Werke spiegeln schlimme Erlebnisse wider

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Bei der Vernissage am Sonntag in der Galerie Tabak im Bürgerhaus in Renquishausen bestaunen Besucher die Werke der Künstlerin Sy
Bei der Vernissage am Sonntag in der Galerie Tabak im Bürgerhaus in Renquishausen bestaunen Besucher die Werke der Künstlerin Sylvia Rösch-Jarosch. (Foto: Simon SCHNEIDER)
Simon Schneider

Die Erlebnisse als Kriegskind, die hausfrauliche Perfektion und die Konfrontation mit Krankheiten haben das Leben von der Künstlerin Sylvia Rösch-Jarosch genauso geprägt, wie ihre Kunstwerke. Die Ausstellung dazu ist ab sofort unter dem Titel „toujours travailler – immer arbeiten“ in der Galerie Tabak im Bürgerhaus in Renquishausen zu sehen.

Die Künstlerin Sylvia Rösch-Jarosch war selbst bei der Vernissage am Sonntag dabei – wenn auch geschwächt. Ihre Tochter Perdita Rösch hielt die Laudatio und beschrieb zunächst das Leben ihrer 1943 geborenen Mutter, die als Kriegskind in Breslau auf die Welt kam, in Kirchheim unter Teck aufwuchs und seit 1964 bis heute in Laichingen lebt. Rösch-Jarosch habe sich nach dem Studium an der Kunstakademie Stuttgart als freiberufliche Künstlerin mit dem Schwerpunkt der Malerei beschäftigt, genauso aber mit Zeichnungen und textilen Installationen.

Verstört sei sie durch die Erlebnisse als Kriegskind, später prägten die hausfrauliche Perfektion und häufige Krankheiten ihren Lebenslauf. Dann unterbrach ihre Tochter die Laudatio im Bürgerhaus vor rund 50 Besuchern, kämpfte mit den Tränen und gab zu: „Das ist sehr emotional für mich.“

Danach gab Rösch zu verstehen, dass ihre Mutter erst dann ihr Künstlerinnenleben in den Vordergrund stellte, wenn der Haushalt gemacht und die Familie abends versorgt war. Dem Kunstmarkt sei sie nie gefolgt, da ihre Kunst von innen und nicht von außen bestimmt sei. Die Formsprache abstrahierend-figurativ.

Mehr als 30 Werke gibt es in der Galerie Tabak ab sofort zu sehen. Viele davon abstrakt, viele enthalten Figuren. Betrachtet man die Bilder genau, entdeckt man viel Natur und noch mehr Garten. Düster wie ein nächtlicher Garten, aber auch ein Altersgarten, rotes Laub oder eine Blüte. So betitelt die Künstlerin auch ihre Arbeiten selbst. Manches sind Acrylbilder, bei anderen kam Ölfarbe zum Einsatz. Farbenfrohe Bilder wechseln sich mit düsteren ab.

Perdita Rösch verriet: „Wenn meine Mutter stark genug war und genug Kraft hatte, entstand so manches dunkle Bild.“ Genauso andersrum. Bunte Bilder malte sie zu Zeiten, in denen sie gelitten hat. Zu kämpfen hat sie auch heute noch, denn sie besitzt wenig Kraft und ihr Herz will nicht mehr so, wie es soll. Eines weiß Sylvia Rösch-Jarosch dafür umso mehr: „Ins Atelier gehen und arbeiten hält mich am Leben.“

Mit Aquarellfarben, Tusche, Kreide oder Filzstift habe die Künstlerin noch vor dem Frühstück Aquarelle geschaffen – „Blätter meines Lebensbaums“, so ihre Bezeichnung dazu. In der Ausstellung sind weit über tausend solcher Bilder, die zwischen 2012 und heute entstanden sind, in schwarzen Schachteln zu finden. Auch dabei prägen Figuren aus dem Garten wie Bäume und Tiere ihre Werke.

Im Namen der Gemeinde begrüßte der Bürgermeister von Renquishausen, Jürgen Zinsmayer, die Besucher sowie die Familie Rösch. Er finde die Ausstellung „wunderschön“ und sie sei „gelungen“. Das Jugendensemble des Musikvereins Renquishausen umrahmte die Vernissage musikalisch. Der Arbeitskreis Kunst der Galerie Tabak lud die Besucher der Vernissage im Anschluss zu einem Stehempfang ein.

Die Ausstellung „toujours travailler – immer arbeiten“ von Sylvia Rösch-Jarosch kann bis zum 17. November in der Galerie Tabak im Bürgerhaus, Burgerstraße 9, in Renquishausen besucht werden. Die Öffnungszeiten sind mittwochs und samstags von 15 bis 17 Uhr sowie sonntags von 11 bis 17 Uhr.

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