Bisher sind die Wege von haufenweise Drogen nach Geisingen unergründlich

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 Der Drogenprozess am Landgericht in Rottweil geht am Dienstag weiter.
Der Drogenprozess am Landgericht in Rottweil geht am Dienstag weiter. (Foto: Dorothea Hecht)
Lothar Häring

Der Prozess wird am Dienstag um 9 Uhr fortgesetzt.

Mehrere Jugendliche, die heute 16 und 17 Jahren alt sind, haben am Montag, dem sechsten Verhandlungstag im Drogen-Prozess vor dem Landgericht Rottweil, berichtet, sie hätten im Sommer und Herbst 2017 Rauschgift von den drei aus der Region stammenden Angeklagten gekauft.

Auf welchen Wegen die Betäubungsmittel in jenem Zeitraum haufenweise nach Geisingen kamen, ist weiterhin ungeklärt. Bisher sah es so aus, als seien zwei Albaner, die ebenfalls auf der Anklagebank und in Untersuchungshaft sitzen, die Drahtzieher. Unter anderem wurden sie von einem mitangeklagten Türken beschuldigt. Nach dessen Aussagen (wir berichteten) hat das Duo am Montag allerdings sein Schweigen gebrochen und in mehrstündigen Teil-Geständnissen den 42-jährigen Türken, der in Geisingen lebt und arbeitet und zwei kleine Kinder hat, schwer beschuldigt. Der habe die Drogenfahrten von und nach Konstanz sowie Kontakte in seinen früheren Wohnort in der Schweiz organisiert, ebenso den Weiterkauf an afrikanische Asylbewerber in Möhringen. Allerdings sind die Widersprüche aller drei Beteiligten so groß, dass sie das Gericht auch in mehr als acht Stunden Verhandlung nicht aufklären konnte. Weitere Vernehmungen sollen daher folgen.

Umso eindeutiger und vielsagender waren die Aussagen von fünf auf den ersten Blick ganz normalen Jugendlichen aus dem Raum Geisingen/Immendingen. Manche von ihnen waren zur Tatzeit noch Kinder, und sie räumten ein, schon vorher gekifft zu haben.

„Die haben gelebt wie die Könige. Das hat mir schon imponiert“, sagte ein heute 16-Jähriger und meinte damit die Dealer aus der Region. Bei ihnen habe er sich von Juni 2017 bis zu ihrer Festnahme im November des vergangenen Jahres mit Marihuana versorgt. „Die hatten immer viel Geld“, sagte er. Einmal habe ihm einer ein ganzes Bündel Scheine gezeigt, berichtete der 16-Jährige und räumte ein: „Ich wollte auch ein Stück vom Kuchen haben.“ Der Versuch sei aber, auch wegen der Verhaftungen, im Ansatz stecken geblieben.

Beziehung mit einer 15-Jährigen?

Auch eine inzwischen 16-Jährige berichtete vom Drogenkauf bei den Angeklagten, die über ihr Alter informiert gewesen seien, und ihrem regelmäßigen Drogenkonsum.

Dramatisch wurde es, als eine weitere 16-Jährige in den Zeugenstand kam. Sie erklärte, mit einem der Angeklagten, 22 Jahre alt und offenbar auch der Anführer der deutschen Truppe, eine zweimonatige Beziehung gehabt zu haben. Karlheinz Münzer, der Vorsitzende Richter, deutete an, der junge Mann habe die damals 15-Jährige „mit Fotos unter Druck gesetzt“. Sie gab an, von ihm damals nicht nur Marihuana, sondern auch Extasy und LSD gekauft zu haben.

Als Bernhard Mussgnug, der Verteidiger des Beschuldigten, immer weiter nachbohrte, räumte sie ein, in diesem Jahr mit einem Rapper aus Blumberg befreundet gewesen zu sein, der ebenfalls Kontakt zur Drogenszene habe. Mussgnug bestritt, dass sein Mandant eine Beziehung zu der Schülerin gehabt habe.

Als es schließlich im intime Einzelheiten ging, wurde die Öffentlichkeit ebenso vom weiteren Prozessverlauf ausgeschlossen wie beim Dementi des Beschuldigten.

Der Prozess wird am Dienstag um 9 Uhr fortgesetzt.

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