„In der Urlaubszeit kann es richtig eng werden“

Lesedauer: 6 Min
Zum Großbrand bei der Firma Container Marquardt vergangenes Jahr rückte auch die Freiwillige Feuerwehr Rietheim-Weilheim aus.
Zum Großbrand bei der Firma Container Marquardt vergangenes Jahr rückte auch die Freiwillige Feuerwehr Rietheim-Weilheim aus. (Foto: Archiv: Christian Gerards)

Die Feuerwehr-Abteilung Rietheim hat derzeit 28 Aktive, die in Weilheim nur 18. Die Zahl der Kameraden „würde gerade so ausreichen“, sagt Feuerwehrkommandant Jürgen Vosseler. Deshalb wird jetzt Werbung gemacht, um Rietheim-Weilheimer für den Dienst zu gewinnen. Im Gespräch mit Redakteurin Alexandra Schneid spricht Vosseler über die Probleme, zu wenig Freiwillige zu haben und welche Folgen das haben kann.

Herr Vosseler, die Feuerwehr wirbt für neue Mitglieder. Wie viele fehlen denn in Rietheim-Weilheim?

Wir brauchen Minimum zwei bis drei weitere Kameraden, auf längere Sicht sogar noch mehr. Gerade in der Urlaubszeit können wir nicht auf alle Kameraden zurückgreifen. Da kann es richtig eng werden. Einmal hatten wir nur 13 Einsatzkräfte zur Verfügung. Das ist wirklich die Untergrenze. Denn wir brauchen neun Leute für das erst ausrückende Fahrzeug.

Warum ist Rietheim besser aufgestellt als Weilheim?

Beide Abteilungen haben Schwierigkeiten, neue Mitglieder zu gewinnen, aber Rietheim ist der größere Ort. Dort gibt es noch ältere Kameraden, die der Feuerwehr treu geblieben sind.

Die Feuerwehr macht gerade Werbung für sich. Wen wollen Sie damit ansprechen?

Wir suchen Leute aus Rietheim-Weilheim, die entweder dort wohnen oder arbeiten. So ist es üblich bei der Feuerwehr. Wobei wir einen hohen Anteil von auswärtigen Kameraden von umliegenden Gemeinden in der Feuerwehr haben, zum Beispiel aus Wurmlingen oder Seitingen. Diese Kameraden sind uns trotz Umzug treu geblieben.

Warum ist es so schwer, Aktive für die Feuerwehr zu gewinnen?

Ich denke, das ist ein allgemeines Problem in der Gesellschaft. Es ist schwer, Freiwillige zu finden, die sich ehrenamtlich engagieren. Auch der demografische Wandel könnte ein Punkt sein. Die Jugendlichen der Jugend-Feuerwehr kommen und gehen, und nehmen dann das nächste Angebot wahr – und diese Angebote werden nicht weniger.

Seit wann sind die Mitgliederzahlen rückläufig?

Ich würde sagen seit zehn bis 15 Jahren. Die Leute, die früher keine Feuerwehrabgabe gezahlt haben und zur Feuerwehr gegangen sind, fehlen uns heute. Und Jüngere kommen wenig nach. Ähnlich ist es mit der Wehrpflicht. Durch diese gab es einige junge Leute, die als Ersatzwehrplicht zur Feuerwehr gingen. Diese Regelung wurde im Jahr 2011 abgeschafft.

Was sind denn die Folgen, wenn die Feuerwehr zu wenig Aktive hat?

Dann sind wir nicht mehr einsatzbereit und können die neun Leute für das erst ausrückende Fahrzeug nicht mehr stellen, oder wir kommen zu spät am Einsatzort an. Denn spätestens zehn Minuten nach der Alarmierung müssen wir vor Ort sein. Wenn aber fünf oder sechs Einsatzkräfte von weiter weg kommen, können wir diese Frist nicht mehr einhalten.

Gab es schon mal Situationen, in denen die Feuerwehr wegen zu wenig Aktiven nicht einsatzbereit war?

Bisher konnten wir das noch immer gut regeln. Wir haben ja zwei Abteilungen, also eine in Rietheim und eine in Weilheim. Wir arbeiten eng zusammen. Notfalls fahren wir mit weniger Mann los, und vor Ort treffen wir auf Kameraden der jeweils anderen Abteilung. Gegebenenfalls können wir auch nach alarmieren und den Feuerwehrstützpunkt Tuttlingen anfordern. Bei größeren Schadenslagen ist das unumgänglich.

Welche Voraussetzungen müssen Freiwillige der Feuerwehr mitbringen?

Das polizeiliche Führungszeugnis sollte rein sein. Um als Aktiver bei der Feuerwehr mitzuwirken, sollte man 18 Jahre alt sein. Am besten wäre es, wenn man vor Ort lebt oder arbeitet. So stehen die Einsatzkräfte schnell zur Verfügung. Das Höchstalter liegt bei 65, wobei in Baden-Württemberg die Regel gilt, dass Leute, die älter als 65 Jahre sind, bei Einsätzen helfen können – sofern sie keine körperlich schweren Aufgaben übernehmen. Sie dürfen dann bei Festen mitwirken oder bei Einsätzen kleinere Tätigkeiten übernehmen, beispielsweise die Wasserversorgung überwachen. Auch in Rietheim-Weilheim gibt es eine sogenannte Altersabteilung, die ist aber bei Einsätzen nicht dabei.

Wie viele Einsätze hat die Feuerwehr Rietheim-Weilheim pro Jahr, und welche Einsätze sind das?

Im Schnitt rücken wir 20 mal pro Jahr zu diversen Einsätzen, wie Brände, technischen Hilfeleistungen oder Unfälle aus.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen