Bahnchef macht der Gäubahn Zusagen

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Nach gut eineinhalb Stunden, als im Rottweiler Ratssaal das meiste besprochen war, zieht Dr. Gerhard Aden, Stadtrat in Rottweil, an diesem Freitagvormittag ein Fazit: „Ich bin ratlos“, sagt er zu Bahnchef Rüdiger Grube, „Sie haben jetzt eine schöne Wundertüte aufgemacht. Ist das jetzt nur eine Beruhigungspille oder mehr als eine Zwischenlösung?“

Eine Antwort ist die: In den nächsten drei, vier Jahren wird sich auf der Gäubahn wenig ändern – kein ICE, keine Neigetechnik, keine schnelleren Fahrzeiten. Bereits Ende 2015, das ist die einzig positive Nachricht für die nahe Zukunft, soll der Fahrplan so getaktet werden, dass Anschlusszüge in Stuttgart und Zürich besser erreichbar sind.

Danach, so der zweite Teil der Antwort, tritt der vor einer Woche vorgestellte „Interimsfahrplan“ in Kraft. Der Bahnchef schildert ihn vor mehr als 30 Kommunalpolitikern nochmals ausführlich und in den schönsten Farben: „Nagelneue, wunderschöne weiße Intercity-Züge“, die im Stundentakt verkehren, was eine Verdoppelung des Verkehrsangebots bedeute. Zwischen Stuttgart und Singen können dann alle Kunden zum Preis des Nahverkehrs fahren. Das alles soll mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2017 in Kraft treten und ist nach Angaben von Grube „einmalig in Deutschland“. Gestern macht er vage Hoffnungen auf einen früheren Zeitpunkt: Vielleicht sei eine Umsetzung auch schon Ende 2016 denkbar. Allerdings hänge das davon ab, ob die Industrie die neuen Intercity-Züge liefern könnten, betont Grube und fügte hinzu: „Wir wollen da keine falschen Erwartungen wecken.“

Politiker fordern Bekenntnis zum teilweise zweigleisigen Ausbau

Damit gaben sich die örtlichen Abgeordneten nicht zufrieden. CDU/CSU-Fraktionschef Volker Kauder, der auch Grubes zweiten Besuch innerhalb von drei Jahren initiiert hatte, und Landtagspräsident Guido Wolf, gleichzeitig Vorsitzender des Interessenverbandes Gäubahn, forderten ein Bekenntnis zum teilweise zweigleisigen Ausbau und damit eine Verkürzung der Fahrzeit zwischen Zürich und Stuttgart von bisher drei auf zwei Stunden und 15 Minuten, wie sie im Staatsvertrag mit der Schweiz von 1996 vorgesehen ist.

Kauder betonte, das Berliner Verkehrsministerium habe ihm auf Rücksprache ausdrücklich versichert, dass die Finanzierung des zweigleisigen Abschnitts Horb-Neckarhausen im Verkehrsrahmenplan bis 2015 ebenso in der obersten Priorität eingestuft sei wie die Kosten für die Planungen der Strecken Rottweil-Neufra und Rietheim-Wurmlingen. „Das ist gesichert“, betonte der Wahlkreisabgeordnete. Die Kosten für alle drei Bereiche beliefen sich auf rund 140 Millionen Euro. Das müsste für die Bahn angesichts ihres Gesamtumsatzes zu machen sein, so Kauder.

Guido Wolf betonte, das Interimskonzept sei zwar schwer vermittelbar, wenn es erst in vier Jahren komme und dann bis zur Fertigstellung von Stuttgart 21, mindestens bis 2021 dauern soll, aber es stelle durchaus eine Verbesserung für die Region dar. Allerdings müsse der teilweise zweigleisige Ausbau und damit eine Verkürzung der Fahrzeit das Hauptziel sein. „Das können wir uneingeschränkt zusagen“, erklärte Grube.

Fragezeichen um Ausbaustrecken

Gleichzeitig überraschten er und Eckart Fricke, Bahn-Bevollmächtigter für Baden-Württemberg, mit einer Neuigkeit. Demnach werden die Planungen für den zweigleisigen Ausbau der Strecken Rottweil-Neufra und Rietheim-Wurmlingen auf Eis gelegt. Die neue Entwicklung erfordere auch neue Überlegungen, so die Begründung. Die Entscheidung über Alternativen falle bis zum „Bahngipfel“ mit der Landesregierung am 5. Juni. Die Mittel des Bundes würden aber auf jeden Fall für diesen Zweck verwendet, bekräftigten die Bahnchefs auf Nachfrage von Volker Kauder. Ebenso klar sei, dass die Gäubahn an den Flughafen angebunden werden müsse.

Rüdiger Grube legte „ein klares Bekenntnis“ ab: „Die Gäubahn ist für uns von ganz großer Bedeutung“, betonte er. „Unser Ziel ist es, die Attraktivität wesentlich zu steigern..“ Das sei in der Vergangenheit nicht immer so gewesen, weshalb auch der Fahrgast-Rückgang nicht verwundern dürfe, räumte der Bahnchef selbstkritisch ein. „Wir haben uns da nicht mit Ruhm bekleckert.“

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