäsch entwickelte sich von der Zeremonie zum Ritual, schließlich zur Tradition und zum Brauchtum und fand auch in den Büchern von Professor Werner Metzger Niederschlag.

Robert Hensel, ehemaliger Zunft- und Zeremonienmeister, führte die Fiaßwäsch, als eine „Mitten-in-der-Nacht-Idee“ vor 44 Jahren ein. Er sagte einmal: „Vorbei ist Weihnachten, Silvester und Neujahr, des sind schöne Feiertag, des ist wahr. Heut ist aber unser Tag, glaubet es mir, wenn ich es euch sag, schauet na, schauet her, ab heut simmer wieder wer, man spricht mit Achtung vom Narrenrat, von seinen Festen und Umzug in der Tat. Es isch nicht so einfach Narr zu sei, und ’s ganz Jahr mitmacha im Verei. D’ Fiaßwäscha dond mer aus zweierlei Grund, erstens wollen mer a saubere Fasnet, und zweitens einmal im Jahr sei’s gsund.“

Seit 1976 gehört diese Zeremonie zur „Lofiner Fasnet“, deshalb machte das Fernsehen auch schon mehrmals Station in Lauffen.

Im eisigen Brunnenwasser wuschen die Narrenräte ihre Füße. Zunftmeister Mathias Krotz lud nach der Fiaßwäsch die Anwesenden zu einem Umtrunk und zum öffentlichen Abstauben ins Kröpferstüble ein.

Mit der 44. traditionellen Fiaßwäsch nach dem Dreikönigsgottesdienst am 6. Januar am Polterrainbrunnen beginnt für die Narrenzunft Lauffen die närrische Saison. 1976 fand am Polterrainbrunnen die erste Fiaßwäsch statt. Es war eine Idee des ehemaligen Zunft- und Zeremonienmeisters Robert Hensel. Die Lofiner Narren wollten „nach den Wirren des vergangenen Jahres die neue Saison sauber beginnen und keinen Käse breittreten“, so die Erläuterungen des damaligen Zeremonienmeisters. Diese Bedeutung gilt auch heute. Der Ritus, bei dem manchmal unter eiskalten Temperaturen die Füße im Brunnen öffentlich gewaschen werden, ist einmalig in der Region. 2016 war zum 40. Jubiläum auch Gründungsvater Robert Hensel mit dabei. Nach dem traditionellen Ritual findet im Kröpferstüble ein öffentliches Abstauben der Lofiner Narrenkleidle statt. Danach schickt Zunftmeister Mathias Krotz die Narrenräte auf den Weg, um die Narrenkleidle vom Staube zu befreien.

Meist gelesen in der Umgebung

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen

Mehr Themen