Die Skulptur vom Tuttlinger Bildhauer Roland Martin zeigt den „starken Mann, der den Verein zusammenhält“. Und das war Rolf Leib
Die Skulptur vom Tuttlinger Bildhauer Roland Martin zeigt den „starken Mann, der den Verein zusammenhält“. Und das war Rolf Leiber 50 Jahre lang als Vorstand des TSV-Rietheim. (Foto: Michael Häußler)

Nach einem halben Jahrhundert geht in der Sportwelt des TSV-Rietheim eine Ära zu Ende: Rolf Leiber legt sein Amt als Vorsitzender nach 50 Jahren im März nieder. Er hat den Verein entscheidend mitgeprägt und galt als „der starke Mann“, der den Verein zusammengehalten hat. „Und das ist er auch“, sagt der zweite Vorsitzende Gerd Bauer. Daran erinnert Leiber eine für ihn entworfene Skulptur vom Tuttlinger Bildhauer Roland Martin, die ihren Ehrenplatz in seinem Wohnzimmer gefunden hat.

„Ich bin jetzt 76. Nach 50 Jahren sollte Schluss sein“, sagt Rolf Leiber. Er sei schon ein paar Mal fast so weit gewesen, aufzuhören. „Ich wollte es in jüngere Hände legen, wurde aber immer wieder gebeten, weiter zu machen.“ Im vergangenen halben Jahrhundert hat Leiber sieben Abteilungen des TSV-Rietheim geleitet. „Die Höhen waren immer größer als die Tiefen“, sagt Leiber im Rückblick. Ich hatte beispielsweise sehr viel Erfolg mit den Handballern.“ Man habe damals den Aufstieg in die höchste Liga Baden-Württembergs geschafft. Er selbst habe noch mitgespielt. Es gebe aber auch etwas, das ihn betrübt: „Dass wir immer noch keine Halle haben und auch keinen Sportplatz mehr in Rietheim – das ist traurig, aber wahr“, sagt er.

Sein größter sportlicher Erfolg ist seine Karriere als Handball-Schiedsrichter. „Da bin ich kontinuierlich aufgestiegen – vom Bezirk bis zu internationalen Spielen“, sagt er mit Stolz in der Stimme. Er habe Bundesliga und Länderspiele gepfiffen. „Dass ich da so viel Erfolg gehabt habe, dazu hat meine Familie wesentlich beigetragen. Viele Ehen meiner Kollegen sind in die Brüche gegangen“, sagt er. In seiner Karriere als Schiedsrichter ist ihm eine bittere Enttäuschung ganz besonders in Erinnerung geblieben. „Wir wurden als Schiedsrichter zu den olympischen Spielen 1980 in Moskau berufen. Aufgrund des deutschen Boykotts konnten wir dann aber nicht hin“, sagt er immer noch sichtlich enttäuscht.

Das Amt des Vorsitzenden wurde von außen an ihn herangetragen und lag ihm im Blut. „Ich war immer ein sportbegeisterter Mensch und deshalb habe ich das auch gemacht“, so der 76-Jährige. Die älteren Mitglieder hätten ihn soweit gebracht, das Amt zu übernehmen, sagt er und lacht. „Früher bin ich jeden Sonntag auf den Sportplatz in Rietheim, da hab ich den Anschluss zu Rietheim gefunden.“ Vormittags habe man dort zum Spaß hauptsächlich Handball gespielt. Mittags seien dann die offiziellen Punktspiele gewesen. „Da wurde ich dann irgendwann auch ohne Spielberechtigung aufgestellt – ich hatte nichtmal ein Trikot“, erinnert sich Leiber. „Ich habe dann mit freiem Oberkörper gespielt“, sagt er und lacht.

Ganz verschwinden wird er nicht

Und so zielstrebig, wie er als junger Mann auf dem Sportplatz war, so hat er auch seine Aufgaben als Vorsitzender angepackt. „Wenn er Leute zur Hilfe gebraucht hat, konnte er immer welche finden, sie motivieren und überzeugen – das war immer seine große Stärke“, sagt Gerd Bauer über Rolf Leiber. „Wir können einen Mann mit einer Erfahrung von 50 Jahren nicht einfach auf die Seite schieben und das wollen wir auch gar nicht“, sagt Bauer mit Blick auf die Zukunft ohne Leiber. Leiber wird Ehrenvorsitzender. „Es ist uns eine Ehre, ihn dazu zu ernennen“, sagt Bauer.

„Nur weil ich Ade sage, heißt das nicht, dass ich verschwinde“, sagt Leiber. „Ich hänge so sehr an diesem Verein. Ich will, dass es dem TSV weiterhin gut geht, da helfe ich gern.“ Er werde aber seinem Nachfolger freie Hand lassen. „Da rede ich nicht rein. Wenn ich gefragt werde, bin ich da.“

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