Das Interesse an der neuen flexiblen Arbeitszeitregelung war unter den Marquardt-Mitarbeitern groß. Doch der Automobilzulieferer
Das Interesse an der neuen flexiblen Arbeitszeitregelung war unter den Marquardt-Mitarbeitern groß. Doch der Automobilzulieferer mit Sitz in Rietheim-Weilheim wollte das Modell zunächst nicht gewähren. Nun gibt es einen Kompromiss. (Foto: Archiv: Michael Hochheuser)
Schwäbische Zeitung

In der Diskussion um die flexible Arbeitszeitregelung, die seit Beginn des Jahres 2019 in der Metall- und Elektrobranche gilt, haben die IG Metall, der Betriebsrat und die Geschäftsführung von Marquardt nun einen Kompromiss vereinbart. Man sei „zu einem für alle Parteien tragbaren Ergebnis gekommen“, teilt der Automobilzulieferer mit Sitz in Rietheim-Weilheim schriftlich mit.

„Zu den wichtigsten Vereinbarungen gehört, dass Marquardt-Beschäftigte mit Kindern bis zu acht Jahren oder mit pflegebedürftigen Angehörigen anstelle von acht Tagen zusätzlicher Freizeit vier Tage erhalten. Hinzu kommen noch 50 Prozent der tariflich vereinbarten Sonderzahlung, die 13,75 Prozent eines Bruttomonatslohns entspricht. Mitarbeiter, die 59 Jahre oder älter sind und in Schicht arbeiten, können ebenfalls von der Regelung Gebrauch machen und tarifliche Freistellungszeit beantragen“, gibt Marquardt in einer Pressemitteilung bekannt.

Die neue flexible Arbeitszeitregelung, die seit Beginn des Jahres 2019 in der Metall- und Elektrobranche gilt, sieht etwas anders aus: Beschäftigte, die Kinder betreuen, Angehörige pflegen oder schon lange in Schicht arbeiten, können pro Jahr acht zusätzliche Tage frei nehmen, wenn sie im Gegenzug auf einen Teil des neuen, jährlich ausgezahlten tariflichen Zusatzgeldes in Höhe von 27,5 Prozent eines Monatsentgelts verzichten. Voraussetzung ist jedoch, dass die fehlende Arbeitszeit intern kompensiert werden kann – „Eine besondere Herausforderung für Unternehmen, die wie Marquardt unter hoher Auslastung stehen und stark wachsen“, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Deshalb wollte das Unternehmen dieses Modell den Mitarbeitern zunächst nicht gewähren (wir berichteten).

Klaus-Peter Manz, zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Albstadt, die auch für den Kreis Tuttlingen zuständig ist, sagt im Gespräch mit unserer Zeitung, dass die vereinbarte Lösung ein Kompromiss sei, mit der die IG Metall leben könne, auch wenn es ihm lieber gewesen wäre, wenn alle 270 Anträge der Mitarbeiter genehmigt worden wären. So habe nur die Hälfte einen Vorteil von dem Kompromiss.

Die Mitarbeiter, die kleine Kinder haben oder Angehörige pflegen, profitieren laut Manz. Bei den Schichtarbeitern werde nach dem Alter – 59 Jahre oder älter – differenziert. „Langfristig gesehen wird das kein Nachteil für Marquardt sein“, ist sich Manz sicher. Denn: „Die Zufriedenheit der Mitarbeiter darf man nicht unterschätzen.“ Deshalb sei der Kompromiss ein „wichtiger und richtiger Schritt“.

So zufrieden wird er auch in einer Pressemitteilung von Marquardt zitiert: „Wir freuen uns, dass es in einem konstruktiven Dialog mit Marquardt und dem Betriebsrat gelungen ist, eine Lösung zu finden, von der Arbeitgeber und Beschäftigte gleichermaßen profitieren. Gerade angesichts der hohen geschäftlichen Dynamik und des massiven Wettbewerbs- und Preisdrucks bei Marquardt wissen wir die hohe Flexibilität des Unternehmens zu schätzen.“

Offen bleibt die Frage, wie der Betriebsrat den verhandelten Kompromiss einschätzt. Der Betriebsratsvorsitzende Antonio Piovano war am Mittwoch für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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