Rusics Skulpturen gewähren Einblick ins Innerste

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Freuen sich über eine gelungene Vernissage in der Galerie Tabak im Bürgerhaus Renquishausen: Bildhauer Zeljko Rusic, Kuratorin G
Freuen sich über eine gelungene Vernissage in der Galerie Tabak im Bürgerhaus Renquishausen: Bildhauer Zeljko Rusic, Kuratorin Gabriela Schwan und Bürgermeister Jürgen Zinsmayer (von links). (Foto: Kornelia Hörburger)
Kornelia Hörburger

Zeljko Rusics Holzskulpturen zeugen von hoher Handwerkskunst. Im Spannungsfeld zwischen rauen Spuren der Kettensäge, feingliedrigen Partien und freigelegten natürlichen Holzstrukturen vermitteln Rusics Figuren die ganze Bandbreite menschlicher Emotionen. Am Sonntag ist eine Ausstellung mit Werken des Künstlers in der Galerie Tabak in Renquishausen eröffnet worden.

Seit einer Begegnung mit dem Werk Rusics sei diese Ausstellung zur Herzensangelegenheit für ihn geworden, erklärte Bürgermeister Jürgen Zinsmayer bei der Vernissage. Auch die Eröffnung der 23. von Gabriela Schwan kuratierten Ausstellung der ehrenamtlich geführten Galerie Tabak hatte wieder zahlreiche Besucher nach Renquishausen geführt.

Zeljko Rusic wurde 1967 in Kroatien geboren. Seit 1991 lebt und arbeitet er in Königsfeld im Schwarzwald. Die 14 gezeigten Reliefs und mannshohen Skulpturen sind in den Jahren 2019 und 2020 entstanden – und zwar jeweils aus einem einzigen Block Pappel-, Linden-, Eichen- oder Ahornholz. Kleine Figuren balancieren gewagt oder verzweifelt in spektakulärer Höhe am Ende der Werkstücke. Andere kämpfen sich durch scheinbar fließende Netzgewebe aus Holz.

Was aus der Ferne filigran und anmutig erscheint, überrascht aus der Nähe mit rauen, unebenen Oberflächen. Sie sind das bewusst herbeigeführte Ergebnis der Arbeit mit der Kettensäge. Und immer wieder geben Einschnitte oder Ausschnitte den Blick frei ins Innenleben der Skulpturen. Spitz und schroff ragen dort freigelegten Holzstrukturen wie zerklüftete Felsnadeln in den Raum.

In einer erfrischenden Laudatio führte Gabriela Schwan in die Ausstellung ein. Rusic sieht sie, in bester Tradition der mittelalterlichen Bildschnitzer, als perfekten Handwerker mit dem Drang, eine philosophische Idee sichtbar zu machen. „Er zeigt den modernen Menschen, an dem das Leben zehrt, wie er in der einmal gefundenen Ruhe nicht verharren kann, sondern es ihn unaufhörlich zu Neuem treibt.“ Rusic stelle ausschließlich männliche Körper dar: „Einen weiblichen Körper mit diesen Schrunden und Kerben zu versehen, sagt Rusic, käme ihm wie Respektlosigkeit vor.“

Die Darstellungen von perforierten, zugleich menschlichen und unwirklichen Körpern beschreibt Schwan als „muskelfaserig enthäutet, verletzlich, versehrt und empfindlich.“ „Sie lassen uns in ihr Innerstes blicken und bleiben doch rätselhaft“, fasst sie den Eindruck zusammen. Als weitere Werkgruppe fasst Schwan „Menschen in schier ausweglosen Situationen“ zusammen: In schwindelnder Höhe schwankende Figuren auf Objekten, die an Leitern oder Bücherstapel erinnerten. „Aber vergessen wir nicht: Wer hoch steigt, kann auch tief fallen“, merkt sie an. Andere Protagonisten versuchten, sich aus netzartigen Strukturen herauszuwinden, „um dann doch in einer neuen Verstrickung zu landen.“

Dann sind da noch große büstenartige Skulpturen, die laut Schwan beeindruckend unterschiedliche Seelenzustände zeigen. „Sie gewähren uns einen Einblick in die Geisteswelt des Menschen an sich.“

Rusic betitelt keines seiner Werke und gibt damit auch keinen Hinweis zur Deutung. Schwan emunterte die Gäste, ihren persönlichen Teil aus jeder Skulptur herauszulesen, „denn jede geht uns im Innersten selbst an.“

Die Jugendgruppe des Musikvereins Mahlstetten umrahmte die Vernissage musikalisch.

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